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Der Israelit · 1901-11-14 · Heft 90 (14.11.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 90 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1964 Rabbiner D-r. Eohn; die „Synagogen-Gemeinde" durch Herrn Leop. Utmann; die „Synagogen-Gemeinde Posen" durch Herrn Stadtrath Schleyer; die „Jsr. Allianz" in Wien durch Herrn Rabbiner Dr. Kaminka, und der „Armen- Hilfsverein in Lemberg" durch Herrn Dr. I. Czerzer. Das Referat erstattete Namens des „Vereins für Obdachlose" Herr L a s k - r - Hamburg: In Folge des großen Elends, welches wir fast täglich vor Augen haben, wenn die bedürftigen Rückwanderer Hilfe heischend in Hamburg zu uns kommen und durch unsere Thätigkeit zur Erkenntniß der großen Uebelstände gelangt, die bei den Wanderungen unserer armen Glaubensgenossen vorhanden sind, haben wir die Initiative zur Abhaltung des heute hier tagenden Kongresses ergriffen. Hier soll eine Organisation für die Repatriirung der Rückwanderer ge schaffen und über Mittel und Wege berathen werden, uni die vorhandenen Uebelstände zu beseitigen rcsp. solche nach Möglichkeit einzudämmen. WaS nun die Rückwanderer betrifft, so bestehen dieselben aus vier Kategorien: 1) Aus Leuten, welche mittellos aus Rumänien, Ungarn, Galizien, Rußland u. s. w. nach Hamburg kommen, um dort Beschäftigung und Verdienst zu finden, oder uni von dort aus durch unsere und Gemeinde-Hilfe nach England oder Amerika geschickt zu werden. Diese Leute: Kaut leute, Handelsleute, Handwerker, Talmudisten u. s. w., sind leider in der bei weitem überwiegenden Mehrzahl von Fällen nach ihren Fähigkeiten für eine Beschäftigung in Deutschland und England völlig ungeeignet. So besitzen z. B. eine große Anzahl österreichischer und ungarischer junger Kaufleute kaum di? Fähigkeiten, um in ihrer Heimath in ihrem Berufe Beschäftigung und Verdienst zu finden. Trotzdem glauben sie nun in Deutschland und England bester fortkommen zu können, ohne zu bedenken, daß dort ganz andere Ansprüche an ihr Wissen und .Können gestellt werden, und daß sie vor Allem in England der englischen Sprache mächtig sein müssen: die .Kenntniß der österreichischen Sprache nützt ihnen nichts. Die Handwerker dagegen können in ihren! Heimathslande für ihre heimischen Verbältnine ganz tüchtige Arbeiter sein, für die völlig andere Arbeitsweise jedoch in Deutschland und England sind sie meistens ganz ungeeignet. Wir haben hier hauptsächlich die galizischen Schneider im Auge, mit denen Hamburg und England überschwemmt werden. Die soeben gekennzeichneten Leute müssen wir in Hainburg unbedingt von der Beförderung nach England ausschließen. Wir thnn dies nicht etwa ans Spaesamleitsrücksichten, sondern gerade ans Humanitätsgrllnden im Interesse der Leute. Für uns ist maßgebend bei der Beförderung nach England, ob der Hilfesuchende dort an einigermaßen gesicherter Position befindlichen Verwandten einen Anhalt finden wird, und ob er einen Beruf har, welcher ihm aller Voraussicht nach das Weiterkonimen dort ermöglicht. Finden!vir diese Voraussetzung nicht bestätigt, dann muß der Hilfesuchende zurück und zwar zurück in seinem ureigensten Interesse, damit er nicht einein noch schlimmeren Elend entgegengeführt werde, als dem, welchem er entronnen ist. Wenn nun die soeben geschilderten Leute bei der Ausreise nicht Hilfe suchend zu uns kommen, sondern für ihr eigenes Geld oder durch Hilfe von Verwandten nach England oder Amerika auswandern, dann sind dieselben leider häufig sehr bald gezwungen, die zweite und dritte Kategorie der Rückwanderer zu bilden. Beide sind in ihren Hoffnungen Getäuschte, die nach langen, traurigen Entbehrungen zu der Einsicht gelangt sind, daß ihr jammervolles Dasein in der Heimath doch noch glänzend!var gegen das entsetzliche im Ausland gefiibne. Ihr Bestreben ist nun nach Hause zu gelangen und zwar so schnell ivie möglich. 