Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1901)
- Date
- 1901-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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42. Jahrgang Erste Aeikage zu jv° 90 des „IsraeKt." V eiteitt> er Artikel. Häusliche Gegenströtnungen. Line pädagogische Studie zu nn^l^ '£ von S. Andorn.! Duc, Faüiiliengcmäldc, uu'ld)ce> bic bic-MDüdicntlidjc 3ibra!i tut« enthüllt, hübet eilten lu'nn’rfenstuertfu’ii uttb k. inesivegs ev(t'iiiiicl)eit (SeitiüüUt ,vt bcii erljchcnbeii Bübetii, oit'!' dein .streife Abrahams. Wir buhen kurz tiituu' biefen elften der Erzvater nkden fviebfertiafteu, nneiiienniiiüiiften Verwandten. nieben liebevollsten (Matten, ak Mit särtficfiftcu, forgsuniften Vater kennen gelernt. Er crfchciiP uns ak der Mittelpunkt beeist ii etlichen Fmnüicv.leb. ns und ist gleicherweife' barmts bedacht, feinen! Lohne ein Heim zu gründen, bet'? erfüllt sein soll von Gottesfurcht und echter Tugend. 11 nb der getreue Etiefer, besten teiftefte Regitug den Geist seine« sservn spiegelt, hak mit klugem oimt uttb gliieklichem Estin die rechte Frau für bas Haus eines 'V.bruliam gefunden. Welch' glückliche Aussichten eröffnen sich für die Zntnnsl derselben'e' Und wie ist es einige Jahrzehnte später, mit dasselbe bestellt? Wir fühlen uns bei dem trübseligen Anblicke versucht, die alte, bewährte Verheisttiitg in Zweitel zu ziehen, dast der Väter Verdienst und Segen den Sinthern Häuser batte. Welche Zustände herrschen jetzt in dein Hanse Abrahams, dessen Friedenshimmel nur selten durch ein Wöttcben getrübt worden! Die (Mutten find sich offenbar feit langem eittfientbot, gehen auseinander in der Werllstchähnng ihrer Siinder, legen einen gar verfchiedenen Maststab für die Benrtheilnn.i an, suchen ihre Maßnahme^ gegenseitig zu bnichlienzen. - Und nun gar die Lohne. Fast will es scheinen, als habe sie schon die Natur zu Gegnern steinpelit wollen, so verschieden ist ihre ättstere Ausstattung ansgefallen. Die Verschiedenheit der Neigungen entspricht ganz d.r körperlichen Abweichung. 'Rmt werden die hervorkeimenden 'Neigungen ttoch von dem einen Dheil der Eltern bcgünffiat, von dem anderen bekämpft. E'san ist der LtebÜngssobn des Vetters, Jakob das verzogene stRnttersöhttchen. Sie hat dem jungen Sohne die Ueberzeugung beigebracht, er sei beenfeu, die Aufgabe des Hauses weiterznsiihren an Stelle des wildeit, unbändigen Efan. In dieser Ueberzettgnug nnteriiimmt es Jakob, dem Bruder die idealen (Mnier st! enlreisten, die ihm der Zufall der (Mebart in den Schoost geworfen und deren er sich durch Spaltung und Sitten nicht würdig gezeigt. Und dann stehen sich die Brüder ganz folgrriehtii!, ganz Wie es voransznsehen war, als ^Todfeinde gegenüber. Esan, der in der Gegenwart seines Vaters immer mir den liebevollen Sohn spielt, wartet eingestandenermaßen nur anr ans den Hingang des Familienoberhauptes, um ungestraft feinen Bruder ermorden zu können. 'Wir fragen uns verwundert, wie konnte dieser ungeheure Wandel der Dinge int abrahamischen Hanse sich vollziehen? Wirkt das Vorbild eines Abraham nicht langer nach? Zunächst must hier bemerkt werden, dast auch Me sorgfältigste Erziehung ihre Schranken finket in der persönlichen Veranlagung der Zöglinge, dast aitch die peinlichste Zucht nicht immer die Neigung zinn Entarten verhüten kann. Aber ein wesentlicher Dheil der Schuld fällt doch auch auf Isaak zurück, das wollen wir unbeschadet der pnsr ins Gen. Ml, 42, aller Verehrung vor dem Stammvater und in Uebereinstimmung mit den im Midrasch niedergelegten Anschantliigen unserer Alten und in Uebereinstimrnnng mit Nascht', dem grosten Erklärer, zu begründen suchen: 1!. Bet allen von dem Vater ererbten Vorzügeil mangelte es dem Sohne offenbar an den positiven Erzieher - gaben, an der Umsicht, dem klaren, unbestechlichen Blicke, der durchgreifenden, stetigen Energie. Es werden diese Dinge nur auf der Arena des Gebens erworben, und das Nitlgen mit den Mächten des Lebens war Jsack tt'spart geblieben. Wie Josef dem Jakob, so war er seinen Eltern ein Ottpt p, ein Sohn, der mit der überschwänglichen Nachsicht des Alters verzärtelt wurde. 'Wie ängstlich behüten beide Eltern jeden (schrill des Söhnchens — und des Dohnes. Der vierzigjährige Sohn erscheint uns von einer rührenden Unselbstständigkeit. Nicht ihn selbst sendet Abraham zur Brautwerbuilg ans, sondern den erprobten, gereiften Elicser. Und auch in dessen Augen ist Jsack immer noch und immer nur das Ziud; fortwährend redet er von dem pHNp, und erst als er Nebekka mit dem künftigen (Matten bekannt zn machen hat, da besinnt er sich darauf, daß es jetzt an der Zeit, deac Jsack eilt männlicheres N-lief zu geben-, er spricht zum erftettmal votl ihm •ons wn. Ans dieser mangelhaften Pflege des Selbstgefühls entsprang dann wohl die au Schwäche grenzende Nachgiebigkeit, wie sie Jsack z. B. den brunnenraubendcn Philiffäern gegenüber an den Tag legte. Wie verschieden davon wirkt Abrahams Friedensliebe, Me ist doch mich mit rechter Thatkrast gepaart. Dieselbe Hand, die den müden Wanderer eratlickt, sie weiß recht nachdtücklich das Schwert zu führen, wenn es gilt, das gebeugte Recht wiederheizustellen. Jsack bringt cs nur zu thatenloser Silage und läßt sich mit leeren Worten abfinden. Dürfen wir von dem Manne, dem ebenfalls ei st an der Schwelle des Greisenalters Valersreudc beschieden worden, der die strengen Maßregeln der Zucht nie empfunden, wohl auch nicht erforderlich gemacht, erwarten, daß er im eigenen Hause die Energie entfalten werde, die sein Anslretcn nach außenhin vermissen läßt? Und einen weiteren Mangel in Jsacks erziehlicher Befähigung deckt uns Raschi auf. Der I oviilmttc Erklärer und wtr mit ihm - sind wett davon entfernt, Jsacks Vorliebe für den wenig liebenswürdigen Erstgeborenen auf niedere Genußsucht zurückznführen, wozu der einfache Wortlaut der Schrift ver-