Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 91 (18.11.1901)
- Date
- 1901-11-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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2004 freue es ihn, daß der gute Geist bei so vielen Mitgliedern die -Oberhand behalte und dieselben so zahlreich der Einladung Folge geleistet. Die vorjährige Generalversammlung halte die Ver ivaltung beauftragt, sich mit dem Landesverein und der bat). Rabbinerkonferenz in's Benehmen zu setzen, damit diese ihren Einfluß bei den Gemeinden auf Regelung folgender Punkte geltend inache: 1 Festsetzung von Schächtstunden; 2. Uevernahme auf Regie der Gemeinden. Der Vorsitzende legte unter Zustimmung der Versammlung in ausführlicher Weise dar, weßhalb die Verwaltung diesem Aufträge nicht nachgekommen sei und sprach gleichzeitig sein Befremden aus, daß der Landesverein, zu dessen Ausschuß die Vorstände der größeren Gemeinden und sänuntliche Rabbiner zählen, bei all' seinem Wohlwollen für den Lehrerstand und die Schule, es nicht für angezeigt erachtet, zu seinen Berathungen auch einen Vertreter der Lehrerschaft beizuziehen. Schon in der vorjährigen Versammlung wurde über die Jnvaliditäts- und Alterversicherung diskutirt und von mehreren Seiten der Meinung Ausdruck gegeben, daß diese Verpflichtung zur Schädigung des Ansehens des Lehrers in seiner Gemeinde beitrage. Die von mehreren Kollegen zur untersränkischen Versicherungskammer eingelegte Beschwerde wurde abgewiescn. Ein Kollege jedoch verfolgt die Angelegenheit des Prinzips halber bis zur höchsten Instanz, dem ReichsversicherungSamt. Der Vorsitzende verbreitete sich auch über die Lichtseiten des Versicherungsgesetzes. Er betonte zunächst, daß das Ansehen des Lehrers mehr von seiner Wirksamkeit im Amte, von der zufriedenstellenden Thäligkeit innerhalb seines Wirkungskreises abbänge. Der Versicherungspflicht unterliegen nicht bloß Religionslchrer, sondern noch viele Beamte, Geistliche etc. in privater Stellung. Er wies ferner darauf hin, daß bei der Versammlung des „Allgem. deutschen Verbandes gemeinnütziger Anstalten für Lehrer und Lehrerinnen" im Oktober 1B00 zu Hildesheim, der Vorsitzende besonders hervorhob — also im Gegensatz zur Ansicht mehrerer unserer Vcreinsmitglieder — daß es das Bestreben des Vereins in den letzten Fahren gewesen sei, den nicht pensionsberechtigteu Lehrern und Lehrerinnen das Reichsinvalidengesetz zu Gute kommen zu lassen. Und in einem Leitsätze wurde ausgesprochen:! „Der Staat müsse den Privatschulen, die ohnehin schwere j Lasten zu tragen haben, die Sorge für Diejenigen erleich- tcrn, die an ihnen, und für sie gearbeitet und in solcher Art! ihre Kräfte verbraucht haben. Das Reich müsse für alle! Lehrenden, ohne Ausnahme, den Anfang einer Versorgung! schassen, die nicht als Wohlthat erbeten wird, sondern die! in der Arbeit und durch dieselbe erworben ist."; Schließlich gab der Vortragende eine llebersicht über , den realen Werth der Versicherungspflicht und meinte, daß i sich mancher mit derselben aussöhnen werde, ivenn er ein- : mal in den Genuß derselben trete.! Auch die Frage de: Fortbildung in den Religions-! fächern wurde in den Kreis der Erörterung gezogen.! Während für die Fortbildung in den profanen Fächern ge! nügcnd Vorkehrung getroffen durch die amtlichen Fortbil- : dungSkonferenzen für die Exspektanten, durch die monat-; liehen Rezirksvereins-Konserenzcu und neuerdings durch j die Ferienkurse an den Universitäten, ist für die