Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1901)
- Date
- 1901-11-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1973 Den Religionsunterricht ertheilt in der Anstalt selbst Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, dem auch die Aussicht über die gesummte Leitung der Anstalt überantwortet ist. Durch gemeinsames tägliches Beten, durch regelmäßigen Besuch des Freitag- Abend- und Sabbalhgottesdienstes wird die religiöse Erziehung der Zöglinge besonders unterstützt. Zu gärtnerischen Arbeiten in dem großen, mit zahlreichen Obstbäumen bepflanzten Garten sind die Zöglinge öfters herangezogen worden und haben hieran besondere Freude bekundet. Aus der Anstalt sind im Laufe des Berichtsjahres im ganzen neun Zöglinge ausgeschieden. Ein noch schulpflichtiges Kind kehrte zu den Eltern zuruck, zwei andere traten in ein Putzgeschäft als Lehrmädchen, ein viertes, welches die Handelsschule in Coblenz mit gutem Erfolg besucht hatte, kam in ein Geschäft als Buchhalterin, und ein fünftes fand Stellung als Gehilfin im isr. Kindergarten zu Frankfurt a. M. Die übrigen haben Stellung als Dienstbezw. Kindermädchen erhalten. Die scheidenden Zöglinge wurden mit einer guten und reichlichen Aussteuer versehen und erfuhren auch weiterhin unsere Fürsorge und fördernde Thcilnahme. Wir unterhalten mit ihnen einen regelmäßigen Bri fwechscl und laffen uns ihre Ersparnisse senden, die wir ihrem Sparkasienbuche, das jeder Zögling beim Eintritt in die Anstalt erhält, einverleiben. Der Oberpräsident von Casiel empfahl unfern Verein der Königlichen Eisenbahndirektton zu Frankfurt a. M., welche uns die Vergünstigung gewährte, unfern Zöglingen bei Urlaubsreifen Ausweise behufs Erlangung von Militärfahrkarten auszustellen. Einen unersetzlichen Verlust haben wir erlitten, indem unser hochgeschätzter Wohlthäter, Herr Jacob Plaut aus Nizza, am 4. Februar plötzlich starb. Obwohl er das hohe Alter von 84 Jahren erreicht hat, ist er für uns viel zu früh gestorben. Alljährlich bekundete er sein Jnteresie für unsere Anstatt durch den ansehnlichen Jahresbeitrag von 1000 Mk., und noch kurz vor seinem Tode übergab er Frau Dr. Aronsohn zum Besten unsrer Anstalt ein besonderes Geschenk von 500 Mk. In seinem Letzten Willen hat er unserm Vereine ein Legat von 100,000 Mk. festgesetzt. An dem Tage, da sein Tod hier bekannt wurde, veranstalteten wir eine Trauerfeier in den Räumen unserer Anstalt. Zum ehrenden Andenken haben wir ihm die zweite Etage der Anstalt gewidmt, die fortan den Namen „Jacob P l a u t' s ch e A b t h e i l u n 9" führt. Die Zahl der Mitglieder ist Dank den Bemühungen unserer Freunde um ein Beträchtliches 1 gewachsen, aber noch im;tur sehr unbedeutend. Wir richten daher die dringende Bitte an alle unsere Freunde, keine Mühe zu scheuen, um für uns eine größere Anzahl von Mitgliedern zu werben. Die Kurgäste bekundeten ihr Interesse für unsere Anstalt durch reiche Geschenke und Zuwendungen. Es herrschte unter denselben nur eine Stimme über den guten Geist uud das vortreffliche Aussehen der Zöglinge. Herr Henry E a r l e b a ch hat anläßlich seiner liebersi?delung von Frankfurt a. M. nach Brüssel seine Stiftung von zwei Freistellen um 200 Mk zu 10,0o0 Mk. ergänzt. Andererseits hat Herr Baron Horace de Günzburg in St. Petersburg leider seine F eistellungsstiftung, für die er bisher die Zinsen zahlte, zurückgezogen. Dagegen hat unsere Ehrendame Erc. Fräulein von Henrichsen in St. Petersburg (NichtjüRn), die sich seit der Begründung in höchst anzuerkennender Weise für unsere Anstalt interesiirt, eine Freistelle im Betrage von 500 Mk., wovon sie vorerst die Zinsen zahlt, gestiftet und die Stiftung einer zweiten Freistelle in sichere Aussicht gestellt. Wir können es uns nicht versagen, unserer hochgeschätzten Ehrendame Exc. Frl. von Henrichsen hier unfern innigsten Dank auszudrücken. Die Anerkennung und das Vertrauen, das unsere Anstalt in den weiteren Kreisen genießt und das in der lurzen Zeit ihres Bestehens sie zu der jetzigen Höhe geführt hat, wird, so hoffen wir zuversichtlich, hr weiterhin erhalten bleiben und immer mehr Freunde erwerben Unsere Anstalt steht schon jetzt nach vierjährigen Bestehen an der Spitze aller isr. Mädchenwaisenhäuser Deutschlands, indem sie die stattliche Anzahl von 33 Zöglingen beherbergt. Aber zu unserm Bedauern ist sie auch mit diesen 33 Zöglingen durchaus angefüllt, und wir möchten doch so gern alle, die unsere Hülfe aufrufen, in unfern Schutz nehmen. Ein Neubau ist daher für uns zur Nothwendigkeit geworden. Wir werden zu dieser Erweiterung unserer Räume schreiten, sobald wir die nöthigen Mittel hierzu haben. Unsere vorhandenen Mittel können wir nicht antasten, da sie zum größten Theil zum Stiftungsfonds gehören. So richten wir denn an alle edlen Wohlthäter die dringende Bitte, uns nach Kräften zu unterstützen und Spenden zu gewähren, damit wir unsere Räume zur Ausnahme aller derererweitern können, welche ohne geeignete Verpflegung und Erziehung Einlaß begehrend an unfern Pforten stehen. Möge Gottes Segen über unfern Bestrebungen ferner walten und unser Ziel uns immer näher rücken! Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. A r 0 n s 0 h n , prakt. Arz', Ems-Nizza, I. Vorsitz., Dr. H 0 r 0 v i tz, Rabbiner, Frankfurt a. M., I. ftellvertr. Vorsitz., Joseph Kirchberger, Buchhändler, Ems, II. ftellvertr. Vorsitz., Dr. Weingarten. Bezirksrabbiner, Ems, Schriftführer, Heinrich Königsberger, Kaufmann, Ems, Kassierer, Dr. Cohn, Distrikts-Rabbiner, Jchenhauscn, Max Ettinghausen, Mühlenbesitzer, Höchst a. M., Eduard Feist, i. H. Beer, Soud-