Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1903)
- Date
- 1903-11-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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42. Jahrgang. Aeilage zu M 89 des „Israelit". Leitender Slrtiker -j»r Asfuilt Hkrzbklg-Ai>c»bm!i liegen heute"folgende Meldungen vor: Oldenburg, 7. Nvv. Vom hiesigen Synagogen- Gemeinderath erhalten wir die folgende Zuschrift: Auf den Artikel in Nr. 86 des „Israelit", den Lehrer Herzberg betreffend, erwiedern wir ergebenst, vast es für uns, wie für jede Behörde, absolut ausgeschlossen ist, Personalien in der Öffentlichkeit zu verhandeln. Allen direkten und versteckten Anreizungen nach dieser Richtung haben wir widerstanden und treten nur in Folge der Redaktionsbemerkung in dem betr. Artikel Oldenburg aus unserer Reserve heraus. Der Versuchung widerstehend, das dem Lehrer Herzberg ausgestellte Oualifikations- und Leumundsatteft etwas niedriger zu hängen, oder an der Stellung des als „hochangesehen" bezeichneten Hermann Wallhermer Kritik zu üben, wollen wir nur in Folgendem einige Thatfachen richtig stellen: Wahrend der Wirksamkeit des Herrn Herzberg, der. beiläufig bemerkt, das eigentliche Lehrerexamen noch nicht absolvirt, war die Schülerzahl auf reichlich vierzig angcwachsen, und da ein Lehrer solche im Alter von 7—14 Jahren nicht mit Erfolg unterrichten kann, so wurde uns von der Schulinspektion ausgegeben, eine erste Lehrkraft anzustellen und zwar bis zun: 1. Mai 1602, dem Termine, an welchem der'Kontrakt mit dem Lehrer Herzberg abgelaufen sei. Da die Schule, wie der Gottesdienst, nicht länger in dem schlimmen Zustande bleiben konnten, so erbot sich der Landrabbiner, Herr Dr. Mannheimer, den Unterricht der oberen Klassen bis zum 1. Mai 1602 aushülfsweise zu übernehmen, was dankend acceptirt wurde. Herrn Herzbera verblieb die untere Abtheilung, sowie der Unterricht in zwei kleinen Gemeinden, soweit diese eines Wanderlehrers bedürften. Es '.nutzste uns nun daran liegen, mit dem Lehrer .Herzberg, dem wir in Rücksicht auf seine 17 Amtsjahre unsere Theilnahme nicht versagen mochten, ein Abkommen zu treffen, welches ihm gestattete, hier zu bleiben, und eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung beizubehalten, ohne in seinen Bezügen geschmälert zu werden. Ein ihm in diesem Sinne zugefertigter Kontraktsentlvurf blieb ohne jede Antwort; dagegen wandte fickt Herr .Herzberg hinter dem Rücken seiner Vorgesetzten Behörde an den Landesgemeinderath, derselben Oberbehövde,- die ihm durch zweimaligemBeschlüß die Stelle eines Wanderlehrers.zugewiesen hatte. Das Resultat konnte nur ein negatives sein nnd zwar unter Beifügung des Wunsches an den Synagogen-Gemeinderath, mit dem Petenten ein beiderseits befriedigendes Abkommen herbeiführen zu wollen. Da nun aber Herr Herzberg die Stelle eines zweiten Lehrers, verbunden mit den Funktionen eines Wanderlehrers, in seiner Eingabe definitiv ablehnte, so mutzten wir die Verhandlung mit demselben abbrechen und die Stelle zum 1. Mai ausschreiben. Dies ist der Sachverhalt. Datz ein Lehrer die Funktionen eines Wanderlehrers, die er seit fünf Jahren gegen Vergütung anstandslos ausgeübt, und die er nun laut Beschluß der Oberbehörde tveiier übernehmen soll, als eine Degradirung auffaßt, ist eben so bedauerlich, als befremdend, da er sich doch zu der Stelle eines ersten Lehrers nicht aualificirt. Für uns ist der Fall Herzberg hiermit erledigt nnd weitere Provokationen werden unbeachtet bleiben. Auo Norddeutschland. Der Artikel, der im Hamburger Famikienblatt so ungerechte Angriffe gegen Herrn Rabb. Dr. Mannheimer enthält, hat mich ungemein empört. Die ganze Arbeit dieses Landrabbiners konzentrirt sich unaufhörlich auf Schule und Lehrer, für deren Schutz er immer eingetreten ist. Er hat das Penstonsgesetz geschaffen, er hat fast sämmiliche oldenburgische Lehrer lebenslänglich angestellt, was vor seiner Zeit kaum möglich war, und sprach noch vor Kurzem von einer Vorlage betr. Versorgung der Lehrerwittwen. Natürlich kann ein Lehrer, der unaufhörlich gegen Vorstand und Landrabbiner intriguirt und den Friedensstörern Handlangerdienste leistet, nicht auf Schutz rechnen, trotzdem hat selbst in diesem Falle Herr Dr. Mannheimer Alles aufgeboten, einen versöbnenden Ausgleich herbeizuführen, was ihm beim Vorstände auch gelungen ist. Ein Lehrer aus dem Lande Oldenburg. Ans Tirddentschland. Einige jüdische Lehrer geben hierdurch ihrem unendlichen Bedauern darüber Ausdruck, daß das Organ des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, „Beilage zum Hamburger Familienblatt," die Affaire Herzberg so sensationell aufzubauschen sucht und den Landrabbiner Mannheimer in einer Weise angreift, die den jüdischen Lehrern nur im höchsten Grade schaden kann. Hätte sich das Blatt, wie der „Israelit," damit begnügt, die ihm von der Herzberg'schen Seite zugegangcne Eorresvondenz abzudrucken, so wäre das wohl gerade genug gewesen, und sind wir der Ansicht, daß durch solche Artikel „die zwischen Rabbinern und Lehrern bereits beHehende'Kkuft derart erweitert wird, daß sie kaum wieder zu überbrücken sein wird." Wir wollen ganz dahingestellt sein lasten, auf westen Seite das Recht ist,