Weiterbil-! düng der jüdischen Lehrer in den Religionswissenschaften in; keiner Weise gesorgt. Die Bildung von Fortbildungskursen sei freilich mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft; dazu geboren in erster Linie die zu großen räumlichen Entfernungen der einzelnen Orte von einer günstigen Zentrale und ferner der Mangel geeigneter Persönlichkeiten zur Leitung der Kurse. Wohl seien schon vor ca. sechs Jahren auf 'Veranlassung des Vorsitzenden in zwei RabbinatSbezirken solche Kurse errichtet worden, sind aber durch Stellenwechsel des einen Leiters und dura? Erkrankung des andern wieder eingegangen. Wo aber ein Wille fei, da sei auch ein Weg und die Kollegen wurden gebeten, bis zur nächsten Generalversammlung diesbezügliche Vorschläge zu gemeinsamer Veraihung zu machen. Fu Bezug auf die Anstellungsverhältnii'sc führte Redner aus, daß gegenwärtig die Regierung die Errichtung von Simultauicknilen nicht begünstige und die Anstellung jüdischer Lebrer an solchen Vollständig ausgeschlossen sei. Die gegenwärtig auf Errichtung von Konfessionsschulen abzielende Strömung solle der Religionslehrer zur Verbesserung seiner Lage benützen und unter Hinweis auf die Hobe Wichtigkeit jüdischer Elementarschulen seine Gemeinden, ivo die Verhältnisse es mir irgendwie gestatten, für die Umwandlung ihrer Religionsschule in eine solche zu gewinnen suchen. Aus der Berichterstattung entnehmen mir ferner, daß der Verein im Berichtsjahre 165 ordentliche und 741 außerordentliche Mitglieder zählt. Das Vermögen beläuft sich auf nur 70,000 Alt. Indem der Redner noch auf die Vertragsverhältnisse des Vereins aufmerksam machte und zur fleißigen Benutzung im Interesse unserer Unterstützungskaise oufforderie, bat er die Kollegen recht eindringlich, die Macht ihres Willens, die Größe ihrer Ausdauer darin zu zeigen, daß sie in jede: möglichen Weise für die Vermehrung der Mittel unserer Vereinskasse bedacht sein sollten. Wenn sie nur ein warmes Empfinden für das Wohl unserer dienstunfähigen Kollegen, ein warmes Herz für die Wittwen und Waisen unseres Standes haben, dann zeige sich auch der richtige llüeg zur Ausführung dieses Vorhabens. Sagt ja schon der loeife Hillel im Traktat GlN nmN TSNltf" C'pü'?; HDID n\s* „Wohin mein Herz mich zieht, dahin führen auch meine Füße." Und wenn auch die durch Menschen geschaffenen Verhältnisse unsere Aussichten für die nächste Zukunft als recht betrübende erscheinen lassen, halten wir eS mit dem in der jüngsten Haphthora verlesenen Propheten Worte:EO’ „Es wird dorren das Gras," das sind die vergänglichen Aleuschen; Y"£ „es wellet hin die Bliithc," das ist das menschliche Wohlleben; Odtp'd 2P' p"N "O” „aber das Wort unseres Gottes, das uns Hilfe verheißt, besteht auf ewig." Im Anschluß an den Bericht des Borsitzenden entspann sich eine längere rege Aussprache — es betheilgteu sich daran die Herren Dingfelder-Ansbach, H. Oppenheimer-Mürz bnra, Dr. Cohn Änsbach, Falder-Diespeck, Weißbart-Würzburg, Stolle-Fürth, Nußbaum-Altenmuhr. Dr. Goitein Burgkundstadt sprach namentlich über die Schechita, über Errichtung von Elementarschulen und über Fortbildung in den Religionswissenschaften. Die Revisoren fanden bei der Prüfung der Rechnungen, die zur allgemeinen Einsicht auflagen, keine Beanstandung; die Versammlung crtheilte hieraus dem Kassirer und der Verwaltung Decharge. In Erledigung eines weiteren Punktes der Tagesordining wurde der Unterstützungstheil für die Jahre 1002 bis .1004 auf 126 Mk. erhöht.