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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1942 btt Verflachung und Eriodtung bes religiösen Sinnes im späteren Leben. Es würde mehr und mehr die beschämende Thatsache schwinden, daß Söhne und Töchter unseres Stammes, die sich freilich in alter Weltbildung superklug dünken, bei Andersgläubigen durch eine staunenerregende Unkenntniß unserer geschichtlichen Vergangenheit „auszeichnen." So mancher Kollege wird dieses leider gerechtfertigte Urtheil schon aus dem Munde eines christlichen Lokal- oder Kreisschulinspektors vernommen haben, ja selbst von gebildeten Laien. In protestantischen Kreisen sorgt z. V. die biblische Erbauungsstunde ohnehin dafür, daß das in der Schule Erlernte nicht leicht verloren geht. Wie es bei uns darum bestellt ist, weiß Jedermann. Halten wir in dieser Beziehung nur einmal in unbemerkbarer, nicht verletzender Form prüfende Umfrage bei unseren der Schule entwachsenen Jünglingen und Jungfrauen, Lehrlingen und Kommis, angehenden Kaufleuten oder Universitätsstudenten. Man wird finden, daß hier nicht zu schwarz gemalt wurde. Aus der eigenen Erfahrung erzählte mir ein freund folgenden Fall krassester Ignoranz. Es handelte üch um die Namengebung für ein zu beschneidendes Knäblein. Das Kind batte den deutschen Namen Theodor erhalten und sollte nach dem Wunsche einer Tante hebräisch Daniel genannt werden. Mehrere Verwandten beratbschlagten darüber, ob denn Daniel auch ein hebräischer Name sei. Der Kollege kam hinzu und begriff sofort die pädagogisch werthvoll auszunützende Situation. Ganz beiläufig ließ er seine Meinung einfließen, unbemerkt reihte sich Frage an Frage, die nicht etwa nur nach dem Namen Daniel sondirten. Doch siebe, die Leute batten keine Abnung von einem Jirmiiob, Jona oder Joel. Bemerkt muß werden, daß die Familie zu jenen gezählt werden darf, die dem religiösen Leben in Gesinnung und That nicht ferne stehen. Und die Moral von der Geschichte: Sicher wäre eine solche Ignoranz nicht möglich gewesen, wenn die Leute in der Jugendzeit ein Bild betrachtet wie: Daniel in der Löwenarube, die drei Jünglinge im Feuerosen, oder Daniel bei Belsazar. Anae und Ohr hätten sich hier als treuesie Stüßen des Gedächtnilles bewährt. Darum ernebt an die jüdischen Schulmänner die Forderung: ..Vervollständigt Eure biblischen Geschichtsbücher, indem Ihr ihnen die entsprechenden Abbildungen beifügt. Jllusirirt sollen die Hauvt- Momente aus der biblischen Geschichte sein. Es würde zu weit führen, wollte ich sie bier alle aufführen. Doch so viel sei gesagt, daß die Geschichte mindestens dreißig Illustrationen enthalten sollte. Ebenso seien einiae Evochen aus der nachbiblischen Geschichte durch Darstellung hervorragender Ereianille und Versonen iener Zeit zur Anschauung gebracht- Aus der Makkabäerzeit: der Triumphzug Titus: Zerstörung Betars; Eroberung Jerusalems durch die Kreuzzügler-, Maimonides; Vertreibung aus Spanien; Manaffe ben Israel vor Cromwell u. s. w. Es wäre ein Wunder, wenn da nichts haften bliebe. Das Bild allein macht es freilich nicht aus. Der dem biographischen Prinzip folgende Text und das begeisternde Wort des Lehrers werden dafür sorgen muffen, daß ein dauernder Segen und Erfolg erzielt werde. Was von der biblischen Geschichte gilt, das gilt von fast allen sonstigen Fächern des Religionsunterrichtes. Als ich vor zwei Jahren das Religionsbuch von N. Bamberger, Rabbiner zu Würzburg, zu Gesicht bekam, freute ich mich, am Ende desselben ein Bild zu finden, das uns zeigt, wie man die Tefillin anlegen soll und wie nicht. Mehr als viele Worte sagt dieses kleine Bildchen und seine Lehre bleibt länger im Gedächiniß haften. Leichter begreift das Kind die so veranschaulichte Regel, den „Din," es sieht lieber die Zeichnung an, als daß es das gelehrte Wort hört. Und das ist doch erst ein Anfang, ein bescheidener Fingerzeig für all' das, was noch veranschaulicht werden könnte. Denken wir an die Vorschriften für Zizis, Suka, Lulab und noch so vieles andere, was später erwähnt werden möge. Zu meinem Religionsunterricht gehört es doch wahrlich, daß ich dem Kinde sage und zeige, wie die Schaufäden angebracht werden und wann sie unbrauchbar oder „poßul" sind. Ich laffe die Kleinen Einblick nehmen in ein Paar geöffnete alte Gehäuse von Tefillin und nehme die Pergamentröllchen zur Besichtigung heraus, laffe sie vielleicht auch lesen. Aehnlich geschieht es mit der Mesusah. Dabei wird nicht vergeffen, darauf hinzuweisen, tvie in Sch'ma von dieser ganzen Beschaffenheit und Anferiiaung nichts sieht, wie erst die mündliche Lehre die ausführliche Erläuterung biete, alle Vorschriften bis in die Details uns an die Hand geben muß. Ich nehme den Palmzweig selbst zur Hand, zeige wo und wie die Hadaffim, die Bachweiden daran zu befestigen sind, wie man den Feststrauß zu Gesicht nimmt. Das ist die A n s ch a w u n g,, das nennt man Veranschaulichung. Das Kind soll seben und hören, daß es für Alles einen ..Din" gibt, daß es bei allem auf die Art und Weise der Ausführuna ankommt. Oder gehört das nicht zur sog. Religionslebre? Will ich den Kindern die Vriesterkleidung näher beschreiben, so sebe ich mich aenöthigt, ein zum Wandschrank dienendes Bild Abrons zu verwenden, da mir kein sonsiiaes, speziell für die Schule gemünztes Anschauungsmittel zu Gebote siebt. Die Stiftsbütte mit ihrem Umhof und ihrer Einteilung stellte ich mir schon längst auf einem größeren Zeichen boaen dar in Ermanaeluna eines anderen Lehrmittels. Mein seliger Lebrer batte sich von einem Schreiner die Bretter der Stiftsbütte mit ihren Rapsen, Einschnitten und Untersätzen in Kleinem nachbilden lasten. Auch ein Epbod Mantel mit seinen Binden und Trägern, die zum Brustschild führten, ward angeseriigt und der ganzen Klaste demonstrirt. Aber heute kann ich sagen,

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