Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 91 (18.11.1901)
- Date
- 1901-11-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1988 Menschlichkeit zerschneide, das die Menschen und Völker umschlingen soll. Bei aller Verschiedenheit der Staatszwecke und Geschiedenheit der Staaten soll dies edle Band die edlen Männer ohne Rücksicht auf ihre Staats und Prinzipisnangehörigkeit einander nahe dringen, so nahe, daß sie, von einer tiefinnern versittlichenden Kraft getragen, über die Staatsgemarkungen hinaus, vereint der Endbestimmung der Menschheit zustreben. Das Gebiet der Menschlichkeit soll keine Grenzen kennen, es ist so groß und weit, wie die Menschheit! Sind's auch m: *:c* zwei Völker, die ihrem Wesen und Streben nach, vom Mutterschoße an, auseinandergehen, so kann sich doch der wahre Edelmuth in diesem wie in jenem Volke in hervorragenden, mit herrlichen Eigenschaften des Geistes und Herzens begabten Männern. n; r verkörpert finden,*) die sich, trotz der Verschiedenheit ihrer Nationalität und ihres Bekenntnisses, zu inniger Freundschaft verbinden. Eine solche Verbindug war die des Rabbi Juda Hanaffi mit Antonin, die beide darin einig waren, ihr Haus der edlen, unlerschiedlosen Gastfreundschaft offen und ihren Tisch zu jeder Zeit für Rothleidende, Speisebednrftige frei zu halten.**) Der Wettkampf zwischen Md rrG inuß nicht gerade durch das Schwert des Hastes, er kann auch durch friedliche Mittel ausgetragen werden. Wenn die jtcs-v die Muttecstaaten, bei aller Verschiedenheit ihrer Kultur- und Machtbestrebungen große Söhne des reinen Menschentbums Hervorbringen, Söbne wie „Rabbi" und „Antonin" — so können solche Vollgeburten mit ihrem reichen Segen den Fluch des Hasses und der Verfolgung tilgen, den die Ausgeburten einer zwiespältigen Zeit über die Menschheit bringen. Jakob und Esaw gingen in ihren Fähigkeiten und Neigungen weit auseinander. Den Einen fesselte das Familienheim mit seiner erziehlichen Kraft, seinen Geist und Gemüth ansprechenden Forderungen, und es genügte ihm der Boden dieses von abrahamitischem Geiste erfüllten Heims, um, in diesem wurzelnd, abrahanntische Tugend und Lehre sich anzueignen. Den Andern zogen Wald und Flur hinaus. wo die Kraft und Geschicklichkeit des Mannes sich in der Jagd erproben und stählen konnten. Da trat ein, was bei so ungleichem Streben, so ungleicher, einander fliehender Naturen stets eintritt, sobald das Ideal eines höheren Zieles, einer niedrigeren Leidenschaft weichend. die Kraft, Gegensätze auszugleichen, verliert. Esaw verachtete die inneren Geistes- und Herzensgaben Jakobs stimmt dem Gott geweihten Thatenleben, dem sich Jakob zuwandte. Und doch erfüllte ihn der Gedanke, daß Jakob diese von ihm, Esaw, verschmähten Güter besitzen solle, mit giftigem Neid. Dem Neide erscheint der Besitz eines Addern groß und dessen Besitzer — klein. Ja, wenn Jakob sich mit dem ideellen Erstgeburtsrecht hätte genug sein lassen, mit den Auszeichnungen, die die Gottesnähe dem in Demutb und mit *) Vgl. I. 25, 29 Nascht. **) Tr. Akwd. s. II. Selbstaufopferung nahenden Diener des Heiligthums auserlegt, wenn er für alle Zeiten der enterbte Levite hätte bleiben wollen, der von den vom Gottestische berabsallenden Brosamen lebt, ohne an das Leben, seine Güter und Genüsse irgend welchen Anspruch zu machen, dagegen hätte Esaw nichts einzuwenden gehabt. Jakob als eine Art fromme Jammergestalt, als ein aseetischer Bettler oder, wenn's hoch kommt, als einen auf die herablassende Huld seines edomitischen Herrn und Gebieters angewiesenen Kammerknecht, der um das bischen Luft und Licht und Recht vor dem hoch zu Roß sitzenden Bruder Esaw kriecht, s o hätte sich Esaw seinen lieben Bruder Jakob gefallen lassen. Allein Thau des Himmels und Fett der Erde, Korn und Most, aufrechter Gang und ein hohes Streben, das den hochmögenden Gewaltigen der Erde, ihn, Esaw, selber auf seinem eigensten Gebiete überflügeln und die materielle Macht der Herrschaft des von Sittlichkeit und Recht getragenen Geistes unterordnen kann — solchen Segen hatte Jakob gewagt, mit in den Erstgeburtskaus zu nehmen, und das war in Esaw's Augen ein todtwürdiges Verbrechen. War denn dieser Esaw, den man sich als Ausbund alles Gemeinen imü Bösen vorzustellen pflegt, wirklich so ganz bar jeder edleren Empfindung, so ganz der thierischen Natur verfallen, und einer höheren menschlich schönen Regung unfähig? Gewiß nicht. Das Bibelwort rühmt Esaw die große Tugend der Ehrerbietung gegen seine Eltern nach und die Midrasckiwcisbeit setzt dieser Tugend an verschiedenen Stellen ein Denkmal, das Jatob's Nachkommen aus ihren Zügen respektiren sollen. Esaiv drängte sich dazu, seinen alten Vater zn bedienen und ihn mit schmackhafter Speise zu versorgen. R. Simon, Sohn Gamliels, sagte einst: „All' meine Lebtage bediente ich meinen Vater, doch bewies ich hierbei nicht den hundertsten Tbeil der Ebrerbietung, die Esaw bei demselben Kindesdienste bekundete. Während ich meinen Vater in meinen geringeren Kleidern bediente und zum Ausgeben die kostbaren wählte, war Esaw. so oft er um seinen Vater beschäftigt war, mit königlichem Gewände bekleidet." Er sprach: „Nur solches Gewand ist zu solchem Dienste gut genug!" wie es ja auch heißt: „seine kostbaren Kleider, die er bei ihr (Rebekka) verwahrt hatte." Also Esaw, der wilde Jäger, war doch zugleich der zabmc Muttersohn, der zn seiner Mutter Rebekka mehr Zutrauen hatte, als zu seinen chititischen Gattinnen, die „das Herzeleid Jsak's und Rebekka's waren" (I. 26. 36) und deren götzendienerischer Weihrauch die Augen Jsak's trübten. (I. 27. 1 Raschi.) Ja. dieser Esaw tbat noch mehr. „Als Esaw sah, daß die Töchter Kanaan's mißliebig ivaren in den Augen seines Vaters Jsak, da ging Esaw zn Jsmael und nahm die Machakatb, Tochter Jsmael's, des Sohnes Abraham's, der Schwester Rawajoth, zu seinen Frauen sich zur Frau." (28. 8—9.) Esaw suchte also seinen Eltern zu Willen