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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WW mmam 1997 in beschränkter Zahl angesteklt werden sollen; der Hess. Justizminister dagegen vermag eine Gesetzesverletzung selbst darin nicht zu erblicken, daß überhaupt jüdische Richter nicht angestellt werden. Das ist ein Gegensatz der Auffassungen bei den beiden Justizministern, der doch zu einigem Nachdenken Anlaß gibt. Die Anschauung des bayerischen Justizministers, daß die Beschränkung von Anstellungen im Justizdienst aus konfessionellen Gesichtspunkten auch einmal für eine andere Minoritätskonfession, beispielsweise die protestantische in Bayern, schlimme Wirkungen haben könnte, hat die Logik für sich. Es wäre sehr wohl denkbar, daß in Hellen die Katholiken nach dem Proportionalprinzip behandelt würden, sobald einmal einem Justizminister, der, wie Herr Dr. Dittmar, von kulturkämpferischen Neigungen nicht immer ganz frei war, die Zahl der katholischen Richter nicht mehr dem Verhältniß der katholischen Vevölkerunasziffer entsprechend erschiene. Gerade solcher Konsequenzen wegen lehnten nicht nur die liberalen Ausschußmitglieder, sondern auch hervorragende Zentrumsführer, wie Dr. von Daller, Dr. Schädler. Lerno den Antrag Heim's ab. Dr. Schädler besonders war es, der warnend betonte, daß aus dem Anträge Gefahren auch für Katholiken erwachsen könnten. Er hat nicht so ganz unrecht. Es können auch einmal in Hellen Zeiten kommen, in denen die konfessionelle Rücksicht stärker wie im Augenblick die Anstellung der Staatsbeamten zu llngunsten der Katholiken beeinflußt. Eoneediren sie Herrn Dr. Dittmar jetzt die Berechtigung seiner Auffassung, dann dürfen sie llch hinterher auch nicht beklagen. lDie hessischen Juden werden sich bei diesem Bescheide hoffentlich nicht beruhiaen, sondern so lange auf der Wacht bleiben, bis ihre Gleichberechtiauna mit den Andersaläubiaen nicht nur im ..Prinzip", sondern auch thatsächlich durchaeführt ist. Red. d. ,.Jsr.") 3eitntt<i$ttad)tidiUtt und Correspondenzen. Deutschland. Breslau, im Rov. (Jüdische Studentenvereine.) Die Vereine jüdischer Studenten in Breslau, Berlin, Leipzig und München sind zu einem „Bunde jüdischer Korporationen" vereinigt, über dessen Entwickelung im letzten Sommersemester wir dem Jahresberichte in der „Jsr. Rundschau," dem offiziellen Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, folgendes entnehmen: Der „B. I. K." richtete sein Hauptaugenmerk darauf, den Bundesgedanken unter den jüdischen Studenten durch Vorträge und private Anregung weiter zu verbreiten, um dadurch zur inneren Konsolidation der einzelnen Vereine beizutragen. Außer Einzelvorträgen wurden auch Vortragsturse gehalten, so in Breslau und Berlin, in denen jüdische Geschichte und Litteratur getrieben wurde. Weiter heißt es in dem Jahresberichte: „Im Interesse der Entwickelung der rhetorischen Fähigkeiten wurden besonders in Breslau und München lang ausgedehnte und lebhafte Diskussionen über wissenschaftliche, politische und soziale jüdische Fragen abgehalten. In Berlin ist das Interesse an Diskussionen als Reaktion gegen eine allzu scharfe Kritik in früheren Semestern zurückgegangen. Diese Thatsache ist besonders im Interesse der geistigen Entwickelung des Berliner „V. j. St." sehr zu bedauern. In den Debatten übt man sich am besten, wie man später seinen Gegnern entgegenzutreten hat, man hat Gelegenheit, sich mit den Gegnern zu messen, erweitert seinen Gesichtskreis und seine Anschauungen. Gerade beim feucht-fröhlichen Debattiren wird der Muth gestählt und die Schlagfertigkeit und die Gewandtheit des Studenten oft besser ausgebildet, als auf dem Mensurboden. Auf die Körperpflege wurde im vergangenen Semester viel Werth gelegt. In sämmtlichen Vereinen wurde fleißig gefachten, in Berlin, Leipzig und Breslau fanden wöchentliche Turnübungen statt. München verspricht die Einführung von Turnstunden für das kommende Semester. Die Leitung der Uebungen lag in fachkundiger Hand . . Die Frequenz der einzelnen Vereine war in Berlin. Breslau und München gut. In Berlin traten im Laufe des Sommer-Semesters zwölf Füchse ein, in Breslau sieben und in München sechs. Nur der steinige Boden Leipzigs war für die Fortentwickelung des „V. j. St." nicht günstig. Der Verein hat bei der geringen Anzahl jüdischer Studenten in Leipzig mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mit besonderer Freude kann der Berliner „V. j. St." auf das Sommer-Semester zurückblicken, da es ihm vergönnt war, in Charlottenburg einen neuen „Verein jüd. Studenten" zu errichten, von dem wir nur das Beste erwarten können, so daß wohl bald die füns Vereine mit dem blau-weiß-gelben Band geschmückt, sich im Kartel vereinen können. Aufgabe der Aktiven wird es sein, im nächsten Semester mit aller Kraft darauf hinzuarbeiten, daß die Korporationen im „B. I. K." den Geist in ihrer Miiie aufrecht erhallen, der sie bisher beseelt hat, daß sie unserer Sache immer neue Anhänger erwerben, von denen man erwarten kann, daß sie später im bürgerlichen Leben im Sinne der Idee weiter wirken werden, die sie sich auf der Universität zu eigen gemacht haben." München, 16. Rov. Die israelitische Kultusgemeinde hat an die städtischen Kollegien eine eingehend motivirte Eingabe gerichtet, in der um Bewilligung eines weiteren Zuschusses zur Bestreitung der Kosten des Religionsunterrichtes an den Volksschulen ersucht wird. Die Eingabe wurde vorerst dem Schul-Ausschulle zur weiteren Behandlung überwiesen. — Der „Verein zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder und für Ferienkolonien" gibt bekannt, daß. die Chanuka-Beschenkung am Sonntag, den 8. Dezem ber, stattfindet und Gaben schon jetzt im Gemeindehause,

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