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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 30)
Language
German
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1944 zwar sehr, bezw. bedauert e8, daß raumökonomifche Rücksichten ihn bei seiner Zeichnung vielfach beschränkt, und er das rechte Größenverhältniß in der That nicht beachten konnte. Allein wir sind ihm trotzdem zu ewigem Danke verbunden für diese seine Arbeit, die bis heute keine Fortsetzung gesunden. Hätte R. Lipmann in unseren Tagen gelebt, er wäre nicht bei dem Entwürfe stehen geblieben, er hätte moderne Fortschritte in den Dienst seiner Idee gestellt. Gibt es doch kein Traktat in der Mischnah, in dem nicht der Tempel mit seinen Hallen, Abteilungen, Kammern, Altären, Opferstellen und Qpfergeräthen, mit seinen Thüren und Gängen in Betracht kommt. Wie wohlthuend wäre es, hier ein klares Bild vor Augen zu haben. Schlagen wir beispielsweise Talmud Joma 16 aus und verfolgen die Abhandlung. Es soll der terrassenförmige Ausstieg des Tempels beschrieben werden, der es dem Hohenpriester ermöglichte, bis zur Hechalthüre zu schauen. Ferner soll ermittelt werden, daß der Altar mehr südlich lag im Vergleich zum Hechalraum. Die Aufgabe ist sehr schwer, ja unlösbar, wenn — keine Veranschaulichung geboten ist. Wird Jemand in Berlin bekannt, wenn ich ihm die Namen aller Straßen hersage? Genannte Aufgabe ist aber leicht, wenn das Bild des beschriebenen Raumes entworfen wurde. Darum sollte ein solches Anschauungsmittel in keiner Vräparandenschule, in keinem Lehrer- und Rabbinerseminar fehlen. Dort sind sie unentbehrlich zum verständigen Studium von Mischnah und Talmud. Aber auch die Religionsschule bedarf des Anschauungsmittels. Einmal schon wegen der Sache an sich. Eine übersichtliche Kenntniß von der Stistsbütte und dem Tempel soll auch das Kind erlangen. Sodann aber ist diese Kenntniß Mittel zum Zweck, wird zur Stütze des Verständnisses verschiedener biblischer Geschichten, oder sie dient als Unterlage bei so manchen Stücken des Pentateuchs, beim Gebetübersctzen. Ich erinnere bier an Wajedaber im Morgengebete, gn den Wochenabschnitt Achare Mos in Leviticns. Ziesten wir noch andere Gebiete der Religionslebre in Betracht, beisvielsweise Ebulin. Bechoroth. .6ier handelt es sich nickt um räumliche Verhältnisse, sondern um naturwisiensckaftlicke Erkenntnisse. Wir kinden kein geometrisches Lehrbuch, keine Zoologie und Botanik obne entsprechende Darstellungen. Ja aus dem Titelblatte vreist die geschäftige Reklame sofort die Anzahl der Illustrationen. Ist es Farbendruck. so wird erst recht nicht veraesten. das bervorznbeben. Was geschieht heutzutage nickt alles zur Veranschaulichung der Natur? Der Staat, wissenschaftliche Vereine. Gelehrte „nd Künstler werden nickt müde. Objekte in ihrer ^Wirklichkeit oder in naturgetreuer, täns^iender N-rckdildurio >>ery mensckckfckien Anne darrnksieten Der wf,t"rsors'k'er und .fajstariker reichen sich hier ds- (äanv. Wessen. slltÜNren. ah2 .■»TI«» OoH werden gesammelt. Museen für alle möalicken Willens gebiete mit kostbaren Schätzen angefüllt, Kunstsammlungen bereichert, Herbarien angelegt, Thiere ausgestopft. Gypsgüsse angefertigt, Vorträge mit Licht- und anderen Bildern, kurz, alles Mögliche der Schaulust geboten. In neuerer Zeit steht man auf Weltausstellungen ganze Dörfer aus fernen Zonen dargestellt, um Land und Leute jener Himmelstriche in ihrer besonderen Eigenart kennen zu lernen. Die kleinste Dorfschule besitzt heute eine naturwissenschaftliche Sammlung. Auch wir sollten hiervon einen Lufthauch verspüren. Wie gesagt, weist die mündliche Lehre auch große naturwissenschaftliche Gebiete aus. Dahin ist Seder Seraim, Bechoros und Chulin u. a. zu zählen. Dabei greifen diese Abhandlungen in unsere religiöse Praxis ein, und zwar oft sehr tief und einschneidend. Vor ungefähr sechs Jahren ward in diesen Blättern über Mängel verhandelt, die sich bei der Heranbildung junger Rabbiner gezeigt, insbesondere bezüglich der praktischen Schulung für die Fälle von koscher oder trefa. Hier kann es sich aber nur um die Frage der wirklichen und lebensvollen Anschauung handeln. Wie der Arzt zur Anatomie muß, um sich für seinen Beruf vorzubilden, so ist für den Rabbinatskandidaten wirkliche Anschauung der Objekte das Beste. Er soll Lunge und Leber, Zwerchfell und Einge-weide nicht nur „aus Büchern" kennen lernen. Er soll die „Bedikah" selbst üben, um Beschaffenheit, Lage, Größe und Abnormitäten der Theile des thierischen Körpers zu studiren, um später mit gutem Gewissen und ohne Zagen religionsgesetzliche Entscheidungen treffen zu können. Da hilft nun einmal nichts anderes als reichliche, ja sehr häusige Anschauuna. Es soll in dieser Hinsicht bislang nicht alles nach Wunsch und der Wichtigkeit der Sache entsprechend geklappt baben. Was aber für den Mediziner vom ärztlichen Standpunkte aus, das gilt für den jüdischen Theologen vom Standpunkte unserer heiligen Thora aus. Man braucht nicht den ganzen Jore Dea gelesen zu baben, um zu verstehen, was gerade hier für die Veranschaulichung geboten werden könnte. Zahlreiche Abbildungen die hier einschlägig sind, sollte jedes Rabbiner- und wobl auch Lehrerseminar besitzen, und zwar kolorirt. Svielt doch die Farbe eine hervorraaende Rolle für die Entscheiduna pro oder contra Welch' herrlichen Illustrationen begegnen wir in botanischen und zoologischen Werken! Sie alle dienen zum Ersah oder doch zur Stühe der natürlichen Anschauung. — Ich gebe noch einen Schritt weiter und behaupte, es sollten in einem Rabbinerseminar Skelette, wenn auch vielleicht wegen der Kohanim imitirte. vorbanden sein, Präparate und Gipsnackbildungen sich vorsinden, um Rivven- und Knockenbrüche, Berletzungen der inneren Organe zu demonstriren. So gut man die von anderer Seite aebotene Landkarte von Palästina zum vorteilhaften Gebrauche accevtirte, ebenso dürfte man puncto der Nachahmung auch hier etwas weniger engherzig sein: “px »jk n'vbb), xvi nm

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