Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1901)
- Date
- 1901-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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48. Jahrgang. M S« Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von Dr. fe^mattn in Utaittf Donnerstage den 14. November 5662 (1901)« Leitender Artikel. Die Repcltriirungssrcrge. (Original-Berichs für^de'n „Israelit".) B r e s l a u , 7. November. Die Repatriirungsfrage ist ein und gegenwärtig wohl der wichtigste Theil der seit langem die jüdiiche Oefsentlichkeii betvegenden Frage der Wandei bettelei, und das Korrelat der Auswanderungsfrage. Die Katastrophen, von denen die Judcnheil Rußlands. Galiziens und Rumäniens in den letzten Dezennien periodisch heimgesucht wurde, brachte den Glaubensgenossen der Nachbarländer die Auswanderungsnotb. Woge auf Woge ergoß sich die Fluth der unglücklichen Emigranten zunächst nach Deutschland und Oesterreich. Ungarn. und stellte ungeheure Ansprüche an die Opserwilligkeit und -Fähigkeit der dortigen Juden. Mi: deni vorübergehenden Nachlassen des Druckes und der Verfolgungen und dem entsprechenden Nachlassen der Auswaudercrfluth begann eine neue Kalamität: die Frage der Repatriirung zahlloser Remigranten. Tausende waren über die Grenze gegangen, um dem Druck der Heimath zu entfliehen und anderweitig, vornehmlich in England und Amerika, Vrod und erträgliche Lebensbedingungen zu suchen. Tausende dieser Unglücklichen flutheten in die Judenviertel Londons und Newyorks und amalgamirten sich daselbst. Tausende aber sahen sich in die Zwangslage versetzt, die alte Heimath lvieder aufzusuchen. Theils hatten sie mangels der nothwendigen Ncittel die Ueberfahri gar nicht antreten können, theils war ihnen seitens der betr. Regierungen die Landung verweigert worden; theils endlich waren sie. nachdem sie glücklich das ersehnte Ziel ihrer Wanderung erreicht, in Verhältnisse gerathen. die nicht nur die erträumte Verbesserung ihrer bisherigen Lebensbedingungen bedeuteten, sondern als noch viel schlimmer sich herausstellten, als diejenigen, denen sie entfliehen zu müssen geglaubt hatten. So folgte aus die Fluth der Auswanderung die Ebbe der Remigration. Tausende jener Unglücklichen wollten in die Heimath zurück, und es galt, ihnen die Möglichkeit hierzu zu verschaffen. Dazu fehlte es an den nothwendigen 'JJiittehu Die .Lassen waren erschöpft. Und so war die unausbleibliche Folge, daß Schaaren mittelloser Remigranten namentlich Nord- und Mitteldeutschland überschwemmten, von Ort zu Ort zogen, um sich bis zur nächsten Wandersiaiiou die nöthigen Mittel zusammenzubetteln/ und auf düse Weise bis zur Grenze ihres Heimathlandes 'sich durchzuschlagen. Die Situation wuchs allmählich zu einer aus verschiedenen Gründen geradezu gefahrdrohenden Kalamität aus, und die Forderung, Ordnung in die Verhältnisse zu bringen, die Rückwanderung und Repatriirung der Remigranten zu organisiren, ivnrde nicht nur im Interesse der von der Rückwanderung betroffenen Länder, sondern in noch höherem Maße im Interesse der Rückwanderer selbst zu einer dringenden und unabweisbaren. In klarer Erkenntnih der Ver bältnine bat der „Jsr. Verein für Obdachlose i n H a nr b u r g" die Initiative ergriffen, bei dem Vorstände der Breslauer Gemeinde die Einberufung eines Kongresses angeregt, zu dem Zwecke, „eine Organisation kür die Repatriirung der Rückwanderer zu schaffen und über Mittel und Wege zu berathen. um die vorhandenen Ilebelstände zu beseitigen, resp. dieselben nach 'Möglichkeit einzudämmen." Der Vorstand erließ daraus an alle in Betracht kontmende Körperschaften Einladungen zu einer Konferenz ergeben, die am 4. d. Mts. stattgefunden hat. Es waren vertreten: Der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde durch die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Guttmann, sowie die Herren Stadtrath Pringsheim, Landgerichtsrath Wöllstein und Burgfeld; der „Verein für Obdachlose in Hamburg" durch die Herren Lasker und L. Mendelssohn: die „Armen-Kommission in Hamburg" durch Herrn Weinbeim und das „russ. Hilfskomitee" ebendaselbst durch Herrn Herm. Gumpertz: die „All. Jsr. universelle" durch Herrn General Sekret. Bigard-Paris; der „Hilfsverein der deutschen Juden" durch Herrn W. Loewenthal-Berlin; der „Deutsch- Jsr. Gemeindebund" durch Herrn Theod. Oschinsky-Breslait; die „Armenkommission der jüdischen Gemeinde zu Berlin" durch ihren Vorsitzenden, Herrn Martin Simon; das „Komitee für durchreisende Juden in Bremen" durch Herrn Rabbiner Dr. Rosenack; der „Verein für Wanderbettelei in Beuthen" durch Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein; die dortige „Synagogen- Gemeinde" durch Herrn Amtsgerichtsrath Levy; das „russische Hilfskomitee in Kattowitz" durch Herrn