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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1918 Altona, 1. Nov. Heute beging Herr Qberkantor Nathansohn den frohen Tag seiner 20jährigen Thätigfeit in hiesiger Gemeinde. Es war für ihn ein Jubeltag im wahren Sinne des Wortes. Daß man sein Wirken in den verschiedenen Eigenschaften als Gemcindebeamter wohl zu schätzen und zu würdigen weiß, davon zeugten die mannigfachen Ehrenbezeigungen und die zahlreichen werthvollrn Geschenke, die ihm an diesem Tage dargebracht wurden. Schon in früher Morgenstunde veranstaltete das Lehrerkollegium der jüdischen Gemeindsschule zu Ehren ihres Kollegen eine würdige Feier und überreichten ein passendes Andenken. Der Borstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde erschienen im Hause des Jubilars, hoben in ihren Anreden die Verdienste des beliebten Beamten hervor und überbrachten ihm schöne Erinnerungszeichen. Ein Komitee von Gemeindemitgliedern hatte es sich nicht nehmen lassen, dem verehrten Oberkantor, der ihre Herzen so oft durch sein gefühlvolles Borbeten in die richtige Gebetsstimmung versetzt, ein herrliches Geschenk darzubringen. Die ganze Gemeinde wallfahrte nach der Wohnung des Gefeierten, denn jeder wollte persönlich seine Glückwünche darbringen. Die Räume des Jubilars prangten von einer unzähligen Menge vonBlumen- Arrangements und sonstigen minder vergänglichen Geschenken. Aller Wunsch gipfelte in dem Gedanken, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch recht viele Jahre mit ungeschwachter Kraft im Dienst der rr'.r, C’-rcrr r'b'zz' n-'zy zu wirken. Tie^bnrg, 4. Nov. Wie den Lesern dieser geschätzten Zeitung bereits bekannt ist, beging die hiesige Snnagogengemeinde am verfloffenen “i1? rir das sechziajähriae Jubiläum ihrer Synagoge. Schon lange vor Beginn des Festgottesdienstes am Freitag Abend ivar die sehr geschmackvoll dekorirte und renovirte Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Punkt > :.6 llhr wurde die Feier durch einen Ehoral von dem aus 36 Sängern bestehenden neu gegründeten Syuagogenchor eröffnet. Hierauf begann der übliche Gottesdienst, der nur an diesem Abend durch die schwierigen, aber großartig zum Ausdruck gebrachten Gesänge zur wahren Andacht erhöht wurde. Den Höhepunkt erreichte die Feier, als Herr Lebrer Sulz das Podium betrat und seine Ansprache, welche demnächst im Drucke erscheint, an die Gemeinde richtete. In derselben wies der Redner auf die Entstehung der Svnagogen im allgemeinen und insbesondere auf die der Siegburger hin. wobei er das Leben und Wirken der Erbauer genau schilderte und deren innere Religio sität zur Nachahmung empfahl. Der Schlußgesang d-,:' von Levandovskv beendete die wirklich großartige Feier, die auf alle Anwesende einen sichtbar erbebenden Eindruck machte. Der Festgottesdienst am Samstag Morgen reihte sich würdig dem am Vorabend an. Erst gegen 11 llhr war der Morgengottesdienst zu Ende und nur eine Stimme war es, von der die ganze Gemeinde durchdrungen war, nämlich, daß eine so ansprechende Feier in Siegburgs Synagoge noch nie stattgefunden habe. Der Abend versammelte die Gemeinde in dem Saale des Hotel Stern zu einem solennen Festbankett, an dem sich Gäste von Nah und Fern betheiligten. Den erste Toast, der vom Tischpräsidenten Herrn Lehrer S e e l i g ausgebracht wurde, galt dem erhabenen Herrscher, Sr. Mas. Kaiser Wilhelm 11., in den die Versammelten begeistert einstimmten. Weiter toastete Herr Simon Neumann auf den Gemeindevorsitzenden, Herr Hirschhahn auf Herrn Seelig, Herr H. L e v i s o n aus die Damen. Erst gegen Morgen trennte man sich mit dem Bewußtsein. einen wirklich genußreichen Abend verlebt zu haben. Dem Festkomitee, das Alles in so schöner Weise arrangirte, gebührt vollen Dank. Besondere Anerkennung verdienen noch die Liederspender Mos. Walter 11’., Leo Hirschhahn, Hugo Eohn und Simon Herrmann. Q e st e r r e i ch. Wien. Der „Frauen - Wohlthätigkeitsverein Frauenhort" im Bezirke Alsergrund hier hat es sich zur dankbaren Aufgabe gemacht, der Nothlage, die derzeit in Tausenden und Abertausenden jüdischen Familien Wiens herrscht, nach Thunlichkeit abzuhelfen. Leider ist ihm dies nur nach Maßgebe der ihm zur Verfügung stehenden, knapp bemessenen Mittel möglich. Die einleitenden Bemerkungen über die traurige Lage vieler tausend Familien während des Winters entsprechen noch lange nicht den Schilderungen, welche die Damen des „Frauenhort" zu geben vermögen, die in vorkommenden Fällen die Recherchen bei den Bittstellenden pflegen. Eine kleine Rückschau auf die Leistungen des „Frauenhori" i'.n Vorjahre gibt Zeugnis; von der wohltbätigeu Wirksamkeit auf dem Gebiete der Humanitätspflege. Im letzten Berichtsjahre wurden an 1076 Arme rund 10ch,on Kronen baar vertheilt, wobei bemerkt werden muß, daß bierbei nicht nur die Armen im IX. Bezirke, sondern auch die Armen aller anderen Bezirke Wiens nach Thunlichkeit bedacht worden sind. Damen des Vereins haben in nicht weniger als 606 Fällen recherchirt und keine Mühe gescheut, um die Bittsteller — oft auch wiederholt — zu besuchen, um ihnen Trost und Hilfe zu bringen. Zu Ostern vertheilten die Damen des Vorstandes persönlich an 194 Familien, die aus 860 Personen bestanden, rund 1800 Kilogramm Osterbrod. Besonders rühmenswerih ist die Kuraetion des „Frauenbort," die alljährlich einen erfreulichen Aufschwung nimmt; die Gesammtzahl der Kur- und Reisebedürftigen hat im Berichtsjahre die stattliche Anzahl von rund 100 erreicht; zwei armen Familien wurde die Reise nach Amerika, je einer Familie nach London, der Schweiz, München und Nürnberg durch Einhändigung

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