Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1901)
- Date
- 1901-11-07
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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SJer Israelit. Central-Organ für das orthodoxe Judeuthilin. Atätter für die israel. Schute. 7. R-v. i9oi.] PWKMMHs Wrrlrzr »A W. $$. lR» l« Anschauung und Veranschaulichung, ki« Kril-ftlil!!>! jiiHislhk« ZchlifWll«i ««!> im jüilische» NtI>W«M«tmilht. von A. Mannheimer—Dettelbach. Das Wort Anschauung pfeifen heutzutage die Spatzen von den Dächern aller Lehrerseminare. Als eine der ersten didaktischen Regeln wird sie dem Jünger der Pädagogik dort vorgeführt, theoretisch wie praktisch, ihm gewissermaßen als die goldene Regel aller Erziehungsbezw. Unterrichtskunst geschildert. Und mit Recht. Soll denn der Schöpfer umsonst uns mit all' den wunderbaren Organen ausgestattet haben, die wir Sinne nennen? Für jede Weisheit, die wir uns anzueignen suchen, sollen die Sinnenthore geöffnet werden, so oft und soviel nur immer möglich. „Je fleißiger das geschieht und je mehr dieser Pforten zur Verfügung stehen, desto leichter, ja spielend wird die Erkenntniß einer Wahrheit durch sie einziehen." sDiesterweg.) „Denn nichts ist in den Gedanken, was nicht vorher in den Sinnen war." Seit Commenius und Pestalozzi wird diese Regel besonders hochgehalten und hochgeschätzt, und wer sich aus die eigene Seminarzeit zurückerinnert, der wird wohl zugeben, den Eindruck gehabt zu haben, daß kein pädagogischer Grundsatz sich so von selbst empfiehlt, als gerade der: „Unterrichte anschaulich Als etwas ganz natürliches stellt er stch dar. knüpft er an die eigene Erfahrung des jungen Seminaristen an, die er von Jugend an gesammelt. Immer und überall leben wir mit und in der Anschauung. Neun Zehntel aller Wahnehmungen gelangen durch das Auge zu unserem Bewußtsein. Daher hat man den Namen oder die Bezeichnung Anschauung auch auf die Wahrnehmungen durch die anderen Sinne übertragen. Der hebräische Sprachgebrauch hat für Auge und Quelle ein und dasselbe Wort: p>. Das ist höchst bedeutsam; denn das Auge ist die Quelle fast aller Erkenntniß. Der Blinde wird deßhalb mit dem Todten verglichen. Veranschaulicht kann werden durch sinnliche und geistige Anschauung. Es können die Objekte selbst angeschaut werden oder deren Abbildung. Zuweilen veranschaulicht man durch Beschreibung, durch Vergleichung mit Dingen, die dem Anschauungskreise des Kindes entnommen sind. Wir wollen hier die Anschauung beim jüdischen Religionsunterricht in's Auge fassen. Was bisher darin geschehen, berechtigt zu dem Vorwurfe, daß z. Z. das ganze Gebiet noch ein Brachfeld darstellt. Wer jemals eine Lehrerversammlung besuchte, wird dieser Behauptung beipflichten müssen. Lehrbücher für die verschiedenen Religionsfächer sind dort in ziemlicher Anzahl ausgelegt, so gut oder so schlecht wir sie zur Zeit besitzen. Von eigentlichen Anschauungsmitteln kann füglich die Rede nich: sein. Es fehlen vor allem Bilder, Abbildungen, Tabellen. Ein Blick in die vorhandenen Schulbücher läßt uns schmerzlich fast jeden Versuch nach dieser Richtung hin vermißen. Außer der biblischen Geschichte von Rabbiner Dr. Sondheimer, findet sich keine unter den vorhandenen, welche Illustrationen aufweist. Ein in der jüngsten Zeit erschienener Leseapparat findet trotz mehrfacher Empfehlung von fachmännischer Seite nicht die Verbreitung und Einführung, die ihm zu wünschen wäre. Man hängt eben zu sehr am Alten, möchte sich nicht aus dem gewohnten Geleise bringen lassen. Noch auffallender tritt der Mangel an geeigneten Anschauungsmitteln zu Tage, wenn man eine allge«