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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1920 benen Rav die letzte Ehre nach seiner Würde zu erweisen und trugen streckenweise den ganzen Leichenwagen. Eine solche Lewajoh ist hier lange nicht gesehen worden. Er ist im Tode, aber auch schon im Leben geehrt worden. -h- Vermischter. < Frankfurt a. M. Der Prediger am Hamburger Tempel Dr. Cäsar Selig mann, dessen Anstellung als Rabbiner feitender Verwaltung der hiesigen israelitischen Gemeinde beabsichtigt ist, wird nächsten Samstag in der Hauptsynagoge predigen. Wiesbaden, 4. Nov. Das ..Savoy Hotel" ist seit dem 1. dss. Min nichtjüdische Hände übergegangen und wird infolgedessen nicht mehr als rituelles, sondern als interkonfessionelles Hotel geführt werden Der seitherige Besitzer Herr tfarl Simson hat sein rituelles Nestaurant nach drr „Villa Turneck" verlegt. Berlin. Eine eigene Betriebskrankenkasse für ihre Angestellten bat die hiesige Jüdische Gemeinde in'S Leben zu rufen beschlossen. Beamte, die weniger als 2000 Mk. beziehen, sollen der Kasse zwangsweise angehören während den besser bezahlten Angestellten der Beitritt freigestellt wird. München. Nunmehr liegt das endgiltige Ergebniß der Volkszählung von 1900 für Bayern vor. Die Zahl der Katholiken iß 4,357,133 gleich 70,5 pCt , der Protestanten 1,739,695 gleich 28,2 pCt, der ISraeiiten 54,928 gleich 0,9 pCt. Stuttgart, 1. Nov. Ihre Majestät die Königin Charlotte haben dem ..Verein zur Unterstützung von Dittwen und Waten armer isr. Lehrer Württembergs" aus Anlaß der Vorlegung seines jüngsten Jahresberichts wiederum einen Betrag von 29 Mk. hulvreichst verw Üigt. Feuilleton. Nach vierhundert Hahren. 15] Von Friedrich Rott. „Aber ich bitte sehr, gnädige Frau, mir ist jede Zeit recht, ich habe ja gar nichts zu thun und fühle mich Ihnen so sehr verpflichtet, daß Sie mir gestatten, mich Ihnen anzuschließen —" „Das macht mir nur Vergnügen und den Kindern auch, beide haben mir versichert, es hätte ihnen hier noch nie so gut gefallen, wie dieses Mal, weil Fräulein von Rauhenstein sich öfters mit ihnen unterhalte.'' „Das freut mich, Sie glauben nicht, wie wohl mir das thut, da ich mich so fremd fühlte." „Aber Sie könnten hier leicht passende Gesellschaft finden. Sie brauchten nur die Kurliste anzusehen oder im Kurhaus am Table d'hote zu speisen. Sie finden dort sicherlich Standesgenossen —" „Ich suche sie aber nicht. Wenn ich mich hier auch fremd fühle, so fühle ich mich doch überaus behaglich in Ihrer Gesellschaft, liebe, gnädige Frau, und in der Ihrer lieben Kinder. — Doch ehe ich daran vergesse, ich habe Ihnen viele Grüße von meinem Onkel zu bestellen, er fühlt sich Ihnen tief verpflichtet für all' die Liebe und ( das Gute, das Sie mir erweisen." i „Aber' liebes Fräulein, ich weiß in der Thai nicht, von was Sie reden. Was erweise ich Ihnen denn?" „Das wissen Sie nicht? — Nun ja, es liegt in Ihrer Natur, lieb unv gut gegen Jeden zu sein — und dennoch, was Sie mir erwiesen haben, ist mehr. Ich habe doch dem Ontel gar nichts geschrieben, nur Juanita, die Ihnen, wie Sie wissen, durchaus nicht hold ist; sie hat auch meinem Vetter geschrieben, um Beide zu veranlassen, mir den Verkehr mit Ihnen zu untersagen, und dennoch hat mein Onkel aus Juanita's Schilderung erkannt, daß Sie mir Liebes und Gutes erweisen. Da muß es doch wahr sein." „Und der Onkel hat Ihnen den Verkehr mit den Juden nicht untersagt?" „Aber ich bitte Sie, gnädige Frau, ich glaube es Ihnen schon gesagt zu haben, daß mein Onkel ein lieber, alter Herr ist, der die engherzigen Ansichten seines Sohnes ebenso verdammt, wie ich." „Ja, ja, ich erinnere mich, nicht von Ihrem Onkel, sondern von Ihrem Vetter hatten Sie mir gesagt, daß er die Juden hasse. Von dem haben Sie vermuthlich keinen Gruß zu bestellen?" fügte sie lächelnd hinzu. „Nein," erwiederte Jsabella, gleichfalls lächelnd. „Und wie ist's denn, billigt er Ihren Verkehr mit uns?" „Was tümmert's mich, was er billigt oder mißbilligt?" /Aber liebes Fräulein — „Bitte, bitte, gnädige Frau, verderben Sie mir meine gute Laune nicht durch die Erinnerung an den engherzigen, frechen Menschen, mit dem ich bereits definitiv gebrochen habe." „Wirklich gebrochen?" — „Unwiderruflich. Er hatte sich herausgenommen, mir zu schreiben, er dulde Derartiges nicht von seiner künftigen Gemahlin —" „Er meinte Ihren Verkehr mit uns?" „Ja, ja, Juanitu hatte ihm darüber geschrieben. Ich habe ihm aber erwiedert, daß nicht er, sondern sein Vater mein Vormund, daß aber dieser mein Thun vollkommen billigt. Da er aber geschrieben habe, daß er Derartiges von seiner künftigen Gemahlin nicht dulde, so habe er hiermit selbst sein Urtheil gesprochen, denn nie und nimmer würde ich ihm das Recht Anerkennen, mein Thun oder Lassen zu bestimmen. Ich war so erregt über dieses Schreiben, daß ich es zerrissen und sofort beantwortet habe. — Aber nun sagen Sie mir, liebe Frau Müller, habe ich nicht recht gethan, mit dem Vetter zu brechen?" „Wer weiß, vielleicht wäre es Ihrem Einflüsse gelungen —" „Ach nein, nein, nein, beschränkte Menschen lassen sich nicht von ihrer Beschränkheit überzeugen — und könnte ich mit Engelszungen reden, ihn in dieser Beziehung zu beeinflussen, wäre unmöglich."

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