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Der Israelit · 1901-11-07 · Heft 88 (7.11.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 88 (7.11.1901)
Date
1901-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1916 Unser Schlaumeier und seine Genoffen schürten, wühlten und hetzten unter dem gemeinen Viechsgestndel, was ffe nur tonnten. Alle Bestien und Raubthiere wurden aufgestachelt, über das grausame mörderische Schafsvolk herzufallen und es zu vernichten, da es in seiner Gesammtheit die Schuld an dem Verbrechen trage, denn kein Anderer habe das arme Wolsskind ermordet, als das blutgierige Lamm. Ja, brüllte einmal ein wüthendes Rhinozeros in einer stark besuchten Versammlung, diese Schafe thun so lammfromm und stellen sich so, als ob ffe sich vor uns fürchten würden. In Wahrheit aber muffen wir uns vor ihnen fürchten, die im Geheimen auf uns lauern, um uns zu verderben, die uns unsere armen Jungen stehlen, um ffe ihren abergläubischen Zwecken zu opfern. Huh, wie ängstiae ich mich immer, wenn ich einem solchen Schafskannibalen begegne! Wie lange noch sollen wir Starken und Mächtigen diese heuchlerische Bagage unter uns dulden? Raffet Euch doch endlich auf zur That und wehret Euch gegen Euren grimmigsten Feind, und schlaget sie nieder, diese Höllenbrut, wo sie Euch in den Wurf kommt. Diese mit dem Brustton der Ueberzeugung in feuriger Entrüstung gebrüllten Worte verfehlten diesmal nicht ihre Wirkung, denn mit einem Wuthgeheul stürzte sich die ganze Meute auf den ruhigen, friedlichen Schafsstall. Die armen Schäfchen erhoben ein Jammergeblöcke, daß es Steine erweichen konnte. Von dem Lärm herangelockt, kommt der Schäfer eilends herbei mit seinen bewaffneten Knechten und richtet unter den Bestien ein förmliches Blutbad an. Einige von ihnen bleiben todt am Platze liegen, andere wälzen ffch vor Schmerz in ihrem Blute, und wieder andere trotten sich heulend und hinkend von dannen. Die Meute ist zerstoben und der Aufruhr hat ein schmähliches Ende. Während aber das Raubgesindel seine Verirrung mit seinem Blute bezahlen muffte, batte ffch Freund Reineke in Sicherheit gebracht und mit seiner fetten Deute davonaeschlichen. und delektirt ffch in einem entlegenen Gebüsch ungestraft an einer wohlschmeckenden Lammsbrust. Rach eingenommener Mablreit sireckt er bebaglich seine Glieder aus und spottet über die blöde Menae. die für ibn das Leben gewagt und. wie die Menschen zu sagen pflegen, die Kastanien für ibn aus dem Feuer holte. Wer isi das Fückslein und wer das Schäfchen? Die Anwendung dieser ^abel isi selbstverständlich. Sagt doch schon die heilige SibrUt: B'JBB B "vrn r» e^Bnö die kleinen Füchslein trachten, den Weinberg Gottes zu verderben, TOrv TO. aber der Herr schützt und rettet sein schwaches Schäfchen Israel. Kaiser Hadrian sagte einst zu Rabbi Jofua: Wie bewi.'ndernswertb ist das Schäfchen, das unter stetig Wölken besteben kann! Hierauf erwkederte b*»r weise Rabbi: Groff ist der Hirte, der es rettet und die Wölfe unschädlich macht; und das ist's, was geschrieben steht: Jedes Geräth, das gegen dich geschmiedet, wird mißlingen. (Midrasch zu Meg. Esther.) S o b o r t e u. Rabb. H. G a l a n d a u e r. Zeitungsnachrichten und Correfponverrzen. Deutschland. Mainz, 6. Nov. Heute kommt aus Höxter frohe Botschaft. In der dieser Tage stattgefundeneu Sitzung des Vorstandes des Vereins zur Wahrung der religiösen Jntereffen des Judenthums in Westphalen wurde Herr Dr. Moses Marx aus D a r Nisi a d t, z. Z. Hörer der Jeschiwah zu Frankfurt a. M., Sohn des Großh. Landrabbiners Dr. L. Marx in Darmstadt, einstimmig zum Rabbiner des Vereins gewählt und hat derselbe die auf ihn gefallene Wahl angenommen. Herr Dr. M. Marx, unser verehrter Freund und Mitarbeiter, verbindet mit einem intensiven jüdischen Wissen auch in reichem Maße diejenigen Kenntnisse, die auf den deutschen Hochschulen dem strebsamen Theologen geboten werden und können wir dem wackeren Verein zu dieser Acquisition mit vollem Herzen Glück wünschen. Seine rabbimsche Ausbildung verdankt Herr Rabbiner Marx ausschließlich der unter Leitung Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Dr. Breuer stehenden Rabbinerschule zu Frankfurt a. M., aus der bereits eine beträchtliche Anzahl von Rabbinern hervorgegangen ist, die theils in Deutschland, theils in Ungarn segensreich wirken. Daß Herr Dr. Moses Marx, ohne sich vorher um die Stelle beworben zu haben, nach einstimmig erfolgter Wahl nach Westfalen berufen wurde, ist sowohl für ihn, als auch für die Anstalt, deren langjähriger Hörer er war, ein ehrendes Zeugniß. Die offizielle Amts-Einführung des selben findet, verbunden mit der Abschiedsfeier für den bisherigen Rabbiner, Herrn Direktor Dr. G. Lang e, und der anschließenden Generalversammlung, am Mittwoch, den 20. N o v e m b e r (Buß- und Bettag) in V o g e l l'S R e st a u r a n t zu Dortmund statt. Berlin. 4. Nov. Infolge einer von den Herren Sanitätsrath Dr. W i e s e n t h a l, Oberlehrer Dr. Schäfer und I. F r e y m a r k erlassenen Einladung hatten sich am 10. Oktober d. I. hier eine Anzahl hervorragender Glaubensgenossen eingefunden, um über eine im Interesse der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem einzuleitende, energische Agitation zu beratben. Außer den Herren Rabbinern Dr. Maibaum und Dr. Weiße lHerr Dr. Eschelbacber war durch Unwohlsein verhindert) hatten sich ca. 40 Personen, den verschiedensten Richtungen angehörend, eingefunden.

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