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Der Israelit · 1901-11-14 · Heft 90 (14.11.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 90 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1968 dessen Berufung, gemäß Statut einzuberufende Vertrauensmänner, vorzuschlagen. Am 20. Oktober versammelten sich dieselben. Ihre Aufgabe ist gemäß Statut, sich zu äußern, nicht aber Resolutionen oder Beschlüsse zu fassen. Der Präsident der Enltusgemeinde Herr Kaiser!. Rath Heinrich Klinger trug den Vorschlag des Cultus- Vorstandes vor und bekräftigte denselben auch durch die Bemerkung, daß der Oberrabbiner Dr. Güdemann sich dem Beschluß des Vorstandes anschlicße nnd die Berufung des Herrn Rabb. Dr. Fcuchtwang wünsche, da er diesen für den Würdigen und Passenden erachte. Gegen den Vorstand oder den Oberrabbiner war aber seit langer Zeit von verschiedenen Seiten intriguirt worden: zunächst von seiten eines persönlich interessirten Mannes von Einfluß, dann von den in Wien fungierenden Rabbinern und endlich von einer Anzahl Minjanvereine. Auch der Rector der theologischen Lehranstalt Dr. Schwarz, der besser thäte die Religiosität seiner Hörer zu überwachen, ließ sich von einer Partei ins Schlepptau nehmen. Die Machinationen richteten sich nicht gegen Dr. Fcuchtwang, über dessen Würdigkeit kein Zweifel war und welche sogar von der gegnerischen Presse zugegeben wird, sondern gegen den Vorstand und den Oberrabbiner, von welchem man wußte, daß er keinen anderen, als nur Dr. Fcuchtwang an seine Seite wünsche und lasse. Der Vorstands-Antrag wurde von der Vertrauensmänner-Versammlung nicht acceptiert mit der Begründung, man lasse sich Niemanden ausdrängen und eine dahingehende Resolution gefaßt, der Vorstand solle noch einmal mit einem Ternovorschlage, in dem Dr. Fcuchtwang sein solle, hervortreten. So steht die Angelegenheit jetzt. Der Vorstand ist an das Votum der Vertrauensmänner nicht gebunden und könnte seine Beschlüsse rücksichtslos fassen. Was nun weiter veranlaßt wird, ist unbekannt. Keinesfalls wird sich der Wiener Vorstand vor deni herrschenden Terrorismus beugen. In Wien aber wird es in den größten und namentlich auch in frommen Kreisen bedauert, daß der Plan des Vorstandes und Oberrabbinats vorläufig durchauert wurde. Frankreich. Pari-, 12. Nov. Labori, der berühmte Vertheidiger von Alfred Dreyfus, hat vor einigen Tagen in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift, La grande Revue, einen Aufsatz veröffentlicht, der die Aufmerksamkeit der ganzen französischen Presse auf sich gelenkt hat. In diesem Aufsatze behauptet Labori, daß die Dreyfusaffaire nicht mehr im Stande sein wird, die Gemüther so zu erregen wie es vor zwei Jahren der Fall war, denn dadurch, daß Dreyfus die ihm von der Regierung angebotene Begnadigung angenommen, habe er in gewisser Beziehung auf die Weiterführung seines Prozesses verzichtet. Dreyfus selbst habe ja, so ungefähr fährt Labori fort, als Privatmann daS Recht, sich auf irgend eine Weise die so lange entbehrte Freiheit wieder zu verschaffen. Aber ein Mann wie dieser, gehöre ganz der Oeffentlichkeit und der Sache der Gerechtigkeit und da wäre es vielleicht seine Pflicht, noch länger zu leiden, um die Gerechtigkeit zum vollen und glänzenden Siege zu führen. Es ist begreiflich, daß Labori, der selbst große und schöne Opfer dem Ideale der Gerechtigkeit gebracht hatte, diese Sache zum Siege führen will trotz alledem und alledem: die reaktionär-klerikalantisemitische Presse hat sich auf diesen Aufsatz Laboris mit einem wahren Heißhunger geworfen und ihn in ihrer bekannten Art und Weise auszubeuten gesucht. Jaures hat darauf Labori in einem großartigen Aufsatze erwiedert, in einem Aufsatz, der dieser beiden großen Männer gleich würdig ist. Dreyfus habe genug für die Sache der Gerechtigkeit gelitten, ihm noch weitere Opfer, die vielleicht aussichtslos wären, aufzuerlegeu, wäre durchaus falsch. Es sei nicht richtig, daß durch die Begnadigung der Dreyfusaffaire ein Ende gemacht worden sei, Dreyfus selbst habe mehrmals behauptet, daß er durchaus nicht auf die völlige Wiederherstellung seiner Ehre verzichtet habe. Seine Freunde dürfen ihn nicht im Stich lassen. Gerade jetzt, wo das Opfer des Generalstabs seiner Familie wiedergegeben sei und die Erregung der ersten Stunde sich gelegt habe, müsse man den Kampf mit neuer Kraft und neuer Begeisterung beginnen. ,.Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann". Pi. Feuilleton. Nach vierhundert fahren. 171 Von Friedrich Roit. Viitor rannte in's Haus, die Stiegen hinauf und wenige Minuten daraus vernahm sie die ihr wohlbekannten Schritte, die Treppe herab eilend. Es klopfte an die Thüre, und auf das „Herein" sprangen die beiden Kinder in das Zimmer. „Da find mir, Fräulein Jsabella, was wollen Sie mit uns reden?" „Du hast neulich gesagt, Viktor, daß Du gerne eine Zweirad hättest' ich möchte Dich daher bitten, dieses hier von mir anzunehmen." „Das soll mein sein?" jauchzte er, „ach wie schön! wie schön! wie freue ich mich! — Ich dänke Ihnen Fräulein Jsabella. viele, viele Male danke ich Ihnen." Er reichte ihr die Hand und drückte die ihre mit Innigkeit. „Du freust Dich also mit dem Rad?" „Sehr, sehr. Sie können sich gar nicht denken, wie. — Ich muß freilich erst den Papa oder die Großmama fragen, ob ich'S annehmen darf, aber ich hoffe, sie werden es erlauben." „Und während Viktor Rad fährt, könntest Du inzwischen mit diesem kleinen Mädchen spielen," sagte Jsabella zu Selma, indem sie das Kind zu dem Sessel führte, in dem die für sie bestimmte Puppe lehnte. „Wer ist das?" fragte Selma schüchtern, denn sie glaubte in Wirtlichkeit ein schönes Kind vor sich zu sehen.

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