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Der Israelit · 1901-11-14 · Heft 90 (14.11.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 90 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mit aller Energie darauf hingearbeitet werden, daß in Oesterreich. Ungarn durch Wort und Schrift durch die Rabbiner u. s. w. die Bevölkerung über die hier geschilderten Zustände aufgeklärt wird. Insbesondere aber müssen die Gemeinden und Komitee's obige Ausführungen berücksichtigen und uns, resp. den Hafenstädten überhaupt keine für die Auswanderung ungeeigneten Leute zuschicken. Schon jetzt sind die Zustände im Londoner Whitechapel lind im Innern Englands für unsere armen Glaubensbrüder sehr schlimm und die Gefahr liegt nahe, daß bei Fortsetzung der Einwanderung ungeeigneter Elemente England eines Tages seine Grenze für die osteuropäischen Armen schließt. Dies zeigt uns ein nach Abfaffung dieser Vorschläge zugegangenes Eirkular des Londoner „Board of Gurardians", welches am Schluß zur Verlesung zu bringen ist. Der weitere Zweck unserer Zusammenkunft ist für diejenigen, welche nun einmal bis nach hier gelangt sind und zurückbeförvert werden müssen, und für die eigentlichen Rückwanderer eine Organisation zu schaffen, welche die bestehenden Nachtheile beseitigt. Diese Nachtheile bestehen bekanntlich darin, daß die Leute, wenn sie nur von Station zu Station in kleinen Etappen geschickt werden, dem Wanderbettel oder gar der Vagabondage anheimfallen, daß ihr Auftreten unangenehmes Aergerniß erregt, daß weiter uns und den inländischen Gemeinden und Eorporationen durch den unn'öthigen Aufenthalt resp. durch das Hin- und Herreisen unnöthige kosten entstehen, und daß. was die eine Vereinigung eben gut gemacht hat, durch ungeeignete oder verkehrte Hilfe an anderer Stelle wieder verdorben toird. Als Beispiel diene, daß die von uns mit Kleidung ausgestatteten Leute festgestelltermaßen vielfach diese unterwegs wieder veräußern mußten, da sie nicht prompt weiter befördert wurden und daß auch zu reichlich gespendete Hilfe und Geld die Leute zu längerem Aufenthalt ira Jnlande verleitet. Daß wir bei möglichst wenig unterbrochener Rücksendung in die Heimath auch vernieiden, daß die Leute den an den Bahnhöfen etc. auf solche Opfer wartenden Sendlingen der Mistion anheimfallen, soll auch nicht unerwähnt bleiben. Mir schlagen daher bezüglich dieser Rückwanderer vor, daß die Bestiinmung der in die Heimath zurückzubefördernden der Hamburger Einrichtung, d. h. unserem Verein gemcinsam init der Armenkommistion der Hamburger Deutsch-Jsraelitischen-Gemeinde überlasten bleibe, daß wir die so Bezeichne len auf schnellstem Wege nach Berlin befördern, worauf durch in Berlin zu treffende Organisationen ohne Vorzug die direkte Weitersendung in die Heimath oder so'veit dies nicht möglich, an die zu bildenden Grenzkomitee's erfolgt, die in entsprechender Weise für die Weiterbefördening zu sorgen haben. Die .Höften werden derartig getragen, daß die Hamburger Institution die Kosten bis nach Berlin trägt, Berlin die Kosten etiva bis Breslau u. f. w. Mit Rücksicht darauf, daß wir nicht allein zur Uebernahme der Kosten bis Berlin bereit sind, sondern auch noch für die Beförderung der Geeigneten nach llebersee soweit möglich sorgen, also eine Aufgabe erfüllen, die mit wesentlich höheren Lasten verbunden ist, als sie irgend einer inländischen Corporation zur Last fällt, — bitten wir die hier vertretenen iovhlthätigen Institutionen, welchen ans der Rückbeförderung der Leute keine Kosten erwachsen, uns durch Werbung neuer Mitglieder für unfern Verein oder durch Beiträge zu unterstützen. In der anschließenden Debatte galt es zunächst das Verbondlungsgebiet abzugrenzen. Dr. Kopfstein hält die Frage der Rückwanderung für unlösbar verknüpft mit der Frage der Auswanderung. Auch dieser muffe man näher treten, wenngleich zuzngeben sei, daß die Repatriirungsfrage zur Zeit die dringendere sei. Für einen beträchtlichen Tbeil der Emigranten sei die Rückkehr in die Heimath mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, wenn nicht gänzlich unmöglich. Für diese müsse ein Asyl beschafft werden. Dr. Cohn weist auf die Unzuträglichkeiten bin, die dadurch entstehen, daß die Remigranten bis zur Grenze geschasst werden, daß man aber nicht dafür Sorge trage, daß sie auch über die Grenze wirklich in die Heimath gelangen. Für Leute ohne genügende Mittel und ohne Ausländerpaß sti eine Repatriirung nicht möglich. In den Grenzstädten Kaitowitz und Myslowitz seien sogenannte Auswechslnngskommiffariate errichtet. An diese würden alle diejenigen gesandt, welche nicht in Besitz eines Auslandspasses betroffen werden. Die Erlaubniß für eine Rückkehr dieser Personen in die Heimath sei — wenn überhaupt — so nur auf diplomatischem Wege zu erreichen. Dies bedeute einen Zeitverlust von 2—3 Monaten, währenddessen die Leute im Gefängnisse internirt würden. Eine ministerielle Verfügung vom Jahre 1893 habe freilich eine Besserung gebracht, indem den Grenzkomitee's das Recht zugesprochen wurde, die ßeute zu übernehmen. Immerhin seien diesen unsägliche Opfer nicht nur an Geld erwachsen. Von Kattowitz aus seien allein 2500 Ausländer unterstützt worden. Die Mittel des oberschlesischen Komitee's seien erschöpft. Man müsse dafür sorgen, daß die Rückwanderer wirklich zu Rückgewandertcn würden. Dr. Rosenack: Um dem Uebel zu steuern, müsse vor Allem darauf hingewirkt werden, daß die Zahl der Rückwanderer so viel als möglich reduzirt werde. In Amerika müsse der Hebel angesetzi werden. Von segensreichem Einfluß seien auch die Wohlfahrtseinrichtungen, wie Volksküche, Bekleidungsanstalten gewesen, die Bremen zu Gunsten der Emigranten geschaffen. Bis vor drei Jahren habe die Zahl der Zurückgeschickten noch 5 pCt. betragen. Seitdem jene Einrichtungen getroffen, sei dieselbe auf 1 pCt. zurückgegangen. Loewenthal beantragt, die Debatte ausschließlich aus die Frage der Rückwanderung zu beschränken und auf die speziellen Punkte zu konccntriren: 1. Wer ist Objekt der Rücksendung und 2. wie soll diese vor sich gehen? Im Verlauf der weiteren Debatte stehen sich bezüglich der Art und Weise der Rücksendung zwei Ansichten gegenüber. Die eine plädirt dafür, daß die Rückwanderer in einer Tour von der Hafenstad! aus bis zur Grenze bezw. bis zur Heimath befördert werden. Die andere empfiehlt eine Beförderung in Etappen mir möglichst geringem Aufenthalt an den einzelnen Stationen und unter Ausstellung von bestimmt formulirtcn, in verschlossenem Couvert weiterzu gebenden Legitimationspapieren, die genaue Angaben über die Personalien ihrer Inhaber, sowie Ausgangspunkt und Ziel der Reise, genaue Zeitangaben etc. enthalten müßten. Die Mehrzahl der Redner spricht sich in letzteren! Sinne aus.

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