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Der Israelit · 1901-11-18 · Heft 91 (18.11.1901) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 91 (18.11.1901)
Date
1901-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■g’g-yx-r <;/v : «■> 42. Jahrgang. Jg 91» Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodore IudenIHum. Begründet von Dr. in Htninf. Montag, ve« 18. November 5662 (1901). ®ür Eine Warft abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat Dezember ^^2) auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bet dem betreffenden Landbrielträaer aiffaeaeben werden. 0P"* Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend Höver. Die Expedition des «Israelit." Leitender Artikel. Zur MiiUWte Ks PuckiMs.'j Von Rabbiner Josef Nobel, Halber st ad t. In dem Zelte, das von liebevoller Vaterhand errichtet und von treu liebenden Gatten bewohnt ist, wird von diesen Gatten in unnennbarer Sehnsucht und mit tiefer Inbrunst Gott um das Gnadengeschenk eines Kindes angefleht. Gott gewährt die Bitte. Gr gibt das Doppelgeschenk eines Zwillingspaares. Ein betender Vater, eine betende Mutter, deren Gebete tiefinnige Liebe eint, sie blicken mit einem seelenvollen Blicke, aus dem Dank und Liebe leuchten, auf die Wiege mit ihrer Doppelbescheerung, und diese Wiege ist die Wiege des — Bruderhasfes. Zwei Brüder, von der Geburt, ja von vor der Geburt an feindlich von einander getrennt, theilen sich in den Besitz dieser Wiege, und sie werden sich später in den Besitz der von ihnen bevölkerten Welt theilen. Vielleicht noch nie ist eine Geburt mit solcher *> 'Aus dem zum Drucke vorbereiteten Werke: ’JD — „Sinai", exegetische Bemerkungen und homiletische Betrachtungen über die sämmtlichen Wochenabschnitte des Jahres. Liebe heiß ersehnt worden, und noch nie hat eine Geburt so großem Hasse das Dasein gegeben, wie eben diese. Als Kain seinen Bruder Hebel erschlug, da war es der Neid, der den Mordstahl führte. Gott hatte sich Hebel's Opfer erkoren. Das war in Kain's Augen Hebel's todtwürdiges Verbrechen. In ihrer Kindheit mochten Kain und Hebel in brüderlicher Liebe mit einander verkehrt und über ihren Kindesspielen mögen noch die Engel des Friedens und der Liebe geschwebt haben. Esaw und Jakob aber wurden in der Wiege, ja im Mutterleibe schon vom Fittig der Trennung beschattet. Ein Gottesspruch hatte diese Schatten ihrer Geburt vorausgesandt. Auf Rebekka's Frage (1. 25,23) „da ließ Gott ihr sagen: „Zwei Völker in deimry Schoße und zwei Staaten, von deinem Innern an werden sie sich s ch e i d e n; ein Staat wird mächtiger werden, als der andere, und der mächtige dem geringeren dienen." Nicht Haß, sondern „Scheidung" wurde dem Vrüderpaare als Mitgabe in die Wiege gelegt. Zwei Staaten sollten von dieser Geburtsstunde an ihren von einander geschiedenen Entwickelungslauf nehmen. Machtgröße ist der Zielpunkt des einen, Sittlichkeit der des andern. Jerusalem und Rom, oder, wie der Talmud die Parallele benennt: Jerusalem und Cäsarea beginnen ihren Wettlauf. Steigt das eine, so soll das andere sinken. So verlangt es das natürliche Spiel der Kräfte, die den Beiden zugemeffen worden. Steigen — Sinken — wie die Eimer am Brunnen, das bedeutet" die rastlose Bewegung des staatlichen Völkerlebens, das auf der einen Seite mit der elementaren Gewalt der physischen Kraft und auf der anderen mit der Macht des Alles besiegenden und veredelnden Geistes vorwärts — aufwärts drängt, und „die Völker sind wie Tropfen am Eimer." Die Verschiedenheit des von den Staaten angestrebten Zieles soll jedoch Menschen und Völker nicht feindlich von einander trennen. Feindschaft hat Gott gesetzt zwischen Mensch und Schlange, doch nicht zwischen Mensch und Mensch. Das wollte Gott nicht, daß das Schwert des Hasses das Band der reinen

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