Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2017 Feuilleton. Nach vierhundert fahren. 19} Von Friedrich Rott. „So? — Also Alfred verdanke ich's, daß Du mich überrrascht hast? — Jetzt verstehe ich's. Na, daß ich ihm eine so große Freude verdanke, das söhnt mich in gewisser Beziehung mit ihm aus." „Wirklich Kind?" rief Herr von Rauenstein freudig, „also es bleibt beim Alten?" „Es bleibt beim Alten. Ich werde nicht mehr daran denken, daß er mir in höchst unziemlicher Weife geschrieben hat und werde ihm meine kousinliche oder basliche Zuneigung wieder zuwenden und treu bewahren." „Was soll nun das wieder heißen! Du weißt ganz gut, daß sich Alfred weder mit Deiner kousinlichen noch mit Deiner böslichen Zuneigung begnügen wird." Sie zuckte die Achseln. „Lieber Onkel, ich bedauere außerordentlich, mehr habe ich nicht für ihn und mehr werde ich nie für ihn haben." „Aber Kind, Du hast doch gesagt, daß es beim Alten bleiben soll —" „Aber Onkelchen, das ist doch das Alte, das habe ich doch immer gesagt." „Verzeih' Kind, das hast Du nicht immer gesagt. Gesagt hast Du bisher, daß Alfred sich vorläufig mit Deiner verwandtschaftlichen Zuneigung begnügen müsse, aber nie hast Du gesagt, daß er niemals auf mehr werde rechnen können." Eine leichte Röthe überzog Jsabella's liebliches Gesicht. „Das ist richtig," sagte sie, „aber feit seinem letzten Schreiben ist es mir erst vollständig klar geworden, daß wir zwei absolut nicht zu einander passen, daß eine Vereinigung für's Leben uns beide unglücklich machen müßie." „Das wolle Gott verhüten." „Das Unglücklichwerden müssen wir eben verhüten, lieber Onkel, indem wir, Alfred und ich, uns nicht heirathen." Der alte Herr seufzte tief auf. „Du hast gut reden. — Aber Alfred! — mein armer Junge — er schwört, er könne ohne Dich nicht leben." „Das ist Unsinn, Onkel. Sieh', ich habe Dick, doch viel lieber, als Alfred, und ich weiß auch, daß Du mich viel lieber hast, als er —" „Was Du Dir nicht einbildest! — Glaubst Du vielleicht, ich wäre in Dich verliebt?" „Nein, das kann ich leider nicht glauben. Ich habe Dir doch schon längst gesagt, daß ich Dich weit lieber heirathen möchte, als Deinen Sohn. Aber Du willst nicht." „Hast Du das noch nicht vergessen, Närrchen?" fragte er lachend. „Nein," erwiederte sie, gleichfalls lächelnd, „das habe ich keineswegs vergessen, und trotzdem wiederhole ich, Du hast mich weit lieber als er. — Juanita hat doch vermuthlich Euch Beiden, Dir und ihm, dasselbe geschrieben —" „Höchst wahrscheinlich —" „Ganz gewiß hat sie Euch das Gleiche geschrieben und Beide habt Ihr gleich darauf geantwortet. Aber der Unterschied zwischen Euren Briefen!" — „Wieso? — in welcher Beziehung? — Möchtest Du mir seinen Brief nicht zeigen?" — „Wenn ich ihn noch hätte, gern. — Aber ich habe ihn nicht mehr; ich war so empört, daß ich ihn nicht einmal ganz zu Ende gelesen, sondern zerrissen und fortgeworfen habe." „Das bedauere ich, ich hätte ihn gerne gelesen, dann hätte ich Dir vielleicht beweisen können, daß Du ihn falsch aufgefaßt hast." „Ach nein, den Brief falsch aufzusassen, das war unmöglich." „Aber so sage mir doch, was hat Dich denn eigentlich so verletzt in dem Briese?" „Alles, der ganze Inhalt. — Du schreibst, daß Du durch Juanita's Mittheilung ganz erschüttert bist — er schreibt, daß Juanita vermuthlich arg übertrieben hätte —" „Das war eine dumme Bemerkung von ihm, aber empörend kann man sie doch nicht nennen." „Darüber war ich auch nicht empört." „Ja, was hat Dich denn eigentlich so empört?" „Was mich empört hat?" Dunkle Gluth überzog im Moment ihre Wangen — „es empört mich noch. Er schrieb, Juanita habe ihm mitgetheilt, daß ein iüdischer Arzt mich aus dem Wasser gezogen hätte, in dem ich sonst ertrunken wäre. — Das wäre höchst wahrscheinlich übertrieben. Aber ich sollte dock dem Juden Geld geben, das wäre diesen Leuten das Liebste —" „Das ist allerdings eine Gemeinheit, denn der indische Arzt hat sich vermuthlich nicht zuvor erkundigt, ob das Mädchen, das da in's Wasser gefallen war, ihn auch wird bezahlen können, bevor er ihr nachgesvrungen ist. — Aber Kind! — deßhalb brechen? — Du kennst doch Alfred —?" „Freilich kenne ich ihn, und eben weil ich ihn kenne, will ich ihn nickt." „Das war sehr deutlich gesprochen," entgegnete der Onkel, tief seufzend. ..Aber Onkel, ick versichere Dich, es wäre für uns beide ein Unglück, wenn wir Mann und Frau würden. — Da schreibt er, ich solle dem Juden Geld geben, weil er mich aus dem Wasser gezogen, aber um keinen Preis könne er gestatten, daß seine künftige Gattin mit einer Judenfamilie verkehre! — Noch nie habe ich versprochen, seine Gattin zu werden, und er maßt sich an, mir vorschreiben zu wollen, mit wem ich verkehren darf und mit wem nicht!"- „Das war allerdings eine grandiose Dummheit —"