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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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len ist, etwas, was auf einem tieferen Einblick in die psychologische Natur des Menschen beruht, aus einer eindringenden Betrachtung der gegebenen Verhältniffe innerhalb des Judenthums entspringt, überhaupt ethische Wahrheiten, die auch dem Gebildeten zum Bewußtsein gebracht und zu Gemüthe geführt werden muffen, auch für ihn instruktiv sind. Wie ihrem Inhalte nach, so sind die in Rede stehenden Vorträge auch ihrer Form nach den vorzüglichsten Produkten auf dem Gebiete der Homilie beizuzählen. Alle aus Midrasch und Bibel herangezogenen Citate stehen in inniger Beziehung zum Inhalte des gewählten Themas und werden zur Entwickelung desselben verwendet. Der einzelne Vortrag stellt sich so nicht, wie es bei manchen Deroschoth der Fall, als ein Conglomerat von verschiedenen, bloß äußerlich verbundenen homiletischen Erörterungen dar, sondern bildet mit seinem einheitlichen Gedankeninhalt ein geschloffenes Ganzes und entspricht so jener Anforderung, die bezüglich der Form an jedes Schriftwerk zu stellen ist. Besonders verdient die stilistische Form hervorgehoben zu werden, jene Form, die nicht auf die Verbindung der verschiedenen Gedanken behufs Gestaltung des Ganzen, sondern auf die Darstellung des einzelnen Gedankens sich bezieht. Der sprachliche Ausdruck ist klar und dabei präzis, kurz und bestimmt, logisch scharf. Dadurch tritt der Gedanke plastisch hervor und gewinnt an Kraft und Nachdruck. Zudem ist alles in einem reinen, fließenden Hebräisch geschrieben, wie es nur selten, nur bei sehr gewandten, hebräischen Stilisten zu finden ist. Solchen Vorzügen gegenüber kommt Einzelnes, das bemängelt werden kann, kaum in Betracht. So wird (in Homilie twv ’d) das Wort rrar (Sam. I Iß, 3), das doch nur vom Stamme pr „bedrücken" kommen kann, so gedeutet, als wenn es vom Stamme abgeleitet wäre und „begünstigen" bedeuten würde. Der rabbinische Ausdruck: mr6 nstrrr xbs» nxc; „eine Prophezeiung, die für die Generationen, für die Nachwelt, nicht erforderlich wäre (im Gegensatz zu mn1? nrttrtp rucs:) wird (in Homilie zu metr 'ß) so gefaßt, als wenn er lautete: m-D n^apru xbp hnie: (oder eigentlich rn'nb), nämlich als eine Prophezeiung, die von dem Geschlecht — in dem der Prophet lebte — nicht angenommen wurde, die der Prophet nicht zur Geltung und Anerkennung zu bringen vermochte. Was in solcher Weise zu bemängeln ist, kommt jedoch im Werke nur vereinzelt vor, und kann auch da nur selten Vorkommen. Jener Grundsatz, den man für die homiletische Deutungsweise aufstellen kann, daß sie bei all ihrer Lizenz doch den natürlichen Wortsinn, wie er aus Wortstamm und grammatikalischer Wortform sich ergibt, als eine Schranke, die unüberschreitbar, zu respektiren habe, wird nämlich vom Verfasser des Werkes (der seine Deutungsmethode mit den Worten charakterisirt: obiipc ’tö cx'nnb rrxnpen rx *n=;x xS ganz und voll anerkannt. Was zu Ausstellungen obiger | Art Veranlassung zu bieten vermochte, kann daher, weil dem Geiste des Verfaffers widerstrebend, nur zufällig und selten Vorkommen. Uebrigens ist auch, wo gegen den herangezogenen Beleg etwas zu bemerken wäre, doch der zu belegende Gedanke wahr und richtig. Das in Rede stehende Werk kann, wie aus gegebener Darstellung hervorgeht, mit Recht jedem denkenden Leser warm empfohlen werden. Insbesondere ist bemerklich zu machen, daß dasselbe als Fundgrube interessanter Haggadastcllen und kerniger, lehrreicher Gedanken jedem Rabbiner und Prediger wesentliche Dienste, Vorschub bei seinen homiletischen Arbeiten zu leisten geeignet ist. Zur Charakterisirung des Werkes in seinem zweiten, in seinem halachischen Bestandtheile, genügen wenige Worte. Man braucht nur eine Abhandlung zu lesen, und man erkennt schon, daß man es mit der Arbeit eines der großen Talmudisten p -rrx, zu thun hat. Der reiche Stoff, der herangezogen wird, zeigt einen Gelehrten, der das weite Gebiet von z'prc: beherrscht, und die Behandlung des Stoffes, das aus eigener Geisteskraft produzirte, bekundet einerseits Scharfsinn und andererseits logisches, sachgemäßes Denken. Die halachischen Abhandlungen, die selbstverständlich nur den Talmudkundigen zugänglich, sind völlig, und selbst typographisch, von den homiletischen Betrachtungen getrennt, so daß der, welcher diese letzteren allein lesen will, daran in keiner Weise gestört >oird. Dr. L. M. Zeitungsnachrichten und <5orrespoitdettzcrt. Deutschland. München, 31. Ott. Mit einem Vortragsabend im großen Saale des Museums er'öffnete der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sein Winterprogramm. Nachdem Herr Justizrath Bosc o w i tz Namens der Vorstandsschaft die Versammlung begrüßt und daran die Mittheilung geknüvft hatte, daß der Verein nunmehr 470 Mitglieder zähle, hielt Herr Rabbiner Dr. Werner einen Vortrag über das Thema: „Geisteshelden an Wendepunkten jüdischer Geschichte." Babylon, das Land der antiken Kultur, wo auch der Jungbrunnen für die geistige und sittliche Gesundung unseres Volkes gestanden, wo dem Judenthum in wiffenschaftlicher und religiöser Hinsicht eine neue Sonne aufgegangen, Zog an unserem geistigen Auge vorüber. Wir sahen sie vor uns auftauchen, all' jene hochragenden Lichtgesialten der Gaonim, deren Geistesblitze eine Welt erleuchteten, und deren unvergänglicher Ruhm, auch heute, nach mehr denn einem Jahrtausend, noch unverblaßt weiter glänzt. Dem letzten der bedeutendsten Gaonim Babylons, Rabbi Saadia, seinem Entwickelungsgange, seinen Lebensschicksalen, und seiner geistigen Bedeutung widmete der Redner eine bil-

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