2) Ein Theil dieser Leute, eben die zweite .Kategorie, sind solche, deren sich die Londoner „Board vf gnardians" in der Weise anninunt, daß er dieselben nicht nur bis Hamburg, sondern sogar bis in ihre Heimath zurückbefördert und ihnen noch ein anständiges Lehrgeld mit auf den Weg geben läßt. Für sie brauchen wir nickst ',n sorgen, wohl aber für die andere, 2) die dritie Kaiegoi ie, nämlich die Leute, lvelche von dem Londoner oder Manchester Board nur bis Hamburg geschickt werden, oder dir ihr letztes Geld ansgegeben haben, um dorthin zu gelangen, diese Bedauernswertsten kommen ganz apathisch mit zerfetzter .Kleidung bei nnS an und werden erst einmal ordentlich von uns verpflegt und mit anständiger .Kleidung versehen. So haben wir in den ersten sechs Monaten diestS Jahres ca. 1100 Personen — Anstmb Rückwanderer eingekleidet. Diese Armen haben entweder in England oder in Amerika leine Eristenz gefunden — und haben sich die von Amerika komnienden ineistens auf Ochsenschifsen nnler Erduldung der auf diesen üblichen entsetzlichen Mißhandlungen bis England dnrchgearbeitet. 4t Nun sind noch die Leute der vierten und letzten Kategorie von Rückwanderern zu erwähnen, nämlich diejenigen, denen in Amerika als Paupers die Landung verweigert wird. Diese müssen gesetzlich von den Schiffsahrksgesellschaften für deren Rechnung dorthin znrückgeschafft werden, wo die Fahrkarten gelöst sind, also da dies ineistens die Heimath ist, nieistens in diese. Ihre Zahl ist, ivenn auch nicht klein, so doch lange nicht so bedeutend, wie inan gewöhnlich anzuncbmen pflegt. Es dürste Sic intercssircn, daß die Hainburg-Amcrika Linie vom l. Januar bis 25. Septemer d. I. 68 761 Zwischendeck-Passagiere nach Amerika befördert hat. Bon diesen wurde 276 von den Lan^ungsk-nnmiffaren die Landung verweigert und Ivaren unter diesen ca. 120 Juden. Wie diese Ausführungen schon erkenne.'! lassen, muß vor allen Dingen darauf hingearbeitet werden, dpß die für die Auswanderung ungeeigneten Eleinente im Lande bleiben müssen, um nicht einein noch schlimmeren Elende cntgegengcführt zu werden. Dabei macht cs leinen Unterschied, ob sie mit großen oder geringen Mitteln versehen sind oder nicht. Die Mittellosen werden zwar vielfach bereits an den Grenzkontrollstationen abseiten der Grenzkommissare am Uebergang verhindert, eine leider sehr bedeutende Zahl schmuggelt sich aber durch. Diese kommen zu einein sehr großen Theile aber nicht über die Hafenstädte hinaus, da wir allen denen die Weiterbeförderung verweigern müssen, welche wir nach sorgfältiger Prüfung für's Ausland ungeeignet erachten. Haben die Leute aber einige Mittel, so sind dieselben doch sehr aiifgebraucht. wenn die Leute sich nicht für das Ausland eignen, »nd sie fallen uns entiveder schon bei der Ausreise oder nach kurzer Zeit bei der Rückreise zur Last. Dabei sind dann die Armen noch die geringen Mittel losgeworden, die die Grundlage ihrer kargen Eristenz in der Heimath gebildet haben. Hier heisst es. durch Warnungen Vorbeugen. Wir sind uns wohl bewußt, daß dies schwierig sein wird; es ist schwer, Leute zurückzuhalten, di? ihr Glück in der Fremde zu finden hoffen, aber der Versuch muß gemacht werden und seitens der österreichischen Vereinigungen

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