Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1901)
- Date
- 1901-11-07
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1940 meint (christliche) Lehrerversammlung, mit der ja immer auch L ehrmittelau sstellungen verbunden sind, besucht. In der Lehrmittelausstellung ist gewöhnlich auch dem jüdischen Religionsunterricht ein bescheidenes Plätzchen eingeräumt. Zugegeben, daß auf solch' allgemeinen Ausstellungen, wo wir trotz liberalen Entgegenkommens uns als Gast fühlen, eine besondere Sorgfalt und ein besonderer Fleiß auf die jiid. Lehrmittel nicht verwendet werden mag — das Bild müßte trotzalledem ein anderes sein. „Wer wenig hat, kann nicht viel geben." Ein kleines Ecktischchen faßt bequem das vorhandene Material, und der Gegensatz zwischen dem Entwickelungsstande unserer Lehr- und Anschauungsmittel und dem Aufschwung, den man in anderen Kreisen hierin genommen, tritt umso klarer, umso beschämender zu Tage. Sowohl für den protestantischen, wie für den katholischen Religionsunterricht sehen wir dort große Bilder, kolorirt und in einfarbigem Druck; dabei sind die bedeutendsten Ereignisse, die hervorragendsten Personen in sämmtlichen Jahrhunderten berücksichtigt, vom grauen Alterthum bis in die Gegenwart, nichts ist vergessen. Tabellen geben uns übersichtliche Zusammenstellungen der kirchlichen Feste, andere bringen Sinnsprüche, bibl. Gedenkverse u. s. w. Der jüdische Lehrer vermißt schmerzlich dieses alles und fühlt so recht den Wunsch, doch auch Aehnliches zur Vertiefung und Verinnerlichung, zur Hebung und Belebung seines Religionsunterrichtes zu besitzen. Hier können und dürfen wir von anderen Konfessionen lernen. „Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt." „Nehme die Wahrheit an, von wem auch immer, der sie sagen mag," sind altjüdische Grundsätze. Doch woher, fragen wir, kommt oben beregte Erscheinung? Widerspricht die Anfertigung von Anschauungsmitteln vielleicht dem Wesen der jüdischen Religion? Ist sie unvereinbar mit dem Geiste des wahren Judenthums? Beide Einwendungen, die man vielleicht voreilig machen könnte, sind durchaus ungerechtfertigt, können vor dem Richterstuhle der Geschichte und Erfahrung nicht bestehen, was näher dargelegt werden soll. „Unsere Religion hat vor allen andern den Vorzug, daß sie nicht so sehr ein Abstraktum bildet, wo von einer Anschauung im eigentlichen Sinne des Wortes nicht die Re de sein kann." Sie umfaßt das g a n z e reale Leben des jüdischen Menschen und arbeitet sohin überaus häufig mit konkreten Begriffen und Dinge n." Sie begleitet uns nicht etwa nur in's „Gotteshaus," sondern vom Morgen bis zum Abend, von der Geburt bis zum Tode. Sie regelt unser Thun und Lasten in Haus und Hof, in der Küche, auf dem Felde, im Weinberge, sie reicht uns gar mannigfache Symbole oder heilige Erinnerungszeichen und gibt Vorschriften für deren Anfertigung. „Da soll gemessen, gezählt, gewogen werden, Erscheinungen und Eigenschaften an Thieren und P s l a n - z e n sollen wahrgenommen, Beschaffenheit und Zustände an konkreten Dingen geprüft werden, um diese oder jene Regel zu finden oder anzuwenden, um dieses oder jenes Verbot zu rechtfertigen oder zu entkräften. Kurzum, der A n s ch a u u n g , oder besser gesagt, der Veranschaulichung eröffnet sich gerade beim jüdischen Religionsunterrichte ein weites, ja unabsehbares Arbeitss e l d." Noch weniger steht die Veranschaulichung dem Ge i st e des wahren Judenthums entgegen. Und warum auch? Daß die großen Geister unserer-großen Vergangenheit auf diesem Gebiete nicht hervortraten, beweist nicht deren Abneigung gegen die Anschauung. Es lassen sich aber in unserer heiligen Lehre, im jüd. Schriftthum gerade Spuren Nachweisen, welche bezeugen, welche Bedeutung man der Anschauung, der sinnlichen Wahrnehmung beigemessen. Dem ersten Menschen werden im Paradies die verschiedenen Thiere vocgeführt, daß er ihnen Namen gebe. Name und Ding, Bezeichnung und Gegenstand hängen enge zusammen. (Vergl. S. R. Hirsch's Kommentar z. St.) — In einer milden Frühlingsnacht führte Gott unseren großen Moscheh hinaus in's Freie, läßt ihn die schmale Mondsichel betrachten, um daran die Lehre zu knüpfen: Bnpi nxn 7N2. Nach der Tradition fiel nämlich unserem Propheten die Ausgabe von Kiddusch hachodesch sehr schwer. — Ebenso stand er vor einem Räthsel, als es galt, den wundervollen goldenen Leuchter für das Stiftszelt anzufertigen. Der Allgütige zeigte ihm daher das Lichtbild aus dem Berge Sinai, wonach der Leuchter konstruirt ward, inz *|mx nxnrt ns?x nxios. — Das Mannakrügelein, welches der Hohepriester Ahron aufhob, und das von dem Propheten Jirmija dem kleingläubigen Volke oorgezeigt ward, war ein Anschauungsmittel, das eine deutlichere, eindringlichere Sprache redete, als mahnende Worte es vermocht hätten. Der Prophet Ezechiel soll mit zwei Holzen vor das Volk treten, sie mit Aufschriften versehen und dann vereinigen, um das Volt zum Fragen anzuregen. (Kap. 37.) Soll hier nicht die sinnliche Anschauung in den Dienst der Idee treten, dem Worte gleichsam plastische Form verleihen? Und sehen wir nicht ebenso Jirmijah und andere Propheten sich dem Volke nähern, um ihren Worten Kraft und Nachdruck zu sichern? Ja, nach der lichtvollen Darstellung von S. R. Hirsch sind die uns in Form von Symbolen gereichten „Edaus" Anschauungsmittel in des Wortes weitestem Sinne. Sie sollen eine Lehre, einen Gedanken in greifbarer Form uns vergegenwärtigen. König David begnügt sich nicht mit der Beschreibung des Gotteshauses, das sein Sohn erbauen soll. Er übergibt Salomon die von ihm selbst gefertigte Zeichnung des Tempels, seiner Geräthe und seiner ganzen Einrichtung. In der Mischnah (Rosch.