Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1901)
- Date
- 1901-11-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWWWWWWWW1 ■W 1933 derreiche, lichtvolle Besprechung. Unter Anlehnung an den Ausspruch unserer Weisen, daß in derselben Stunde, da ein an Weisheit bedeutender Mann von hinnen geht, gleichzeitig wieder ein Weiser das Licht der 2.M1 erblicke, leitete der Redner über zu dem goldenen Zeitalter aus der iberischen Halbinsel, wo — nachdem in Babel die Sonne verblaßt, dem Judenthume neue, hellglänzende Sterne aufgegangen waren, die Jahrhunderte hindurch in zauberhafter Pracht leuchteten, so daß die Erinnerung hieran uns noch heute das Herz höher schlagen läßt. In plastischer Weise entfaltete der Redner ein durch Farbenpracht berückendes Gemälde der Denker und Dichter, der Minister und Staatsmänner. der Weisen und Künstler, die dem Ruhm füdischen Geistes und jüdischer Tugend in den iberischen Landen ein Denkmal gesetzt, dauernder und unvergänglicher, als ein solches von Marmor und Erz. Bei dem letzten unter diesen Gewaltigen des Geistes, Don Isaak Abarbanel, der bis zur entgiltigen Austreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 dort in hohen, an Ehren reichen Aemtern wirkte, verweilte der Vortragende länger, indem er das Lebensbild dieses edlen Mannes, das, im Lichte seiner Zeit und Zeitgenoffen gesehen, doppelt hell strahlt, in meistervollen Zügen zeichnete. Mit dem Wunsche, daß der Sinn und das Verständniß für die Würdigung solcher Männer in unseren Reihen immer mehr Wurzel schlagen möge, das; sich das Judenthum seiner Geisteskleinodien, wie seiner durch Gottesbegeisterung und durch Seelenadel unsterblichen Helden immer mehr würdig erweise, schloß der Redner seine rhetorische Großleistung, die aus alle Hörer sichtlich mächtigen Eindruck gemacht hatte. Rumänien. Bukarest, Ende Olt. Dieser Tage fand Hierselbst die Vorberathung für die Einberufung des geplanten Kongresses der israelitischen Kultusgemeinden von Rumänien statt. Bei dieser Vorberathung wurde zunächst ein Statutenprojekt betreffend die Gründung einer Liga der israelitischen Gemeinden nach dem Muster des in Deutschland und Oesterreich bestehenden israelitischen Gemeindebundes angenommen. Der Zweck dieser Liga wird darin bestehen, die allgemeinen Interessen der Gemeinden, soweit sie sich auf kulturelle, religiöse und administrative Angelegenheiten der Israeliten in Rumänien beziehen, zu wahren und sich durch ihre Mandatare überall dort vertreten zu.lassen, wo es sich um Fragen handelt, welche die Israeliten betreffen. Alle israelitischen Gemeinden sind Mitglieder dieser Liga und werden durch einen oder zwei Repräsentanten im Generalrathe, dem obersten Organe der Liga, vertreten. Juden, welche sich besondere Verdienste erworben haben, können durch Ballotage als außerordentliche Mitglieder zugelassen werden, und haben in diesem Falle ebenso wie die Gemeinden, einen jährlichen Beitrag zu bezahlen. Es gibt auch Ehrenmitglieder, welche vom Generalrathe proklamirt werden. Der Generalrath versammelt sich einmal im Jahre. Die Leitung der Arbeiten der Liga ist einem aus sieben Personen bestehenden Komitee, von denen fünf in Bukarest ansässig sein müssen, und dem Präsidenten der Liga anvertraut. Nächst der Gründung dieser Liga wurde auch die Tagesordnung des einzuberufenden Kongresses disku-' tirt und in folgender Weise festgesetzt: 1) Konstituirung der Liga und Votirung der Statuten. 2) Die Frage der Eidleistung More Judaico. 3) Die gesetzliche Organisation der israelitischen Gemeinden. 4) Das Recht, die Schächter zu ernennen. 6) Die Frage der Bildung von Civilgesellschaften aus den israelitischen Wohlthätigkeitsgesellschaften. 6) Die Unterstützung der Handwerker. 7) Die Schulprogramme. 8) Die Lage der israelitischen Lehrer und Rabbiner. 9) Die Emigrationsfrage. Die Einladungen für den Kongreß werden bloß jenen Gemeinden zugehen, welche als solche organisirt sind und die Gabela als Einkommen, sowie Epitropen als Vertreter haben, und werden von Herrn I. I. Brociner, als Präsidenten des im Jahre 1896 stattgefundenen Kongresses und von Herrn Flittmann, dem Vorstande der israelitischen Gemeinde in Fokschani, unterzeichnet sein, in welch' letzterer Stadt der Kongreß am 8., 9. und 10. November tagen wird. England. London, im Nov. (Wahl eines orthodoxen Rabbiners.) In einer Sitzung des „Boards" des Londoner Synagogenbundes vom 20. Oktober wurde Rabbi A v i g d o r Chaikin mit einem Gehalt von 7000 Mk. jährlich zum orthodoxen Oberrabbiner von London gewählt. Rabbi Chaikin wurde 1862 in Sklow. Gouvernement Mohilew, ge-t boren und ist von den beiden Säulen der jüdischen Orthodoxie, dem berühmten Rabbi Diskin und dem noch weit berühmteren Rabbi Jizchak Elchanan Spector, dem berühmten Raw von Kowno, zum Rabbiner ordinirt. 1883 wurde er als Rabbiner der russischen Juden in Paris, sechs Jahre darauf zum Rabbiner in Bostow a. Don und 1891 zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Sheffield in England gewählt. T. Rußland. Wilna. Der „neue Prozeß Blondes" wird auf Befehl des Senates vor einem anders zusammengesetzten Gerichtshöfe am 22. November zur Verhandlung gelangen. Bekanntlich wurde der jüdische Perrückenmacher Blondes aus Wilna wegen angeblichen Mordversuches auf fein christliches Dienstmädchen Grudzinskaja vom Milneer Kreisaerichte zu 12 Jahren Gefängniß verurtheili. Das Urtheil wurde jedoch auf die Berufung des Verteidigers vom Senat verworfen. Indessen schmachtet jedoch das unglücklich« Opfer der polnischen Antisemiten, welche den russischen Juden durchaus einen „Ritualmord" anhängen wollten, schon länger als achtzehn Monaten in der Untersuchungshaft.