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Der Israelit · 1901-11-21 · Heft 92 (21.11.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 92 (21.11.1901)
Date
1901-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2012 Absalom, haben die eigenen Kinder nicht geehrt und geachtet! Was nützt das Alles, sagen unsere Lehrer im Talmud: '"6 Dir nbi cnjsr incs-’i,, Er war bedeckt mit Ehrengewändern vom Scheitel bis zur Zehe, aber es half ihm nichts, es wurde ihm nicht warm. Der Frost und die Kälte im Herzen seiner Umgebung machten jede wärmere Regung, jede Achtung und Ehrfurcht unmöglich. David hatte einst das Ehrenkleid, das Saul aus seinem Leibe getragen, mißachtet, indem er einen Zipfel dieses Kleides abgeschnitten. Dafür wurde er bestraft nno isjs ms. „Maß für Maß." „Du hast," wird dem David gesagt, „das Ehrengewand deines Königs, das Ehrengewand deines Schwiegervaters, nicht geachtet, dafür werden deine eigenen Kinder auch dein Ehrengewand geringschähen, mißachten, sie werden dir dein Ehrengewand vom Leibe reißen, sich gegen Dich auflehnen, zu einer Zeit, wo sie dir schon deines hohen Alters wegen das höchste Maß an Ehrfurcht entgegenbringen sollten." r,n niiart bs cnc rurr: uw rpv fnnjzH. Wer das Ehrengewand seines Nebenmenschen verachtet, der fy.it t>on seinem eigenen Ehrengewande schließlich weder Genuß noch Freude. Das wäre die historische Seite des Wortes.- das Wort hat aber noch eine tiefere moralische Bedeutung, die wir nun in's Auge fassen wollen. II. Es gibt nicht nur irdische, materielle, sondern auch ideale, geistige Kleider und Gewänder; Gewänder, die uns in unserem geistigen Leben dieselben Dienste leisten, den die gewöhnlichen Kleider uns im physischen Leben leisten. Der freundliche Leser weiß, ich meine die göttlichen Gewänder der Religion, das himmlische Kleid des Glaubens, oas Prachtgewand der Wahrheit und Weisheit, das Gott selbst uns um die Schultern gebreitet. -w n'tfn wtwtfn Q“«4’ L'pdrr t» twrc „Und der Ewige machte Adam und seiner Frau Gewänder und bekleidete sie." (1. V. M., 3. 21.) nana --^aa rrapn on1? nwv (Jalkut z. St.) Das lehrt, sagen unsere Weisen, daß Gott schon dem ersten Menschenpaare die Gewänder des Priesterthums verliehen, die ihnen dreifachen Segen gewähren, dreifachen Dienst leisten sollten. Die Aufgabe des Kleides ist in erster Reihe, die Blöße des Menschen zu bedecken. Wir müssen ein Kleid tragen, weil wir dock nickt nackt gehen können. Es gibt aber nicht nur physische, sondern auch geistige, moraliche Blößen, nicht nur körperlicke, sondern auch geistige, moralische Nacktheit. Wenn wir baar aller Moral, aller Tugend und Sittlichkeit im Leben einhergehen, dann sinken wir zum Thiere herab px ricrcn w mm nww dann ist kein Unterschied zwischen Mensck und Thier, und das ist eine Blöße, deren sich jeder vernünftige Mensck schämen müßte; deßbalb gab uns Gott naina nan die idealen Gewänder des Priesteribums, der Moral und Sittlichkeit, die uns über das Thier hoch erheben, uns zu den Höhen der Gottheit emportragen und jede moralische Blöße weichen und schwinden machen. Das Kleid hat zweitens die Aufgabe, uns zu beschützen, bei Sturm und Unwetter, vor Frost und Kälte, vor den elementaren oft vernichtenden Gewalten der Natur. Es gibt aber nicht nur physische Stürme u. Unwetter; es gibt im Leben des Menschen gar oft seelische Stürme, die die Grundvesten unseres Daseins zu erschüttern drohen, es gibt oft seelische Kälte und Frost, die uns bis in die tiefsten Tiefen unseres Innern erzittern und erbeben machen. Was würden wir in solch' schwerer, bitterer Zeit ansangen, beginnen, wenn wir nicht das schützende Gewand der Religion, des Glaubens besäßen! Wenn der Sturm des Geschickes rast und braust, wenn der Frost und die Kälte des Lebens an uns schütteln und rütteln, wenn Unglück, Schmerz, Elend uns Niederdrücken und niederbeugen, dann hüllen wir uns in die göttlichen Gewänder des Glaubens, des Gottvertrauens, der Hoffnung auf Seine Hilfe und Gnade, und der Sturnk legt sich, und der Frost läßt nach, und ein wohlthuendes beruhigendes Gefühl der Wärme und Behaglichkeit läßt uns die Kostbarkeit unseres himmlischen Kleides ahnen. Dieses Kleid, das wir seit vier Jahrtausenden tragen, ist zugleich unser Ehrengewand, das an Schönheit und Kostbarkeit alle Ehrengewänder der Welt tausendfach überragt. 'N tw; m^xbi vnxb a-pbx dieses Ehrengewand ist aus Gottes Hand selber hervorgegangen, und welches Menschenwerk kann sich messen mit Gotteswerk! ni. Wenn wir aber im Besitze solcher Ehrengewänder sind, dann ist es auch Pflicht, daß wir dieselben in Ehren halten, daß wir sie wie unseren Augapfel behüten und bewahren, und sie vor jeder Beschädigung, Verunreinigung und Befleckung beschützen und bewahren. Wie achten wir darauf, wenn wir uns ein feines, kostbares Kleid anschaffen, daß kein Stäubchen darauf komme, daß es rein und sauber erhalten bleibe, daß es nicht beschädigt und befleckt werde! Sind wir aber dem göttlichen Ehrengewande nicht dieselbe Sorgfalt und Aufmerksamkeit schuldig! Davon, wie wir dieses Ehrenkleid behandeln, hängt der Nutzen, der Dienst ab, den es uns leistet und bietet. Wenn wir das Ehrengewand der Religion ehren und achten, dann gewährt es uns dreifachen Segen, leistet es uns dreifachen Dienst. Wenn wir aber das himmlische Ehrenaewand geringschähen und mißachten, es beflecken und besudeln, es zerfetzen und zerreißen, es von uns werfen und mit Füßen treten, dann gewährt es uns keinerlei Segen, leistet uns keinerlei Dienst. Es bedecket nicht unsere moralische Blöße, es schützet uns nicht im Sturm und Unwetter des Geschickes, und es gereicht uns auch nickt zum Ehrengewande. nana ia'x -pa onasrr nx msen ba. Wer die Ehrengewänder der Religion, des Glaubens verachtet, dem gereichen sie schließlich weder zum Heil, noch zum Segen! Sehet Euch einmal die heutige Menschheit an, wie unzufrieden sie mit den bestehenden

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