Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1901)
- Date
- 1901-11-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2013 Verhältnissen ist, in welch' steter Aufregung sie sich be-; findet. Welche Sorgen, welche Kämpfe und Sturme,! welcher Haß und Neid, welcher Zwist und ltnfrieben! zwischen den Einen und den Andern! Man klagt heute! über schlechte Zeiten und alles, selbst Israel läßt den Kops fallen und den Muth sinken! Und warum hüllt sich Israel nicht, wie früher, in's göttliche Gewand des Glaubens, des Gottvertrauens, warum findet es nicht in diesen Gewändern Beruhigung und Beschwichtigung. Trost und Erhebung, Labung und Erquickung! Die Antwort aus diese Frage ist in unserer Takmudstelle enthalten: "epjd narr; i;\s pnam rrccn „Wer das Ehrengewand verachtet, dem versagt es jeden Dienst." Israel hat das Ehrengewand der Religion verachtet, es in guten Tagen befleckt und besudelt, zerpflückt und zerrissen und deßhalb schützt es in bösen nicht vor Sturm und Unwetter, vor Frost und Kälte! crr sbi anszz iriDZv,, sfflan tann Israel heute bedecken mit hundert Kleidern, es wird ihm nicht warm! Von David erzählt die Schrift, er habe einen Zipfel des Königskleides abgeschnitten und das wurde ihm zur Sünde angerechnet. Ich frage nun, hat das heutige Israel auch nur einen einzigen Zipfel an dem Ehrengewande der Religion ganz gelaffen? Hat es nicht alle vier Zipfel desselben abgeschnitten, es nicht ganz zerpflückt und zerrissen und dadurch seines besten und sichersten Schutzes begeben?! Der eine Zipfel unseres Ehrengewandes heißt msr Heilighaltung des Sabbath! Der 1 zweite Zipfel des Ehrengewandes heißt rrtexe das Speisegestz! Der dritte Zipfel ist Talmud-Thora und der vierte Zipfel heißt: Keuschheit, Züchtigkeit, Sittlichkeit! „Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott!" (3. B. M., 19, 2.) Wie sieht es nun mit diesen vier Zipfeln heute aus? Vom Sabbat oft keine Spur! An das Speisegesetz denkt in weiten Kreisen Niemand! Für Talmud- Thora haben nur Wenige Zeit! Und was .Keuschheit und Züchtigkeit betrifft, ach, wie viel wird auf diesem' Gebiete gefehlt und gesündigt! Und nachdem man das Ehrengewand des Judenthums in dieser Weise befleckt und verunreinigt, es zersetzt und zerrissen, soll es uns Schutz und und Behaglichkeit gewähren in den Stunden der Noth Schirm bieten bei Frost und Kälte, soll es uns Wärme und Behaglichkeit gewähren in den Stunden der Noth und Bedrängnitz! Nein! Vom heutigen Israel gilt das Wort orp onass incD'i!" Man bedeckt es mit Kleidern und es wird ihm nicht warm! Was wird heute nicht Alles aufgeboten, um das jüdische Herz wieder ein wenig zu erwärmen, um das alte Feuer, die alte Flamme des Glaubens, der Religion wieder zu entfachen und zu entzünden! Wie einfach und ungekünstelt war das religiöse Leben früher, und Alles erglühte in wahrer Gottesfurcht, und überall leuchtete das Licht, das Feuer der Gotteserkenntniß! Heute, — wie viel künstliche Mittel werden heute aufgeboten, um dem armen jüdischen Herzen wieder etwas Wärme zuzuführen, um das religiöse Feuer, das erloschen, wieder zu entfachen und zu entzünden! Predigt, Gesang, Orgel, Chor, Damenchor, Litteraturvereine, das sind alles künstliches Mittel, um das jüdische Herz ein wenig zu erwärmen, und es nützt nichts, es hilft nichts, es bleibt bei dem alten Frost, bei der eisigen Kälte, bei der grenzenlosen Erstarrung! Nein! Nein! Wir müssen das Ehrenkleid in Ehren halten, es rein und fein sauber erhalten, es vor jeder Befleckung und Verunreinigung bewahren, dann wird es uns wieder dreifach Segen gewähren, dreifachen Dienst leisten! Wir müssen die Lehre, die Gesetze und Gebote Gottes hoch und heilig halten, und diese Gesetze und Gebote sind die guten Engel, die uns Gott sendet, daß sie uns beschützen und behüten auf allen unseren Wegen! Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Nov. Aus der heutigen, spärlich besuchten Sitzung der Repräsentanten - Versammlung habe ich Folgendes zu berichten. „Die letzwillige Zuwendung des Partikuliers Joseph Joachim Liebermann, mit 5000 Mt., zum Zwecke der Erhaltung von Erbbegräbnissen, sowie die Uebernahme der Verwaltung der Jacob Plaut 'scheu Familienstiftung mit Mk. 300,000, wurden genehmigt. Die Abänderung des $ 12 des Statuts des Reichenheim'schen Waisenhauses, statt des Wortes Vorstand, Kuratorium zu setzen, ging durch. Die Mitgliederzahl des Chors der neuen Synagoge wird von 24 auf 30 erhöht. Es folgen Nachbewilligungen und Bewilligungen: 1. für Cocosläufer in der neuen Synagoge Mk. 403.35; 2. für einen Aktenschrank der Centralkasse Mk. 350; 3. für Vorhänge in der Synagoge Lützowstraße Mk. 390; 4. für Reparatur der Kuppeln in der Fassade der neuen Synagoge Mk. 7173.37. Fünf Rechnungsabschlüsse werden dechargirt. Die Vorlage für den verstorbenen Dirigenten der ersten Religionsschule, Dr. Moritz Kirschstein, einen Denkstein zu errichten, wird mit Akklamation begrüßt und genehmigt. In die Kommission für die Friedhofsangelegenheit werden die Herren Löwenth«!, Milchner, Louis Eduard Sachs und Lose neu gewählt. E. R. Brandenburg a. H., 18. Nov. Am gestrigen Sonntag haben wir Hierselbst einen wackeren Mann, einen braven, gottesfürchtigen, begeisterten Jehudi, zu Grabe getragen. Nach langen und schweren Leiden hauchte Herr Moritz Hildesheimer seine reine Seele aus, und was wir alle hatten kommen sehen, als es geschah, erschütterte es uns doch im tiefsten Innern. War doch der Entschlafene sozusagen die Krone unserer Gemeinde, wie er auch seit dem Heimgange des unoer-