Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWWWWMHMM 2021 ließ, daß alle Vorschriften genau innegehalten wurden, davon kann sich nur der einen Begriff machen, der das Glück hatte, seine Dienste zu benutzen. Seine hervorragendste Eigenschaft aber war seine große Gottesfurcht. Als einige Stunden vor seinem Tode seine l"atiin ihn klagend frag, was nun aus ihr und den lleinen Kindern werden solle, da rnachte er ihr in sanfter Meise Vorwürfe über eine derartige Rede. „Danke .Laschem jisborach, daß wir bis jetzt in Glück und Freude zusammen waren," sagte er zu ihr, „Er wird Dich auch in Zukunst nicht verlassen." Her Holzmann erreichte nur ein Alter von dreiunddreißig Jahren. Möge der Allgütige unsere Religionsgesellschaft in Zutunst vor solch' schweren Schlägen bewahren ,-j-p rpn -j*6aS -«uni Berlin, 20. Rov. Rach dem Bericht über das Reichenheim'sche Waisenhaus der hiesigen jüdischen Gemeinde (Weinbergsweg 11), für die Zeit vonr 1. April 1900 bis ‘>1. März 1901, wurden in der Anstalt 70 Zöglinge (45 .Knaben, :>0 Mädchen) verpflegt, 10 Zöglinge entlassen, ebensoviel neu ausgenommen. Die Geseimiiitausgaben betrugen im Berichtsjahre 49,455 Marl, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Ge ineindezuschuß von 22,989 Mk. aufgebracht wurden. Arnswalbc, 18. Rov. Eine Affaire, die vor etwa sechs Jahren die Bevölkerung des Arnswalder .Kreises außerordentlich beunruhigt hatte, findet setzt ihre Aufklärung. Damals verschwand aus dem Dorfe Mienken der dreijährige Sohn des Besitzers Fenske. Nachdem alles NachsuckM vergeblich gewesen, nahm ein Theil der Bevölkerung an, daß das Kind von einer um diese Zeit in der Gegend gesehenen Zigeunerbande entführt worben sei; die Antisemiten aber suchten hier nüeder einen „Ritualmord" zu konstatiren. Jetzt verlautet nach der „Bolksztg.", daß ein in jener Gegend wwhnender Förster R. auf seinem Sterbebette bekannt habe, daß er den Knaben versehentlich erschossen und dann aus Angst, bestraft zu werden, verscharrt hätte. Die Behörde beschäftigt sich bereits mit dieser Angelegenheit und so wird es hoffentlich gelingen, Licht in die mhsteriöse Sache zu bringen. München, 20. Rov. Der „Vaterlands"-Redakteur Dr. S i g l ist wegen Geistesschwäche entmündigt lvorden. Darmstadt, 20. Rov. (Hessische Kammer.) Bei der Berathung der Vorstellung einer Anzahl Bekenner des jüdischen Glaubens, welche Beschwerde darüber führen, daß die Großh. Regierung bei Anstellung der Beamten diese Glaubensgenossen zurücksetzt, entspann sich eine Debatte, in der mehrere Antisemiten gegen die Anstellung von jüdischen Richtern sprachen. Der Ausschuß-Antrag, welcher lautet: Die Kammer spricht die Erwartung aus, daß bei der Anstellung der Beamten der prinzipielle Standpunkt der religiösen Gleichberechtigung bewahrt werde, wurde in Uebereinstimmung mit der Regierung mit großer Mehrheit angenommen. Frankreich. Pari«-, 18. Rov. In antisemitischen und reaktionären Blättern liest man sehr oft von „jüdischer Solidarität." Geräth ein Jude in Unglück, so erhebt sich die ganze Nation, um dem leidenden Stammesgeuossen zu helfen. Diese Solidarität, behaupten die Antisemiten, macht auch die eigentliche Stärke des Indenthums aus. Wenn es sich auch nicht leugnen läßt, daß in früheren Zeiten die Solidarität unserer Glaubensgenossen geradezu einzig dastand, so muß man trotz alledem zugeben, daß diese hohe und schöne Tugend, deren Besitz für ein unterdrücktes Volk geradezu eine Lebensfrage ist, immer mehr in Abnahme begriffen ist, und daß man unbedingt große Anstrengungen machen muß, um diese schöne, reinjüdische Eigenschaft neu zu beleben. Theuer ist mir der Freund, doch auch der Feind kann mir nützen. Lehrt mich der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll. Sehen wir uns doch im Lager unserer Feinde um! Frankreich bereitet sich jetzt zu den Wahlen zum Abgeordnetenhaus vor. Auch die braven Antisemiten haben die Wahlschlacht begonnen. Um bei Wahlen günstige Resultate zu erzielen, muß man drei Dinge haben: Geld, Geld und Geld! So hat vor einiger Zeit die antisemitische Parteileitung einen in überschwenglichen Phrasen gehaltenen Aufruf erlassen, worin die Parteigenossen von Rah und Fern aufgefordert werden, für die „große Sache" fleißig zu arbeiten und Geld zu sammeln, „damit Frankreich nicht eine Beute von Juden und Protestanten werbe." Und fetzt ist die „Libre Parole", das antisemitische Centralorgan, in der Lage, jeden Tag den Empfang von sehr großen Summen zu bescheinigen. Und wie? Was haben wir bisher gethan, um die gewissenlose Agitation unserer Feinde zu dämmen und ihre Verleumdungen energisch abzuwehren'.- Nichts! Ist es nicht beschämend, daß unsere Gegner, die mit schmutziger Waffe für Lüge und Unterdrückung kämpfen, eine weit eifrigere Tbätig keit an den Tag legen als wir, die wir nur das Gute, Hohe und Schöne wollen? In der nächsten Legislaturperiode müssen mehrere Gesetzentwürfe zur Berathung kommen, die für die ökonomische und politische Zukunft der französischen Juden von sehr großem Interesse sind. Wenn man bedenkt, daß es nur vom Ausfall der Wahlen abhängt, welche Partei zur Regierung gelangen soll, so sieht man leicht ein. wie wichtig es für uns ist. uns an den bevorstehenden Wahlen mit aller Kraft zu betheiligen. Wir müssen schon jetzt das Schlachtfeld betreten und zielbewußt arbeiten, obne Opfer an Zeit und Geld m scheuen. Es handelt sich dabei für uns um sehr wichtige Gegenstände, die des Schweißes der Edelsten werth sind. „Und seht ihr nicht das Leben ein, Nie wird euch das Leben gewonnen sein." Pi.