Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1901)
- Date
- 1901-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Es wurde besonders hervorgehob en, daß es sich betreffs der Anstalt nicht mehr um ein Experiment handele, und daß das Mißtrauen und die Bedeuten, welche man häufig neuen Unternehmungen mit Recht entgegenbringt, hier nicht am Platze seien, da die Anstalt in jeder Weise nicht nur ihre Nützlichkeit, sondern auch ihre Nothtvendigkeit bewiesen habe. Es wurde von der Versammlung von maßgebender Seite iiber einige Erziehungsresultate berichtet, namentlich iiber die aus Berlin gebürtigen Knaben und die in Berlin und Umgegend beschäftigten, sowie die in anderen Theilen Deutschlands und des Auslandes mit Erfolg thätigen früheren Zöglinge Ahlems, die einen sehr guten Eindruck auf die Versammelten machten. Ferner wurden von verschiedenen Herren, die die Anstalt in letzter Zeit besucht hatten, die Vorzüge der dort eingeführten Ordnung und Disziplin hervorgehoben, Maßnahmen, die den in hervorragendem Matze herrschenden Frohsinn und die Arbeitslust der Zöglinge in keiner Weise beeinträchtigen, sondern heben. In der Versammlung wurde ein aus folgenden Herren bestehendes Lokalkomitee gewählt: Jul. Cohn. I. F r e y m a r k, Herm. N. Israel, Carl M e - s ch e l s o h n , Max Weiß, Rabbiner Dr. L. Weiße. Man hat in Aussicht genommen, später auch Damen hinzuzuziehen, namentlich in Anbetracht dessen, daß der Anstalt auch ein Mädcheninstitut hinzugefügt wird. Die innerhalb der Versammlung sofort gezeichneten Beiträge bestehen aus ca. 2300 Mk. einmaligen und ca. 600 Mk. jährlichen Beiträgen, und es sind die bellen Aussichten vorhanden, daß in nächster Zeit trotz der ungünstigen Zeitverhältnisie noch größere Beiträge hinzukommen, da die Anwesenden in den Kreisen ihrer Bekannten für die Anstalt Propaganda machen wollen. Kurz zuvor hatte der durch seine Wohlthätigkeit rühmlichst bekannte Geheimrath Arnhold eine einmalige Spende von 3000 Mk. übersandt. Auf Anrathen der Berliner Freunde der Anstalt ist dort eine Geschäftsstelle für Ahlem eingerichtet worden, welche ähnlich wie die Geschäftsstelle in Frankfurt a. M., nicht nur Centralpunkt der Propaganda für den Platz sein, sondern auch bei Aufnahme von Zöglingen aus Berlin mit in Rath genommen werden soll. Herr Berlagssbuchhändler R o s e n b a u m , Kalkreuthftratze 8, hat sich bereit erklärt, die Leitung dieser Geschäftsstelle zu übernehmen. Wir freuen uns, daß sich jetzt auch die erste und größte Gemeinde Deutschlands in hervorragender Weise an der Förderung der Bestrebungen der Anstalt betheiligt, und zweifellos wird dies auf andere Gemeinden einen guten Einfluß ausüben. Hamburg, 4. Rov. Wie Sie in voriger Rümmer Ihres Blattes bereits berichtet haben, geht nunmehr die längst geplante und beschlossene Erbauung einer großen Gemeindesynagoge vor dem Dammthor ihrer Verwirklichung entgegen. Seit einiger Zeit sind Mitglieder des Synagogenvorstandes im Verein mit dem Oberrabbiner und einigen einflußreichen Gemeindemitgliedern bemüht, freiwillige Beiträge zu sammeln. Das Ergebniß ist in der verhältnißmäßig kurzen Zeit ein recht befriedigendes, indem bereits über Mk. 130,000 zusammen gebracht sind, so daß anzunehmen ist, daß bei energischer Fortsetzung wohl an 200,000 Mk. an Spenden eingehen werden. Hierzu kommen die von der Hauptgemeinde als angenommener Werth der Elbstraßensynagoge zugesagten Mk. 150,000 und 50.000 Mark angesämmelte Ueberschüsse des Synagogen-Verbandes, womit also die Vaugelder reichlich beschaffen wären. Einen günstig belegenen Platz hofft der Gemeindevorstand vom Staate möglichst unentgeltlich, ev. auf immerwährende Grundmiethe zu erhalten, während das Inventar, wenigstens der werthvollere Theil desselben aus der Elbstraßesynagoge — die dann eingeht — und aus verschiedenen kleinen Privatsynagogen vor dem Dammthor, die wohl ebenfalls liquidiren dürften, gewonnen werden wird. Wenn die Instanzen, die noch dabei in Betracht kommen, sich etwas beeilen möchten, so könnte mit dem Bau noch in dieser Saison begonnen werden. Soll aber das zu erbauende Gotteshaus eine Stätte des wahren Friedens und der allgemeinen Andacht bilden, dann müssen reformatorische Bestrebungen, wie solche sich unlängst gezeigt, vollends zurücktreten. Für den Synagogenverband existiren Fundamental - Bestimmungen und ein Statut, welche s. Z. nach jahrelangen Berathungen und Verhandlungen, wobei jedes Wort auf die Wage gelegt ward, festgestellt wurden; die Grundlagen sind der 71-3? frmtp Danach haben sich alle Diejenigen zu richten, die es angeht. In erster Linie aber Diejenigen, die dem Synagogenverband vorstehen und ihn zu vertreten berufen sind. Ist dem aber nicht so, dann hatten Diejenigen Recht, die sich längst davon losgesagt und sich zur Befriedigung ihrer abseits gelegenen Wünsche Andachtsstätten errichtet und mit ihrem Funktioniren die wohlerworbenen Rechte des Synagogen-Verbandes usurpirt haben. Damit wurde der S.-V. in seiner Entwickelung gehemmt und ihm die Erfüllung seiner heiligen Aufgabe erschwert. Mit den Statuten in der Hand dürfte es verständigen Männern gelingen, diesen Verirrungen wirkungsvoll zu begegnen, so daß aus den Widersachern wieder Freunde werden. Mit der Desavouirung oder gar Beschimpfung derjeigen, die für. Recht , und.^Gesetz eintreten, die es nicht dulden wollen, daß man ' sich widerrechtlicher Eingriffe erlaubt, wird man nur das Gegentheil von dem erreichen, was man angeblich zu erstreben krachtet. Möge das in Vorstehendem dargelegte aber Dasjenige erreichen, was sein Schreiber damit bezwecki. rmpVi pmb ni1?» mbv H. B.