Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449233--54730-2505447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3028 ganze Judenthum leidet darunter, denn man ist geneigt, zu verallgemeinern, und statt von einer Rabbinatswürde von einem gemeinen Nabbinats geschäfte zu sprechen, und nicht kann der ehrenhafte Rabbiner mehr jenen wohlthuenden Einfluß ausüben, den er vermöge seiner Persönlichkeit ausüben müßte. Nur ein Mittel wäre noch vorhanden, um diesen Krebsschaden aus unserer Mitte zu entfernen, um diese „Weinberg-Verderber" zu verscheuchen. Die charakterfesten Rabbiner sollten sich solidarisch verpflichten und es öffentlich erklären, daß sie mit solchen Individuen, die auf frevelhafte Weise zu einer Rabbinerstelle gelangt sind, jede Gemeinschaft abbrechen und sie weder tri Wort, noch in Schrift mit dem Rabbiner-Titel beehren. Dann werden sich Gemeinden und Rabbiner hüten, bei der Besetzung einer Rabbinerstelle unehrlich vorzugehen und die Rabbinatswürde wird dann überall in ihrem früberen Glanze strahlen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Oesterreich. Lemberg. (Zur Entführung eines I u d e n m ä d ch e n s.) Das Erkenntnißgericht in Neu-Sandec hat den Grundbesitzerssohn Joses Hajdak wegen Entführung des siebzehnjährigen Judenmädchens Rahel Ring, die er nach Krakau in das Felirianerinnen- Kloster brachte, wo es sich jetzt noch zur Vorbereitung für die Taufe aufhält, zu 1 Monat schweren, durch Fasten verschärften Kerkers verurtheilt. Krakau. (H i l f s v e r e i n für Galizien.) Wie bekannt, hat der Wiener Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in seinen Statuten sich Vorbehalten, in allen Städten der österreichischen Reichshälfte Ortsgruppen (Zweigvereine) zu gründen. In Krakau trat nun eine solche Ortsgruppe zusammen und hielt bereits am 17. v. M., unter Vorsitz des Herrn Dr. Hermann Brumer, Präses der Bnei Bris-Loge, die konstiruirende Versammlung ab. Der Vorsitzende erörterte eingehend den Zweck der Versammlung und verlas einen Bericht der Zentrale in Wien. Aus diesem für die armen Juden in Galizien hoffnungsvollen Berichte entnehmen wir Folgendes: „Der Vorstand des Hilfsvereins in Wien ist zur unumstößlichen Erkenntniß gelangt, daß nur die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit durch Hausindustrien das Wichtigste zur Linderung des jüdischen Elends in Galizien wäre. Der Vorstand bemüht sich daher, um Exporteure namhaft zu machen, welche großen Waarenbedarf haben und deren Erzeugniffe lediglich aus der Hausindustrie hervorgehen. Und es fand sich glücklicherweise ein Exporteur in Wien, der in großen Massen Haar- und Seidennetze in viele Länder verschickt, bisher in Niederösterreich, Böhmen und Mähren Faktoreien besitzt und einige tausend Familien durch die Ertheilung von Arbeit (die Ausarbeitung von Retzen) beschäftigt und in der Lage ist, weitere 70,000 Arbeiter und Arbeiterinnen dauernd zu beschäftigen. Dieser Exporteur schickte vor zwei Monaten seinen Oberfaktor — Herrn Lewith — nach galizischen kleinen Orten mit elf Lehrerinnen, um jüdische Mädchen und Knaben im Arbeiten von Netzen zu unterrichten. Der Unterricht ging sehr leicht von Statten; es versammelten sich Jung und Alt zur Erlernung der Arbeit, und anfangs vorigen Monats waren bereits in dem Städtchen Dombrowa 72, Rosvadow 78, Wischnitze 26, Mielez 52, Dukla 5.9, Chrzanow 42, Jagielniza SO, Saleschtschik 60 und Tluste 42 Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem Ausarbeiten von Haar- und Seidennetzen beschäftigt, die im Verhältniß ihrer Leistungsfähigkeit 60 Heller bis 1 Krone 60 Heller täglich verdienen. Die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt täglich zu und diese wird nach und nach eine Ziffer von Tausenden erreichen, weil das hungrige Volk stromweise die Arbeit verlangt. Der Bericht schließt mit der Konstatirung, daß die Hausindustrie in Galizien eine Riesenzukunft hat und daß der Vorstand des Hilfsvereins bemüht sein wird, eine große Zahl von Exporteuren aller Branchen der Hausindustrie zu gewinnen, um in allen nothwendigen galizischen Ortschaften genügend Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Der Ortsgruppe des Hilfsvereins kann jedermann. auch Damen, beitreten. Der Jahresbeitrag beträgt blos 4 Kronen. Jedes Mitglied hat das Wahlrecht bei der Generalversammlung, außerdem unterstützt dieses mit den vier Kronen ein ökonomisch-humanitäres Werk, das dem Judenthum zur wahren Zierde gereicht. Einschreibungen nimmt vorläufig der Obmann Herr Dr. Brumer in Krakau entgegen. England. London, I. Nov. Der Kampf gegen die Fremdeneinwanderung wird von den verschämten Londoner Antisemiten mit ungeschwächter Energie und mit den allen Antisemiten so geläufigen Mitteln der Lüge und der Verleumdung wettergeführt. Mr. A. T. Williams brachte, unterstützt von einem gewissen Mr. Gaskell, in der Stadtverordneten-Bersammlung den Antrag ein, der Magistrat möge die Einwanderungsfrage stu diren und den Einfluß, den die Emigration auf die Bevölkerung in bestimmten Stadttheilen Londons ausübt, genau untersuchen lassen. Gleichzeitig soll der Magistrat darüber berichten, welche Schritte die Stadtverordnetenversammlung bei der Regierung unternehmen könnte, um dieselbe zu veranlassen, die Fremdeneinwanderung in England zu verhindern. Ein ähnlich lautender Antrag wurde schon vor mehreren Monaten eingebracht; es kam aber damals zu keiner Debatte iiber denselben, da er nicht genügend unter-