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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 23)
Language
German
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S00S veranlassen, daß der Unterricht in Handfertigkeit und Gartenbau obligatorisch werde. Der ausgebildete Lehrling wird dann gewiß bestrebt sein, für die naturgemäße Ergänzung der Gartenbaukurse — für die Anlegung von Schulgärten — nicht Mühe und Zeit zu scheuen. Denn er bat dann erkannt, daß ein Schulgarten für die israelitische Jugend von gar nicht zu schätzender Bedeutung ist. Der Schulgarten ist, richtig geleitet und mit Verständniß betrieben, einer der wichtigsten Erziehungstaltoren. Die Arbeit im Garten lehrt nicht nur Aufmerksamkeit, Einsicht, Unveedrossenheit, Ausdauer, Ordnung und Pünktlichkeit, sie erzieht nicht nur zum Pflichtgefühl, zur Lust am Schaffen, zu Muth und Selbstüberwindung, sie stäblt lind kräftigt auch den ganzen Körper und das ist der springende Punkt, der fortwährend im Auge bcbalten werden muß. Denn die Vorbildung im Schulgarten soll ja neben den pädagogischen und ethischen Zielen und neben >tennlniß und Verständniß für die Natur auch die volksloirtbschastliche Bedeutung der Hinüberleitung zu rationeller Bodenwirthschaft in sich schließen und da thut es noth, sehr noth, erst Muskeln, Knochen und Nerven zu stärken, die Widerstandskraft zu heben und mit Kräftigung der Körper auch Beruhigung und Zufriedenheit in die Gemüther zu versenken, (mens s.uia in corpore sano.> Der Schulgarten ist aber auch so recht eine Erziehungsschule für die weibliche Jugend: denn es wäre ein oerhängnißvoller Jrrtlunn. zu glauben, daß zur rationellen Entwickelung der Landwirthschaft nur biemännliche Jugend berangebildet zu werden brauchte; der weibliche Theil kommt in gleichem Maße in Betracht und gerade die Beschäftigung im Garten ist für die Frau wie geschaffen. Er sei der Platz, auf dem die jüdische Frau, das jüdische Mädchen viel und häufig gesucht werden muß. Bisher galt ja von diesevl, in Bezug auf Bodenkultur — das ominöse: Cljerci'tz t,> t'emme suchet die Frau, — ciuF dem Felde nämlich — suchet, aber ihr werdet sie nicht finden. Und doch muß sie sich finden lasten, wenn das vorschwebende Ziel nach der wirthschaftlichen, hygienischen, ethischen und sozialen Richtung erreich: werden soll. Sie soll die treue Mithelferin des Mannes werden, weil ja nur danu ein bemerkenswerther Nutzen zu erzielen ist, wenn möglichst mit eigenen Kräften gearbeitet wird. Bleichsucht, Nervosität, Migräne und wie sie alle beißen. — die Auswüchse der meist ungenügenden Beschäftigung, — würden zum guten Theil verschwinden: verschwinden würden dann auch die nichts weniger als zur Ueberbrückimg der sozialen Gegensätze beitragenden Situationen, wie: Hülelnde, auf der Straße sitzende Damen aus der einen Seite und schweißtriefende, vom Felde kommende oder dorthin gehende Bauernfrauen auf der andern. So glaube ich nun zur Genüge gezeigt zu haben, was der jüdische Lehrer in der Zukunft zu thun hat' aber dem kräftigen „Was" >vird sich sofort das zögernde „Wie" entgegenstellen. Wie können wir aus uns selbst heraus, in unseren Verhäktnissen diese Forderungen, die ja reckt gut und schön sind, in die Thai umsetzen? Aber, meine Herren, wozu leben wir denn tm Zeitalter der Vereine? Wozu batten wir denn die Wahrheit der Sprüche: „Vereint find auch die Schwachen mächtig" und „Geringes ist die Wiege der Großen?" Es soll und muß möglich werden, mit thatkräftiger Unterstützung aller