Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1903)
- Date
- 1903-11-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1956 aber Mäßigkeit und Anstand in unserer Abwehr müssen wir unter allen Umständen zu wahren suchen. Wie wir erfahren, wird Kollege Herzberg eine Broschüre herausgeben, in der er den Fall ausführlich behandelt, dann wird es an der Zeit sein, die Sache objektiv und gerecht zu beurtheilen. So lange sollten alle jüdischen Blätter mit Miltheilungen über die Asfaire zurückhalten. Artikel aber, wie sie unser Organ veröffentlichte, sind nur geeignet, die Position des Gegners zu stärken. ^Dieser Ansicht stimmen wir vollständig bei und haben aus diesem Grunde eine große Reihe weiterer Zuschriften in Sachen Herzberg all acta gelegt. Red. d. „Israelit.") Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin, 9. Rov. Die Strafkammer des Landgerichts verurtheilte den Grafen Pückler, Kl.-Tschirne, wegen Aufreizung der verschiedenen Bevölkerungsklassen gegen einander in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu 300 Mark Geldstrafe und sprach den Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung," Böckler, von der Anklage des fahrlässigen Preßvergehens frei. Die betreffenden Aeußerungen hatte Graf Pückler am 14. Dezember 1900 in einer großen Volksversammlung in den hiesigen Concordiasälen gethan. Böckler berichtete darüber. Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, dab Pückler noch unbeiuaji )ei u. aus chrltcher Ueberzeugung gehandelt habe, wie ihm geglaubt werden solle. Berlin, im Nov. (R e f o r m s u ch t.) Das Trinken aus dem Kidduschbecher ist hier in den Synagogen der großen Gemeinde refvrmirt worden wegen — Ansteckungsgefahr. Nur e i n Kind darf aus dem Kidduschbecher trinken. Folgerichtig müßte auch jedesmal dasselbe Kind trinken, denn wenn der Synagogendiener den Becher nicht antiseptisch behandelt, kann der Ansteckungsstoff auch noch am zweiten Abend übertragen werden. Oesterreich. Salzburg. („N i t u a l m o r d" an einer — Mumi e.) Auf dem Friedhose in A n i s bei Salzburg fanden .Kinder ein Papierpaket, in welchem sich ein weiblicher Kops, eine linke menschliche Hand und ein rechter Fuß, jeder dieser drei Theile für sich in grobe Sackleinwand gehüllt, befanden. Die Sackleinwand trug mehrfache Stempelabdrücke „von Krakowice." Außerdem befand sich in dem Paket ein Stück Papier, welches unlesbare Schriftzüge trug. Die Nachricht von dem Funde verbreitete sich rasch und wurde von antisemitischer Seite zu einem „Ritualmord" aufgebauscht, wobei das „Salzburger Tageblatt" behauptete, die unleserlichen Schriftzüge seien hebräische Schriftlettern gewesen. Die Münchener antisemitische Presse beeilte sich zu konstatiren, daß dieser Fall Ähnlichkeit mit der Kouitzer Asfaire besitze, eine Bemerkung, die bei Ne Produktion der Berichte von der Wiener Ritualmordpresse begierig aufgegriffen wurde. Diese Blutlüge hatte aber sehr kurze Beine. Drei Tage nach der Auffindung des mysteriösen Pakets meldete sich nämlich der bei Anis wohnhasle Rittmeister von Sommer beim dortigen Gemeinde-Amte mit der Anzeige, daß die gefundenen Köpertheile von einer Mumie herrühren, welche er besitze. Da einzelne Theile der Mumie plötzlich in Vertvesung überzugehen begannen, habe er seinen Diener beauftragt, diese Theile zu verpacken und zu vergraben. Der Diener habe sich jedoch dieses Auftrages dadurch entledigt, daß er das Paket über die Friedhofsmauer geworfen habe, wo es dann von .Kindern gefunden worden sei. Der Salzburger Museums-Direktor Dc. Petter bestätigte nach Besichtigung der Gliedmaßen, daß sie von einer Mumie herrühren. Prag, im Nov. (Ignaz R o b i t s ch e k .) Streng in der Beurtheilung des Charakters eines Menschen ist die Welt gleichsam die Spiegelfläche, in der er sich wiederspiegelt, denn sie entscheidet über den guten Ruf, den der Mensch bei Lebzeiten genießt und der erst recht nach dem Tode desselben in der allgemeinen Theilnahme und in dem Bedauern ob des Verlustes eines tugendreichen Lebens zum Ausdruck gelangt. Diese Beobachtung konnte man bei dem am 20. v. Mts. stattgehabten Leichenbegängnisse des zwei Tage zuvor hier verstorbenen Prager Kaufmannes und beeideten Waarensensals Herrn Ignaz Robitschek machen. Schon feit Jahren hat man bei einem Trauerakte eine so aufrichtige Theilnahme, eine so imposante Betheiligung nicht wahrgenommen, wie bei diesem, der einem der beiten und edelsten Menschen gegolten. Bereits vor der angesetzten Stunde fanden sich im israelitischen Badhofe Gönner, Freunde und Bekannte des Verblichenen, Angehörige aller Stände ein, deren Zahl durch das immerwährende Zuströmen neu angelangter sich wohl auf mehr als tausend Trauergäste belaufen haben mochte. Die üblichen rituellen Funktionen nahmen nun unter großer Betheiligung seitens der Mitglieder der Brüderschaft ihren Anfang, nach ihrer Beendigung reritirte der Oberlantor der Klaussynode, Herr S ch!v a r z, das Hazur Tomim in ergreifender und verständnißvoller Weise, woraus Herr Oberrabbiner Dr. R. Ehrenf e l d die Trauerkanzel betrat. Angesichts der Bahre des Dahingeschiedenen widmete er nun diesem, selbst bewegt und thränenfeuchten Auges, einen herzerhebenden und geradezu erschütternden Nachruf, in welchem er den fleckenreinen, biederen Charakter, das selbstlose Wesen des inmitten seines edlen Strebens vom Tode hinweggerafften Mannes, den großen Wohlthätigkeitssinn und das ersprießliche Wirken desselben auf religiösem und humanitärem Gebiete schilderte und den unermeßlichen Verlust beklagte, welcher der altehr-