Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1903)
- Date
- 1903-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1951 tung angenommene Vorschlag, daß der westpreußische Genwindeverband die mit Hilfe des Posener Verbandes unterhaltene Schule für Kantoren und Schächter, unter Leitung des Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld, auch seinerseits unterstützen solle, damit deren Zöglinge auch unserer Provinz überwiesen würden, nicht zur Ausführung kommen, da dem Gemeindeverband hierfür nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen. Es wird beschlossen, die Angelegenheit, behufs Förderung bei günstiger Gelegenheit, weiter im Auge zu bebakten. Aach Erstattung des Kassenberichtes durch Dr. oj u t m a n n Eulm wurde die Stellung des Verbauderzu dem früher bestandenen Rabbinerverband für Ost-Westprcußen und Pommern berathen. Die Versammlung beschloß, daß der westpreußische Verband sich als ganz selbstständig betrachte und es ablehne, mit de>n genannten Verein eine Verbindung einzugehen. Aus Antrag von Dr. R o r d h e i m e r - Schwetz wird dein Vorstand aufgegeben, behufs einheitlicher Erwähnung des Religionsunterrichts in den Programmen der höheren Lehranstalten sich zu informiren, ob nach den hierfür geltenden Prineipien eine allgemeine Regelung dieser für das Ansehen des Religionsunterrichtes wichtigen Frage herbeizusühren wäre. Nachdem noch einmal die Verkeilung der Verbandsgemeinden in die einzelnen Revisionsbezirke eingehend berathen und festgesetzt worden war, beschloß die Versammlung, Zwecks Förderung der wissenschaftlichen Anregungen, mehrere Zeitschriften unter den Mitgliedern zrrkuliren zu lasten. Ein von Dr. Eppenstein-Briesen angeliindigteS Referat über I. Halevy's Doroth Harischonim konnte sich bei der vorgerückten Zeit nur auf die nothwendigsten Aufgaben über dieses bedeutsame Werk beschränken. Wahrend der Verhandlungen wurde die Versammlung vom Vorstande der Synaaogengemeinde Dirschau begrüßt und zu einem Zusammensein eingeladen. Jedoch konnte der liebenswürdigen Aufforderung wegen der für die Kollegen noch an demselben Abend nothwendigen Abreise nicht mehr entsprochen werden. Karlsruhe. Die badischen Landtagswahlen haben mit einer schmählichen Niederlage der Antisemiten geendet. Trotz der seit Monaten betriebenen Agitation, loelcke von dem Partei-Gewaltigen Liebermann von Sonnenberg geleitet wurde, ist es ihnen nur mühsam gelungen, das eine Mandat, welches sie bisher besaßen (Heidelberg Land), zu behaupten. I Oesterreich. [ Aust Mähren, 7. Nov. Wegen Besetzung des Brünner Rabbinerpostens hat die Brünner Kultusverwaltung nach Prüfung der eingelangten Gesuche beschlossen, einige von den Bewerbern, wie auch bekannte Rabbiner, welche um den Posten nicht eomdettirten, zu einem Probevortrag einzuladen. Als erster wurde Dr. David Feuchtwang ans Nikolsburg, der stch in Mähren, ja außerhalb der Marken dieses Landes und auch außer- ' halb der Monarchie, durch seine wissenschaftliche Thätigkeit, wie auch durch seinen Ruf als hervorragender Kanzelredner, berufen, eine Proberede zu halten. Obwohl Dr. Feuchtwang einigen maßgebenden Persönlichkeiten erklärt hatte, diese Stelle nicht annehmen zu können, so ließ sich der Kultusvorstand doch nicht abhalten, eine Einladung an Dr. Feuchtwang ergehen zu lasten. Dieser lehnte selbstverständlich mit Hinweis auf seine religiösen Prinzipien, die ihm nicht gestatten, in einem Orgeltempel mit Damenchor zu predigen, ab. Wir brauchen wohl nicht erst zu betonen, daß der Nilolsburger Rabbiner sich um den Posten nicht bewarb. Eine ähnliche Antwort aus ein Einladungsschreiben erhielt die Brünner Vertretung von Dr. Freimann, Rabbiner in Holleschau. Erst der dritte Kandidat, Dr. Viach in Brür, beantwortete die Einladung in bejahendem Sinne und hielt verflossenen Freitag eine Probepredigt im Brünner Tempel. Dr. Biach, dessen Persönlichkeit übrigens einen ganz sympathischen Eindruck macht, ist Neologe; doch gehört er der gemäßigten Richtung an. Seine Vaterstadt ist Nilolsburg, woselbst er unter Anleitung seiner frommen in Goti ruhenden Eltern und unter Führung gesetzestreuer Lehrer, eine recht religiöse Erziehung genoß. Eingedenk dieser Momente ist zu erwarten, falls Dr. Biach im geistigen Kampfe mit seinen Mitbewerbern siegreich hervorgehen sollte, daß dieser neuen Reformen Vorbeugen und die bereits eingeführten nach und nach abschaffen werde. — In Unter-Wisternitz bei Auspitz verschied Frau Katharine R o r i t s ch o n e r , Gattin des Großgrundbesitzers Leopold Roritschoner, im 58. Lebensjahre. Dieselbe, einer frommen Familie entstammend, war eine gutmüthige Frau, welche sich die Sympathien Aller errang, welche Gelegenheit hatten, die schätzenswerthen Eigenschaften der Verblichenen kennen zu lernen. In der Friedhofshalle des Nilolsburger Friedhofes hielt Herr Dr. Feuchtwang einen warmen Nachruf, in welchem er die Tugenden der Dahingeschiedenen erwähnte. Rußland. Minsk. (DieIuden als H a n d w e r k e r.) Hierselbst fand mit besonderer Genehmigung des Gendarmerieobersten eine große, öffentliche, jüdische Tischserversammlung statt, welcher nicht weniger als 400 jüdische Tischler beigewohnt haben. In Rußland gibt es keine Vereine zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden, und dennoch weist eine einzige große jüdische Gemeinde wie Minsk viele Hunderte jüdische Tischler auf. In der Versammlung hoben mehrere Redner die tranriae Lage der jüdischen Tischler hervor, worauf nach längerer animirter Debatte beschlossen wurde, einen Klub?u aründen um so die materielle und moralische Lage der jüdischen Tischler zu heben. Zur Ausarbeitung der Statuten des Klubs würde eine aus elf Mitgliedern bestehende Kommission eingesetzt, welche möglichst bald eine zweite allgemeine iüdische Tischlerversammlung einberufen soll.