maßgebenden Faktoren, z. B. des bayr. Landesvereins, der lebenskräftigen, größeren Gemeinden, mit Hilfe aller für das Wahre und Gute be-! geisterten Männer, an denen es ja in Israel gottlob noch nie gekehlt hat, mit einiger Opferwilligem unserer Vereinsmitglieder selbst, Mittel und Wege zu schaffen, damit das, was ich Ihnen jetzt zum Schlüsse in einem Bilde als das von uns zu erstrebende vorkühren will, kein Traumbild (wie ich es betitelt habe) bleibe, sich nicht als Utopie erweise, sondern recht bald als herzerfreuende Wahrheit vor unser aller Augen steben möge. Ein Traum. Als ein froher Wandersmann ziehe ich in der Ferienzeit über Berg und Thal. Am Fuße eines reichbewaldeten Berges liegt ein schmuckes Dörfchen. Gleich beim Eintritt in dasselbe fällt mein Blick, in ein zierliches Gärtchen in welchem, emsig schaffend, ein mit einer Brille bewaffneter. junger Manu steht. Wer ist dieser fleißige Arbeiter? frage ich einen des Weges Kommenden. Es ist der israelitsche Lehrer, lautet die Antwort. Ich wandere weiter. Rebengeschmückte Häuser, schöne Blumen an den Fenstern, wohlgepslegte Gärtchen ziehen meine Aufmerksamkeit an. Wem gehören diese freundlichen Häuser? konnte ich mich nicht enthalten, zu fragen. Es sind israelitische Häuser, wird mir zur Antwort. O Salomo, dachte ich, wie glücklich würdest Du bei diesem Anblick sein, Dein Wunsch wäre ja erfüllt. Israel wohnt unter Feigenbäumen und Weinstöcken. Die letzten Häuser des Dorfes liegen hinter mir, das freie Feld nimmt mich auf. Auf einem neben der Straße sich hinziehendeu Acker erblicke ich eine Schaar Knaben. Schweißtropfen perlen ihnen von der Stirne, denn sie sind mit den: Auflockern des Erdreiches beschäftigt, um jungen, vor ihnen liegenden Obstbäumen Platz zu schaffen. Wer sind jene fleißigen Knaben? Zum dritten Male tönt es mir in's Ohr: Es sind israelitische Knaben. Und wer hat diese herzerquickenden Erscheinungen hervorgezaubert? rufe ich freudestrahlend meinem redseligen Begleiter zu. Das war der junge, israelitische Lehrer, der zwar erst kurze Zeit vier wirkt, aber durch unermüdliche Tbättgteit, durch gutes Vorbild, durch eifrige Belehrung und Anleitung einen neuen Geist in seiner Gemeinde herausbeschworen hat. Wie Frühkingsahnen einer besseren Zeit durchzittert es meine Seele und freudig entringt es sich meinen Lippen: „Die Morgenröthe besserer Tage glüht hinterm Berg der Gegenwart." Meine Herren. Auch dieses Schlußbild bedarf keines erläuternden Kommentars. Laut und deutlich ruft es uns zu: Ihr Lehrer, geht als Pioniere voran mit dem Losungsworte: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb's auf's Neue, um es zu besitzen; schießt eine Bresche in die düstere Mauer althergebrachter Vorurtheile, welche uns bisher den Ausblick in die freie Natur verwehrte. Zwar wenige werden Euch zuerst hindurch folgen, denn was Jahrhunderte gesündigt, können Jahre nicht ausmerzen — aber vorwärts, den Blick auf Eure Kinder gerichtet, müßt Ihr schauen und das Dichterwort in's Herz graben: „Der Menschheit Hoffnung ist in Eure Hand gegeben, bewahret sie. Mit Euch sinkt sie, mit Euch wird sie sich hebe n." Der Korreferent, Herr Israel Wähler, Hörstein, bezeichnet in einer Vorbemerkung das Thema seiner Fassung nach als zu weitgehend, da man unter „kulturellen Bestrebungen" die verschiedensten Thätigkeiten verstehen könne. Der zweite Theil der gestellten Aufgabe verdiene wohl am meisten Berücksichtigung. — Wähler begründet sodann das

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