Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1901)
- Date
- 1901-11-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1966 Zur Frage der Kostendeckung schlägt La Star vor, das; die Kosten für die Beförderung Hamburg—Berlin von Hamburg, diejenige für die Route Berlin—Breslau von Berlin und für die Route Breslau—Kattowitz von Breslau getragen werden sollten. Die Kosten von der Grenze an müßten dann die betreffenden Länder übernehmen, und zwar die Kosten Kattowitz—Krakau die Wiener Alliance, -Krakau—Lemberg: Krakau, von Lemberg an: Lemberg. R. W o l k st c i n hält eine Feststellung der Gcsainmk 'osten für ein Jahr und Repartiruna derselben nach Maßgäbe der Berhältnissc unter die verschiedenen Gemeinden für zweckmäßig, da der sonst vorgeschlagene Modus zu schematisch und deßhalb ungerecht sei. Dr. K a ni i n k a erklärt, das; die Wiener Alliance auster Stande sei, die .Kosten der Route von Krakau aus zu tragen, da sie bereits mit einem Defizit von 108000 Kr. arbeite. Dr. Czerzer entrollt ein Bild von dem furchtbaren ökonomischen Tiefstand der jüdisch-galizianischen Berhältniste. Zn Lemberg allein seien von 43 000 jüdischen Einwohnern 20 000 im Armenkataster ausgewiesen, d. h. gezwungen, die Unterstützung der Cultusgemeinde in Anspruch zu nehmen. Täglich würden 700 Armenkinder unentgeltlich gespeist und tausend müßten mangels der nothwcndigen Mittel zurückgewiesen werden. Dabei lägen die Verhältniste in Lemberg ocrhältnistmäßig noch günstig. Zn den kleineren Städten und ans dem Lande säbe es noch weit schlimmer aus. Leider könne man auch für die nächste Zutunst eine Bcsterung der Verhältnisse nicht erhoffen. Zm Gegentheil sei bei dem seuchengleich schleichenden aalizianischen Antisemitismus, der sich nicht in brutaler öffentlicher Gcwaltthätigkcit, sondern in dem Bestreben äußere. durch Errichtung katholischer Consumgesellschaften und Verbreitung der Parole: „Kauft nicht bei Juden!" die jüdische Bevölkerung systematisch aus den Erwerbsberufen herauszudrängen und zu proletarisiren, der Eintritt einer verhängnistvollcn Katastrophe unter den 700 000 Juden 'Galiziens zu befürchten. Zedenfalls sei von Lemberg und Galizien niaterielle Hülfe nicht z.i erwarten. Simon erklärt, daß die Berliner Gemein de. was ihr zugemuthet wurde, nicht leisten könne, da es zweifelhart sei, ob die Gemeinde als solche gesetzlich überhaupt berechtigt sei, für Ausländer Geld zu bewilligen. Redner schlägt vor, die Beförderung Hamburg—Berlin, wie bisher zu bewerkstelligen und empfiehlt im Allgemeinen Etappenbeförderung mit kurzem Aufenthalt und Speisung der Reinigranten, sowie Unterstützung der am meisten belasteten Gemeinden seitens der Centrale. Redner beantragt ferner die Einrichtung einer Svbtommission zum Zwecke der Feststellung der Etappen, der Ausarbeitung der Begleitformulare, der Berechnung der nöthigen Mittel, sowie der Unterbreitung geeigneter Vorschläge für die Repartirung der Kosten, und empfiehlt die Arbeiterkolonie in Weistensee zur Berücksichtigung. Amtsgerichtsrath L e v y wünscht, . daß die fürdringende Fälle noch vorhandenen Beträge des Zentralkomitees für die russischen Juden, in. Höhe von 40,000 Mk., für die Zwecke der Repatriirung in Anspruch genommen würden. Dr. OK ri t t m a n n empfiehlt einen Ausruf an die von der Rückwanderfluth vichr berührten Gcmeinven, namentlich die potenteren. Die zufällige Lage an der Heeresstraße könne in der Frage der Kostendeckung nicht den Ausschlag geben zu Ungunsten bestimmter 0rte. Stadtrath P r i n g s h e i m erklärt, daß die Gemeinde Breslau, ivie bei früheren Gelegenheiten, so auch diesmal, nicht anstehen würde, das Ihrige beizutragen. Bon verschiedenen Anträgen wird schließlich der folgende. von Gumpertz-Hambnrg eingebrachte, nach längerer Debatte einstimmig zum Beschluß erhoben. „Die heute versammelte Konferenz nimmt im Prinziv die Vorschläge von Hamburg derart an, daß die Rückwanderung nach Prüfung in Hamburg oder Bremen über Berlin und Breslau bez. die anderen in Betracht kommenden Hauptorte bis zur Heimath möglichst ohne Aufenthalt erfolgen soll. Die .Kosten werden von den größeren Gemeinden übernommen: die nicht durch die Rückwanderung tangirten größeren Gemeinden Deutschlands und die bestehenden größeren Wohlthätigkeitsinstitute sollen ersucht werden, zu diescni Liebeswerke nach .Kräften beizutragen, hauptsächlich, um den Grenzstädten, welche die großen Ausgaben zu tragen nicht im Stande sind, sowie den Seestädten für ihre unverhältnistmästig bedeutenden Lasten die nöthigen Mittel zu gewähren. Zur Ausführung der gefaßten Beschlüsse wurde die Einsetzung eines sechsgliedrigen Erckutiv-Komitce's beschlossen, in welches geivählt wurden: die Herren Landgerichtsrath W o l l st e i n und Theod. 0 schinsk v für Breslau, Laskar für Hamburg, Simon für Berlin, Stadtrath Schleif e r für Posen und Rabbiner Dr. Cohn für Kattowitz. Als Vorort wurde Breslau gewählt. (Fortsetzung folatO Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 13. Nov. Wir sind heute in der angenehmen Lage, unfern verehrten Lesern ein Kunstblatt von besonderem Wertste übermitteln zu können. Wie wir bereits früher berichteten, begab sich Kaiser Wilhelm 11. am jüngsten Bersöhnnngstag (Zaum Kippur) Rachmittags zu Pferde und in der Uniform seines russischen Grenadier-Regiments nach dem Grcnzstädtchen Wyschtyten, welches am 2'i. August d. Z. zum größten Thcilc durch Feuer zerstört worden war. An die ans dem Marktplatz zusammengeströmle Bevölkerung hielt der Kaiser folgende Ansprache: „Seine Majestät Kaiser Nikolaus, Euer erhabener Landesherr, mein geliebrcr Freund, hat von Eurem schweren Unglück gehört. Er läßt Euch durch meinen Mund miktbeilen, wie sehr ihn die Nachricht betrübt hat und läßt Euch sein herzlichstes Mitgefühl aussprcchen. Aber noch mehr, er sendet Euch durch mich als Zeichen seiner landesväterlichen Fürsorge eine Spende von fünftausend Rubel, welche ich meinem Bevollmächtigten, Forstmeister von Saint- Paul übergebe zur Bertheilung in Gemeinschasl mit Landrath von Lnck und dem Komitee. Ihr seht hieraus, wie das Auge Eures erhabenen Landcsvaters überall bis an die Grenzstädte seines großen Reiches reicht, und wie sein gütiges, warmes Herz für seine, wenn auch noch so entfernten Untcrthanen schlägt. Eurer Dankbarkeit und Liebe