Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1903)
- Date
- 1903-11-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1957 würdigen Klaussynagoge, als deren langjähriger erster Vorsteher er sich um dieselbe durch die hingebungsvolle Fürsorge um deren seinerzeitigen Umbau und innere gottesdienstliche Ausgestaltung verdient gemacht hat, nunmehr erwachsen ist. Mit einem Gebete schloß die Trauerrede ab, in deren Worte sich das Schluchzen vieler Zuhörer mischte. Ungarn. EVlait. Die Toleranz des Erzbischofs Samassa Hierselbst hat sich jüngst folgendermaßen manstestirt. In der Nähe von Erlau hat eine Ueberschwemmung viel Schaden angerichtet, namentlich einem Glaubensgenossen, Moriz Kohn. nahm sie sein ganzes Hab und Gut. Der hochherzige Erzbischof ließ sich über die Katastrophe ausführlich berichten und begab sich in das Dort, um den Einwohnern Hilfe zu bringen. Unter Andern suchte er auch Kohn auf, dessen Haus ganz ruinirt lvar. Dieser und sein Weib bemühten sich, einen Sitz Für den illustren Gast zu finden. Wie überrascht waren sie jedoch, als er erklärte, "-und sein Sekretär seien gekommen, um an ihrem Mittagsmahle theilzunehmen. Frau Kohn. haben Sie ein gutes Mittagsmahl vorbereitet? Wir sind deßhalb gekommen." ..Eminenz," antwortete die Frau, „was ich gelocht habe, ist für einen solch' großen Herrn nicht gut genug." „Was haben Sie denn gekocht?" „Ein wenig Bohnensupve." „Warum kochten Sie nicht etwas Fleisch?" „Wir sind arm, Eminenz, nur am Sabbat kommt ein wenig Fleisch auf unfern Tisch." Der Erzbischof wünschte von der Bohnensuppe zu esten und als er seinen Teller geleert hatte, gab er dem armen Weibe eine ansehnliche Summe und verschwand so rasch, daß sie dem edlen Kirchenfürsten nicht einmal ni danken vermochte. England. London, iR o f ch - H a s ch o n o in I o banne s b u r g.) Seit einer Reibe von Monaten darf allwöchentlich eine beschränkte Anzahl von Flüchtlingen aus den südafrikanischen Hatenplätzen wieder nach dem „Nand" zurückkehren, um ihre alte Beschäftigung als Goldgräber, Hoteliers, Materialwaarenhändler etc. daselbst wieder aufzunehmen. Die Erlaubnis, wird sehr vorsichtig und nur an höchstens 100 Personen wöchentlich ertbeilt, dennoch scheint die Zahl der Juden in Jobannesburg bereits wieder sehr erheblich gewachsen zu sein, da am Roscki Hasckwno fämmtkiche fünf Synagogen von Johannesburg mit Betenden vollgepfrovft waren. Noch nie und nirgends wurde so heiß und innig gebetet, wie am 13. Sevtember 1901 in den Synagogen nt Johannesburg. Die frommen und unglücklichen Flüchtlinge sandten inbrünstige Gebete zum Himmel empor, dieser möge endlich Friede auf Erden werden lassen, damit die Menschen auf derselben sich in Ruhe ihr bischen Unterhalt suchen könnten-. Da donnerten mitten in das inbrünstige Gebet die Geschütze hinein und risien die frommen russischen Juden brutal aus ihrer Andacht. Eine Burenabtheilung hat sich bis an die Mauern von Johannesburg vorgewagt und nun hieß es für Soldaten und Goldgräber die Stätte der Andacht verlassen und zu den Waffen eilen. Der Lärm war kaum der Rede werth, die Buren- Patrouille dachte nicht daran, das wohlbefestigte und gut bewachte Johannesburg wirklich zu attaquiren. Allein der Gottesdienst in allen Synagogen von Jowar doch gestört. Erst spät am Abend konnte er wieder ausgenommen und erst gegen 1 Uhr Nachts beendet werden. So haben die Juden von Johannesburg den ersten Abend des Rosch-Haschono verbracht, der ihnen für den ganzen Rest ihres Lebens wohl unvergeßlich bleiben wird. Argentinien. Bnenoei-Aire-d. (Die Juden in Argent i n i e nO Bor 40 Jabren gab es in ganz Argentinien weniger denn 109 jüdische Familien, welche zerstreut lebend und vom Gros des Judenthums getrennt, zum größten Theil sehr bald von anderen Religionen verschlungen wurden. Jetzt zählt Argentinien bereits über 20,000 Juden, von denen ca. 8000 in Buenos-Aires leben. Die Hauptstadt Argentiniens weist fünf sephardische und neunzehn aschkenasische Gemeinden mit einer sevhardischen Synagoge, einer gemietheten Bethalle, uebst einer Anzahl von Minjanim auf. Daneben gibt es in Buenos-Aires zwei jüdische Begräbnißplätze, ein modernes koscheres Restaurant, einige jüdische Wohltbätigkeitsvereine, eine Talmud-Thoraschule und einen indischen Arbeiterklub. Selbst an einem zionistischen Vereine fehlt es hier nicht. Den ersten Anstoß zur Einwanderung von Juden in Argentinien hat Baron Hirsch durch die Gründung der jüdischen Kolonien gegeben. Seitdem kommen die Juden von Smyrna. Korfu, Italien, Rußland, Galizien und Rumänien in großen Schaaren auf eigene Faust nach Argentinien: zu den europäischen und astatischen Juden traten bald Einwanderer aus Marokko und jüdische Flüchtlinge aus Algier. Das babylonische Sprachengewirr, das in Folge einer derartigen gemischten Emigration anfangs geherrscht hatte, machte bald zlvei Hauptsprachen, dem svanischen und dem Jargon Platz. Erstere Sprache ist die Sprache der asiatischen und afrikanischen Einwanderer, sowie der gebildeten oder gebildet sein wollenden Juden aus allen Ländern. Letztere ist die Sprache der polnischen Inden, so lange ste noch kein Spanisch gelernt haben. Ein Ghetto besteht in Buenos Aires nicht, dagegen eprstirt schon jetzt ein jüdisches Theater, in welchem unter stürmischem Beifall aller Jargon reden den Juden die bekannten Goldfaden'schen Stücke ge geben werden. T.