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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1993 lastend. „Sie wissen es ja, wie gerne ich bei Ihnen bin. — Aber ich hatte es Viktor versprochen — wiederholt hat er mich gebeten." „Ich weiß, ich weiß, er hat großen Werth auf Ihre Gegenwart gelegt, aber eine Viertelstunde hätte auch genügt, Sie-was haben Sie, mein Fräulein? Wonach sehen Sie?" „Dort, nach jener Droschke. Es sitzt ein Herr darin, im Augenblick habe ich geglaubt, es wäre mein Onkel." Sie war aufgestanden und neigte sich über die Brüstung der Veranda.-„Aber er ist es ja wirklich!" rief sie auf. „Onkel! Onkel!" und freudig eilte sie durch das Zimmer, die Stiegen hinunter dem Ankommenden entgegen. „Warum ist Fräulein Jsabella so schnell fortge- Icmfen, Großmama?" fragte Viktor, indem er hinaus in's Freie trat. „Ihr Onkel ist gekommen, — sie hat sich sehr gefreut." Auch der Doktor hatte der schlanken Mädchengestalt, die wie im Fluge an ihm vorübergeeilt war. lächelnd nachgesehen; jetzt trat auch er hinaus zu seiner Mutter. „Die Freude ist ihr zu gönnen, sie ist zu sehr allein." „Ich gönne sie ihr auch," stimmte Frau Müller bei, „besonders angenehm ist es mir, daß ihr Onkel jetzt gekommen ist. Bisher war sie doch größtentheils bei uns, aber seitdem Du hier bist, hält sie sich mehr zurück." Jubelnd hatte Jsabella ihren Verwandten umarmt. „Das heißt überraschen, Onkel! — Das hast Du gut gemacht." „Freut's Dich, Herzchen?" sagte er, ihr liebevoll die rosigen Wangen streichelnd, „dann freut es mich doppelt." „Aber nun komm hinein in's Zimmer, Onkel — nicht wahr, hier ist es schön?" „Sehr," erloiedene der alte Herr, indem er seinen Blick in den freundlichen Räumen umherstreifen ließ und dann hinaus auf die schäumende See sah, „ich glaube in der That, daß Du Dir den schönsten Punkt des Ortes ausgesucht hast." „Ausgesucht habe ich ihn mir nicht," versetzte sie, den Kopf leicht schüttelnd, „denn als ich hier einzog, wurde ich herein getragen, vollständig bewußtlos." „Herr Gott! Kind, so arg war es?" „Es war sehr arg. Hätten nicht gute Menschen sich freundlich meiner angenommen, hätte nicht vor allem Doktor Müller sein Leben auf's Spiel gesetzt, mich zu retten, so hättest Du, lieber Onkel, mich schwerlich wiedergesehen." Das frischgefärbte Gesicht des alten Offiziers ward um einen Schein bleicher; es währte einige Minuten, bevor er die llnterhaltung wieder aufnahm. „Du mußt mich zu ihm führen, der Dich gerettet hat, ich muß die Hand drücken, die mir mein Herzblatt erhalten hat." „Gern, lieber Onkel, will ich Dich zu ihm führen, aber auch seiner Mutter bin ich großen Dank schuldig, und auch die Eigenthümer der Villa, Herr und Frau Holm, haben mich sehr verpflichtet —" „Allen will ich danken, komm', last' uns gleich gehen —" „Nein, nein, jetzt gleich nicht. Erst mußt Du Dich ausruhen, etwas genießen —" „Ja, das thue ich wohl, Du weißt, an Appetit fehlt es mir nie." „Gottlob! — Aber zwei Minuten mußt Du mich entschuldigen, lieber Onkel. Komm', setze Dich hier an das Fenster in den Schaukelstuhl. Das ist mein Lieblingsplatz, wenn ich nicht oben auf der Veranda bin." ..Die Veranda gehört auch zu Deiner Wohnung?" „Nein, die gehört zur ersten Etage, wo Frau Müller wohnt. Aber ich bin meistens oben bei ihr. — Nun aber will ich nur einen Augenblick hinüber zu Frau .Holm gehen, will sehen, ob sie Vorrath hat, damit mir mein lieber Onkel nicht verhungert." Sie nickte ihm freundlich zu und eilte hinaus. Draußen kam ihr die Hauswirthin entgegen. „Das gnädige Fräulein haben einen Gast bekommen?" „Ja, liebe Frau Holm, mein Onkel hat mich überrascht. Und er wollte schon hinüber zu Ihnen, um Ihnen und Herrn Holm zu danken für das, was Sie mir gethan —" „Aber gnädiges Fräulein, das ist doch nicht der Rode werth —" „O doch, der Rede ist es schon Werth. Aber ich habe ihn zurückgehalten; er muh sich erst ausruhen und frühstücken. Haben Sie vielleicht etwas Gutes zum Lunch, Frau Holm?" Diese zuckte die Achseln. „Vorbereitet bin ich nicht. Ich habe nur, was zum Mittag für das gnädige Fräulein bestimmt ist. Das aber könnte in einer Viertelstunde fertig sein für den gnädigen Herrn. — Und wenn dann die Herrschaften zu Mittag im Kurhaus speisen würden — " „Ja. ja, so wird's gehen. Bitte, liebe Frau Holm, sorgen Sie nur, daß mein Onkel bald etwas bekommt, und daß es gut und nicht zu wenig ist —" „Ohne Sorgen, gnädiges Fräulein! — ich gehe selbst in die Küche, in einer Viertelstunde ist alles fertig und ich hoffe, der gnädige Herr wird zufrieden sein." Frau Holm eilte an die Arbeit und Jsabella begab sich wieder hinein in ihr Zimmer. „Da bin ich wieder, Onkel," sagte sie. indem sie einen Sestel neben den Schaukelstuhl rückte und sich an seiner Seite niederließ. „Onkelchen, Onkelchen. wie schön ist's, daß Du hier bist. Wie ist es Dir nur eingefallen, mich zu überraschen?"

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