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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 24)
Language
German
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2010 Recht, von einer „Thäligkeit des Lehrers" zu sprechen. Die kulturellen, jüdischen Bestrebungen seien Erziehungsfragen, welche die Schule nach Möglichkeit zu lösen habe. Man hüte sich jedoch, von der Schule — wie schon so oft — alles zu verlangen oder sie für Alles verantwortlich zu machen. Die Schule könne nur bei kraftvoller Mitwirkung der andern Erziehungsfaktoren — Elternhaus, Gemeinde, Rabbiner — ibre volle Schuldigkeit thun. Hierauf stellt Redner fest, was zu erstreben sei: 1. Eine feste Charakter- und GemüthsbUdung nach Maßgabe der im schriftlichen wie mündlichen Gesetze enthaltenen unantastbaren jüdischen Moral — („Wir brauchen Baale Battim und 2. eine richtige, den sozialen Verhältnissen und den persönlichen Anlagen entsprechende Berufswahl. Bei letzterem Punkte läßt Wähler die einzelnen Verussarten Revue passieren und kommt zu nachstehenden Schlußfolgerungen: Es sei zu erstreben, daß nur die Fähigsten und Begabtesten sich dem wissenschaftlichen Berufe widmen: denn nur diese würden die erhoffte soziale Stellung erlangen können und dem Judenthume zur Zierde gereichen. Dagegen möge der beim jüdischen Volke erfreulicherweise herrschende Bildungstrieb stets rege gehalten werden. In Rücksicht auf die sozialen Verhältnisse sei wünschenswerth, daß sich die Juden ihrer Bevölkerungszahl entsprechend, vom gewerblichen Leben, namentlich vom Hausier- und Viehhandel, mehr zurückziehen und dem Handwerke ihr Augenmerk zuwenden. Zum Handwerk eigne sich auch der Jude in heutiger Zeit. Natürlich müsse es gründlich erlernt werden. Dabei könne der Jude auch eher nach den Vorschriften der Religion leben. Im Gegensatz zum Referenten kann der Korreferent aus sozialen, geschichtlichen und religiösen Bedenken den landwirthschaftlichen Beruf nicht empfehlen, obwohl er die mannigfachen Segnungen bäuerlicher Arbeit kennt. Gerade die Antisemiten, die immer von der Scheu des Juden vor anstrengender Arbeit reden, würden es ungern sehen, wenn Juden durch Grunderwerb sich um so fester in Deutschland ansiedeln. Die unruhigen Zeitverhältnisse, die Nothlage der Landwirthschaft lassen dies nicht einmal rathstam erscheinen. Da der Bauer so sehr von der peinlichen Einhaltung der Zeit abhängt, so seien die Sabbate und Feiertage noch mehr als jetzt der Gefahr ausgesetzt, entweiht zu werden; denn bei den Juden gäbe es ja keine „Dispens." Dagegen räth Herr Wähler, daß die bereits ackerbautreibenden Juden ihre Feldarbeit möglichst selb st thun sollen, um so ihr Ansehen bei der bäuerlichen Bevölkerung zu heben. Nun bespricht Redner die Schulthätigkeit des Lehrers und schildert zunächst den charakterbildenden llnterricht. Da aber die Schule eine theoretische Vorbereitung für das praktische Leben sein solle, so müsse letzteres auch in allem Unterrichte Berücksichtigung finden. Es seien Belehrungen über die verschiedenen Berufsarten zu geben und hiebei die Neigung des Kindes zu erforschen. Der Lehrer weise stets auf das Ehrenvolle und Segensreiche der persönlichen Tüchtigkeit und des persönlichen Fleißes hin. Redner empfiehlt sodann die Einführung des Hanbfertigkcitsunterrichtes, ist aber gegen einen speziellen Gartenbauunterricht. Das gute Beispiel des Lehrers durch seine eigene Thätigkeit im Schulgarten sei ausreichend. Auch der Frauenfrage wendete sich der Korreferent zu. Die Erziehung der Mädchen zur beruflichen Arbeit — (Hauswesen. Krankenpflege, Erziehungswesen, Hausindustrie) — solle mehr als bisher bethätigi werden. Von der Studentin und Ladnerin mag Redner jedoch nichts wissen. Er erwähnt rühmend ie Haushaltungsschulen, wie jene zu Frankfurt a. M. Auch den Eltern und der Gesammtgemeinde gegenüber entfalte der Lehrer seine Tpätigkeit. Schule und Elternhaus müssen bezüglich aller Erziehungsfragen in engster Verbindung bleiben, insbesondere stehe der Lehrer den Eltern bei der Berufswabt für die Kinder mit Rath und That zur Seite. Da in Bayern deni Lehrer nur mit Genehmigung des zuständigen Rabbinates die Kanzel zur Verfügung steht, die wenigsten Lehrer sich aber „Erlaubniß" holen dürfen, so empfiehlt der Korreferent die sabbatlichen Schiurvorträge zur Belehrung der Gemeinde. Hier seien im Laufe des Jahres alle Lebensverhältnisse, das Erziehungswesen, das Erwerbsleben und die das Judenthum interessirenden Tagesereignisse zu besprechen. Zum Schlüsse meint Redner, man solle zunächst an die Hebung des Lehrerstandes selbst denken — was hauptsächlich durch die Ausstellung, eines Normalvertrnges von Vereinswegen und durch die Umwandlung der Religionsin Elementarschulen zu bewirken wäre — damit man, ausgestattet mit der nöthigen 'Autorität und Rückenfreiheit, für allgemeine, kulturelle Bestreblingen thätig sein könne. An die beiden Vorträge, denen lebhafter Beifall gezollt wurde, knüpfte sich eine ausgedehnte ^Debatte, woran sich die Herren Bamberger-Nürnberg, Mannheimer-Dettelbach, Ehrinann-Friedberg, Schu-'höser, Assistent an der landwirth schastlichen Versuchsstation, Hanptlehrer Eschwege-Höchbera, Oppenheimer-Sulzbürg und Steinberger-Dettelbach betheiligten. Aus derselben war zu entnehmen, daß die Meinungen über die praktische Ausführung der Bestrebungen, namentlich in Bezug auf Bodenkultur, sehr getbcilt waren. Aus der Tagesordnung stand ferner ein Vortrag von S. B l u m e n t y a l - Rimpar: Der jüdische Schreibleseunterricht. Derselbe mußte jedoch weaen der vorgerückten Zeit für die nächstjäbrige Generalversammlung zurückgestellt werden, für welche Kihingen bestimmt wurde. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurde die bis herige Verwaltung fast einstimmig wieder gewählt. Dieselbe setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Goldstein - Heidingsfeld, Schriftführer: Mandelbau m - Würzburg, Kassier: Dr. B r a u n s ch w e i g e r - Würzburg. Als Beisitzer die Herren: F r ä n k e l - Bamberg, D i n g s e l d e r - Ansbach, H o f m a n n - Rothenburg a. T. , Mannheimer-Dettelbach. Als Ersatzmänner vie Herren: S t r a u ß - Ufsenheim, H. Oppenheimer- Würzburg , Reumann- Burgpreppach, Hirschmann- Fischach. Mandelbaum, Scbristführer. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Exveoilion des „.zsraetit", Schotistratze Rr. 2, Mainz. Druck rmd Verlag der Jo h. Wirrh scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz.

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