Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1903)
- Date
- 1903-11-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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195 2 Eprechsaal. Frankfurt a. M., 21. Marcheschwan. Sehr geehrter Herr Redakteur.' Auf die in Nr. 36 Ihres Blattes erschienene Berichtigung eines Herrn I. H., Talmudist in Eisenstadt, deren Inhalt zumeist auf ureignen Vermuthungen beruht, und deren Motiv, wie es scheint, darin besteht, um jeden Preis etwas zu berichtigen, habe ich Folgendes zu berichtigen: Ich habe in meiner biographischen Skizze nicht mit Bestimmtheit behauptet, daß rxx Rabbi Ascher Lewel s. A. im Jahre 5628 nach Eisenstadt als Rabbiner berufen worden sei, sondern, wie es in meinem Artikel heißt, ungefähr im Jahre 5528, was natürlich nicht ausschließt, daß diese Berufung um ein Jahr früher stattgefunden haben kann. Die Behauptung des Einsenders, daß ich in der Grabschrift Rabbi Ascher Lewel's anstatt n:v gelesen und der richtige Wortlaut nrx rxn r'ervyz wn die Jahreszahl des Rabbinatsantrittes 6526 andeute, ist eine ebenso gewagte, als zweifelhafte. Ich selbst habe seinerzeit die Grabschrift kopirt und habe ich nicht gefunden, daß das Wort in gesperrter Schrift mit den Zeichen über demselben — wie dies gewöhnlich bei Andeutung der Jahreszahl üblich — geschrieben ist. Uebrigens würde das Wort y'wryz das 2 mit inbegriffen, die von mir angegebene Jahreszahl 5628 ergeben. Die Bemerkung des Herrn I. H., daß meine Lesart .-rnx -nxn npna mw widersinnig sei, muß ich entschieden zurückweisen. Widersinnig ist vielmehr das Wort vzy, welches der Talmudist I. H. in Verbindung mit den Worten ine»: nby (vzy) miz: wb bringt. Das Wort my mit i ist im ganzen hebräischen Sprachschätze nicht zu finden. Daß min nnotr im Jahre fpn nicht auf einen Freitag, sondern auf Dienstag gefallen und es daher '2 dv anstatt "i v" heißen soll, ist bereits in Nr. hl berichtigt worden. Ebenso habe ich in Nr. 85 dss. Bl. richtig gestellt, daß der Verfasser des ttnn nn zu den oma nicht Rabbi Jakob Ben Ascher, sondern Rabbi Joel, Sohn des Rabbi Samuel Sirkis gewesen sei. Es ist nämlich eine ganze Zeile aus meinem Manuskript aus Versehen ausgelassen worden. In demselben hieß es: Daß Rabbi Ascher Lemel ein Nachkomme des berühmten Rabbi Joel, Sohn des Rabbi Samuel Sirkis, Verfasser des rva auf den omo 'i des Rabbi Jakob Ben Ascher, gewesen. Was nun das Sterbejahr des bHYt trx B-ffro betrifft, welches ich auf das Jahr -rspn anstatt Tpn angegeben, was Herr I. H. durch die Citirung der Grabschrist der rs anno beweist, so kann ich ihm versichern, daß ich dieses unrichtige Datum aus einem jüdischen Geschichtswerke entnommen habe. Dies ist auch der Grund, daß ich Rabbi Ascher Lemel als unmittelbarer Nachfolger des tr* o'no bezeichnete. Indem ich Sie, geehrter Herr Redakteur, um Aufnahme dieser Entgegnung ersuche, halte ich meinerseits diese Angelegenheit für erledigt. Hochachtungsvoll Hermann Löwin ge r. Eydtkuhnen, 4. November. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Hinblick auf Ihre Notiz „Eydtkuhnen, 28. Oktober," in Nummer 86 des „Israelit," bitte ich Sie um freundliche Aufnahme des Folgenden: „I ch stehe zu dem Artikel aus Eydtkuhnen vom 29. September im „Geselligen," der besagt, daß die Juden in Wystiten in Folge der kaiserlichen Huld (der Kaiser ließ täglich 600 Pfund Brod und koscher geschlachtetes Fleisch an dieselben vertheilen) sich auf die Bärenhaut legen, welche Notiz durch den Kgl. Forstmeister von St. Paul jüngst öffentlich widerlegt worden ist, in absolut keiner Beziehung." Ich schreibe zwar von hier aus seit etwa Jahresfrist für das sehr verbreitete Blatt „Der Gesellige," habe aber gleich nach dem Erscheinen dieser Notiz dem „Geselligen" gegenüber solche als eine tendenziös aufgebauschte U n - terstellung der Wahrheit bezeichnet. Der „Gesellige" hat leider meiner diesbezüglichen Berichtigung nicht statt gegeben. Jndeß ist es genugthuend für mich und das ganze Judenthum (auf dessen konservativem Boden ich stehe), daß der „Gesellige" durch den Mund einer so glaubwürdigen Person, wie die des Kgl. Herrn Forstmeisters von St. Paul, jene meine „Berichtigung" als durchaus wahr hinstellen muß. Die Notiz von der „Faulheit der Juden" war dem „Geselligen" durch einen zweiten, mir völlig unbekannten Korrespondenten von hier zugegangen. Es ist heute unter normalen Zuständen schon sehr schwer, sich redlich und brav durch's Leben zu schlagen und allen Verpflichtungen nachzukommen. Wie schwierig muß es erst für jene armen Leute in Wystiten sein, sich aus den Aschenhaufen, aus den Trümmern ihrer einstigen Habe, emporzuarbeiten. Dazu gehört Fleiß und Zeit, aber nicht Faulheit nach Ansicht jenes Korrespondenten des „Geselligen." Eduard Segall. Vermischtes. Berlin. Den Antisemiten ist eine Freude widerfahren. Der Kaiser hat, am Mittwoch zur Abendtafel den Verfasser des Buches „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts", Mr. Houston Stewart Chamberlain empfangen. Dazu bemerkt die antisemitische „Staatsb. Ztg." triumphirend: Das Buch ist bekanntlich stark antisemitisch, und Chamberlain hat sich, wie erinnerlich, an der in der „StaatSb. Ztg." veröffentlichten Ritualmord-Umfrage betbeiligt.