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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1992 verlobte. Bei Vorlage der Heirathsdokumente war der zutünftige Schwager ganz erstaunt zu erfahren, daß sein präsumtiver Eidam Jude sei. Der Bräutigam hingegen hielt es als selbstverständlich, daß auch seine Braut, die Tochter eines „jüdischen" Advokaten, ganz bestimmt Jüdin sei. Der junge Mann verlangte nun, daß seine Braut zum Judenthum zurücktrete. Der im Religionswechsel geübte Schwiegervater war aber ganz anderer Meinung. Die Kirche trug auch den Sieg davon. Der Heirathskanoidat ließ sich vor der Hochzeit taufen. Zu Gunsten dieses „jüdischen" Abgeordneten hat Leib Hartstein — dem zeitweise die leitenden Männer der ungarländischen Orthodoxie nicht genug orthodox sind — mit oi n^öy gedroht. Erinnert dieses frivole Treiben nicht an den bekannten Spruch: xo^ “otnon 'oi, — Der Munkacser orthodoxen Gemeinde rufen wir nochmals zu: cync "ptpxo oy, Mein Volk! Deine Beglücker sind Jrreführer. Budapest, im Rov. Das Abgeordnetenhaus hielt am 6. d. Mts. eine Sitzung, in welcher die Ausschußwahlen verkündet wurden. Gewählt wurden: In der IV. Sektion der Reichsrathsabgeordncte Dr. Marcel Beck zum Schriftführer; in den Justiz-Ausschuß Dr. Samuel Bakonyi, Dr. Paul Mandel, Hofrath Dr. Armin Neumann; in den Volkswirthschaftlichen Ausschuß Dr. Franz Heltai, Großhändler Paul Sandor, Fabrikant Berthold Weiß; in den Verwaltungs-Ausschuß Dr. Alexander Fischer; in den Kommunikations- Ausschuß Dr. Eugen Molniar; in den Finanz-Ausschuß Dr. Ambrus Nemenyi; in den Wehr-Ausschuß Schriftsteller Josef Veszi und Fabrikant Theodor Wolfner; in den Schlußrechnungs-Ausschuß Dr. Alexander Nagy. Josef Spitzer. (Anmerkung der Red. Die jüd. Abgeordneten sind in den meisten Ausschüssen verhältnißmäßig gut vertreten. Es fragt sich nur, ob diese ihren politischen Einfluß auch im Dienste der jüdischen Interessen — wenn es sich darum handeln sollte — freimüthig zur Geltung bringen werden. In der Vergangenheit ist dies nur selten geschehen.) P a l a st i n a. Jaffa. (Bedrückung der jüdischen Bauern.) Die in beständigen Geldnöthen sich befindende türkische Regierung sieht sich seit einigen Jahren genöthigt, die Steuerschraube etwas stärker anzuziehen. Da das ganze türkische Steuersystem auf veralteter agrarischer Grundlage beruht und der Bauer nahezu die ganze Steuerlast zu tragen hat, während die griechischen und armenischen Händler und Fabrikanten wst ganz steuerfrei ausgehen, so lastet auch der jetzt verstärkte Steilerdruck vornehmlich auf den schwachen Schultern des unglücklichen Landmannes. So lange die jüdischen Kolonien in Palästina unter Rothschildscher Hegemonie standen, haben die jüdischen Bauern jedoch von dem verstärkten Steuerdrücke wenig zu spüren bekommen, da die Rothschild'schen Beamten sich mit den verschiedensten Steuerpächtern gut zu stellen wußten, aber mit dem Uebergang der Rothschild'schen Kolonien an die „I. K. A." ist, wie mit vielen anderen Dingen, auch darin ein Aenderung eingetreten, und nun lastet die Hand des türkischen Steuerpächters schwer auf den armen jüdischen Bauern des heiligen Landes. Der „Zehnte," welcher schon langst und offiziell nicht mehr 10, sondern 12 pCt. beträgt, ist in diesem Jahre auf 26 pCt. und mehr gesteigert worden. In Sichron Jakob, wo sich die Reblaus eingenistet hat, und welches in Folge dessen gesetzlich gänzliche Steuerfreiheit genießen sollte, wurden dennoch Steuern und zwar in erhöhtem Maße erhoben. Ebenso wurden die Steuern in Rischon-Lezion gegen das Vorjahr wesentlich erhöht. Schlimmer noch als in diesen beiden großen Kolonien hat der Steuererheber in den kleineren Kolonien Chedereh, Gadrah und Kastinjeh gehaust. So hat in Gadrah ein Kolonist, welcher von zwei Hektaren für 126 Frs. Weizen geerntet hat, 69 Frs. „Zehnten," d. h. 66 pEt. zahlen müssen. In Kastinjeh haben die Kolonisten bei einem Bruttoertrag von 28,000 Frs. 7500 Francs als Oscher an den Pächter abführen müssen. In dieser Kolonie sowie in Chedereh wurden überdies die jüdischen Dorfschulzen von den Steuereinnehmern mißhandelt, als wenn sie gewöhnliche Fellachen wären. Die Erhöhungen der Steuern und die dabei entstandenen Streitigkeiten mit den Pächtern haben in manchen Kolonien überdies die Ausdreschung des Getreides verzögert, da die Pächter das Getreide nicht eher von den Feldern herunterführen ließen, bis die Steuer bezahlt war. Bezeichnend ist cs, daß die deutschen Kolonisten von derartigen Erpressungen vollkommen verschont bleiben. Die Herren Pächter wissen ganz genau, daß bei dem ersten leisesten Versuch einer Erpressung der deutsche Konsul in Jerusalem, und wenn erforderlich, auch der Herr Marschall von Bieberstein in Konstantinopel auf dem Plan erscheinen würden, während sie den schutzlosen Juden ebenso wie den armen Fellachen ungestraft maltraitiren dürfen. T. F e n I I I c t * «♦ Nach vierhundert Jahren. 18s Von Friedrich Rott. „Willkommen, liebes Fräulein," sagte Frau Müller, die zu ihr Tretende herzlichst begrüßend, „Sie haben drinnen lange ausgehakten, ich dachte schon, Sie hätten mich ganz vergessen." „Ach, das haben Sie nicht gedacht," entgegnete Jsabella, sich ihr gegenüber in einen Sessel nieder-

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