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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1990 Zeitrrirg-rrachrichterr und Gorrefpondenzen. Deutschland. Berlin, 14. Nov. „Der Sabbat in Gefahr!" betitelt sich ein Flugblatt des „Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde," das zur Bekämpfung der liberalen Kandidaten bei den bevorstehenden Repräsentantenwahlen aufsordert. Den Liberalen wird darin vorgeworfen, die Gemeinde in „unjüdische Bahnen lenken zu wollen," und für den Fall einer Einführung von Sonntags-Gottesdiensten eine Spaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde in Aussicht gestellt. „Friede mit allen religiösen Anschauungen," schließt das Flugblatt. „die sich auf dem Boden des Judenthums bewegen! Aber nimmermehr Friede mit jenen unjüdischen Bestrebungen, die die Axt an die Wurzel des Judenthums legen. Nimmermehr Friede mit jener verblendeten Richtung, die mit der ersehnten Einführung der Sonntagsfeier die Grundveste des Judenthums, den Sabbat erschüttert! Schützet unfern Sabbat! Glaubensgenossen auf die Schanzen! Hie Sabbat, hie Sonntag!" Ans Süddeutschland schreibt man uns- Zu einer Zeit, da man das Interesse des Publikums für die verschiedensten Dinge außerordentlich stark in Anspruch nimmt, ist es geboten, sich zu konzentriren und Zeit und Geld nur in der möglichst praktischen Weise zu verwenden. Dies gilt auch für die Bestrebungen, welche die Förderung von Gartenbau und Bodenkultur unter den Juden sich zur Aufgabe stellen. Wir denken hier an den „Verein zur Förderung der Bodenkultur" und die „Israelitische Erziehungs- Anstalt Ahlem." Der erstgenannte Verein wurde, so viel uns erinnerlich, seiner Zeit gegründet mit der ausgesprochenen Absicht, in erster Linie die Anstalt Ahlem zu unterstützen; bislang hat man aber nicht erfahren, daß in dieser Hinsicht irgend etwas geschehen ist. Es wäre jedenfalls wünschenswerth, daß man die Anstalt in Ahlem, wo doch greifbare Resultate vorliegen, unterstütze, bevor man irgendwo anders ein ähnliches Unternehmen gründet. Denn das bedeutete eine Zersplitterung der Kräfte, statt einer Zusammenziebung derselben. Die im Herzen Deutschlands belegene Anstalt (in Ahlem) hat bereits Erfahrungen, während die Anstalt, welche, wie wir hören, im „äußersten Osten" jetzt gegründet werden soll, solche erst sammeln müßte. Sollte sich später einmal die Errichtung solcher Anstalten in Süddeutschland und im äußersten Osten als zweckdienlich erweisen, dann würde es doch richtig sein, dabei Hand in Hand mit der „Ahlemer Anstalt" zu geben. (Wir können der Ansicht des Einsenders nur beipflichten. Red. d. „Jsr.") Ans Süddeutschland. Die Bettelindustrie in Galizien wird munter weiter betrieben, wenn auch viele Adressaten — durch die früheren Veröffentlichungen gewarnt — nicht mehr reagiren und die Rentabilität dieser „Industrie" zurückgegangen ist. Immerhin erscheint es nothwendig, neuerdings aus die Unwürdigkeit der Bittsteller hinzuweisen, die in letzter Zeit einen neuen Tric in Anwendung bringen. In dem ausführlichen, im üblichen Stil gehaltenen Bettelbriefe nimmt der Bittsteller — in einem uns vorliegenden Briese ist es Leiser M a r g u l i e s in S k a l a — Bezug auf seine früheren guten Verhältnisse und auf Firmen, mit welchen er in Geschäftsverbindung gestanden hätte. Eingezogene Erkundigungen bei mehreren der Firmen ergaben folgendes Resultat: Eine Firma eristirt gar nicht, die zweite und dritte, an die unser Gewährsmann sich wandte, theilte mit, daß der Angefragte allerdings vor nahezu zehn Jahren ein und die andere Postsendung gegen Nachnahme empfangen hätte. Gleichzeitig drückten die Firmen ihr Erstaunen über die Dreistigkeit aus, daß man sie nach einer solchen „Geschäftsverbindung" als Referenz aufgebe. Dem erwähnten Schnorrbrief ist zum Uebersluß das Attest eines Spar- und Kreditvereins mit unentzifferbarer Unterschrift beigegeben. Es sei bei diesem Anlaß daran erinnert, daß in Skala und Borszezow regelrechte — man möchte sagen — Konsortien bestehen, die sich den Betrieb der Bettel-Industrie zum Geschäft gemacht haben. An der Spitze dieser Konsortien stehen u. A. Leibisch Bergmann. Solomon Schösser, beide in Skala, und Israel Eisner in Borszezow, aber die Geschäfte werden sozusagen im Geheimen geführt, so daß es schwierig ist, die Namen aller „Theilhaber" zu erfahren. Der eine dieser Schnorrer, Leibisch Bergmann, hat in jüngster Zeit verflicht, seine Schnorrgesuche durch Mehrung der „Beglaubigungen" wirkungsvoller zu gestalten; man findet jetzt auch die unlesbaren Namen des K. K. Bezirkshauvtmanns und die Unterschrift des Stadiarztes. In Bezug auf die „Beglaubigungen" darf man nach wie vor annehmen, daß sie falsch oder durch falsche Vorspiegelungen erlangt sind. — Furth, 11. Nov. (Gedächtnisfeier i n der Israelitischen Realschule.) In der Aula der Israelitischen Realschule fand gestern Abend, n Uhr, vor zahlreich versammeltem Publikum eine Gedächtnisfeier für den verewigten Herrn Rabbiner Dr. Auerbach s. A. statt, der in den Jahren 18^2 bis 1873 die damalige Israelitische Bürgerschule als Direktor geleitet hatte. Der derzeitige Direktor. Herr Dr. Feilchenfeld, gab in dreiviertelstündigem Vortrage ein Bild von der bedeutenden Persönlichkeit des Entschlafenen, seiner vielseitigen Wirksamkeit für das Judenthum und besonders seiner segensreichen Thätigkeit als Organisator und erster Leiter der 1862 gegründeten Israelitischen Bürgerschule. Die Schule, die mit 42 Schülern eröffnet wurde, war zuerst in Mietbsräumen in der Theaterstraße (im Hause der setz. Post), vom zweiten Jahre ab in der Hirschenstraße, untergebracht. Die Frequenz stieg in Folge des großen Vertrauens, das man dem jugendlichen, thatkräftigen Leiter

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