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Der Israelit · 1901-11-04 · Heft 87 (4.11.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 87 (4.11.1901)
Date
1901-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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«_p»i,-i4iüi. m. vi,*yx? ,!H 1905 berge irgend eine Entschädigung zu beanspruchen. Aus freien Stücken überließen ihnen dieselben jedoch wLw rb'," die Häute der Opferthiere und ihre irdenen Krüge. Sie wollten auf diese Weise ihren Gastgebern denselben Tribut entrichten, den jeder Mensch, wenn er von dieser Erde scheidet, um in die ewige Heimath zurückzukehren, hier zurücklassen muß. Man könnte sich versucht fühlen, zu behaupten, daß unsere Vorfahren, indem sie so wenig mit der rauhen Wirklichkeit rechneten, das Leben und dessen Anforderungen schlecht verstanden hätten. Der Erfolg hat ihnen jedoch recht gegeben. Bei uns dagegen, die wir unverkennbar das Bestreben haben, die Wurzeln unseres Daseins recht tief in die Erde zu senken, ist der Bestand und die Widerstandskraft des Judenthums bedenklich gelockert. Es dient zur hellsten Beleuchtung dieses Sachverhaltes, wenn unsere Meisen im Midrasch darauf verweisen, daß unmittelbar, bevor des Todes unserer Erzmutter Sara Erwähnung geschieht, von der Geburt Rebekkas in der Thora berichtet wird. Dies soll zum Belege für die höchst merkwürdige Regel im Verlaufe der gesammten Geschichte dienen, daß Israel zu keiner Zeit der großen führenden Geister entbehrt hat. So wurde Rb. Jehuda Hanasi an dem Tage geboren, an welchem Rb. Akiba des grausamsten Märtyrertodes starb, an des ersteren Todestage wieder wurde Rb. Ada bar Ahaba geboren. An dem Tage, da dieser das Zeitliche segnete, wurde Rb. Abun und an seinem Sterbetage dessen Sohn geboren. So kann man auf den geistigen Horizont Israels recht eigentlich den Sab in Kohelet antveuden hx tPÄfc'.n mn „die Sonne geht auf, nachdem sie eben erst untergegangen, d. h. am Himmel Israels ist ein vollständiger Sonnenuntergang noch nie cingetreten. (Bergl. noch Kid. 72 a.) Den Schlüssel für diese merkwürdige Erscheinung finden unsere Weisen in dem Umstande, daß schon in der Vorzeit diese Erscheinung aufgetreten. -ry ytyirp bv 'trctr nn-7 nsra dL' itrctp nyptr ny np p Ljx,;ni’ ‘rtr mo nrrr ytpirr dry lew rippt? xbv dL' Hy btp ircc* nype» iy Roch!var die Sonne Moses nicht untergegangen, als bereits die Iosuas erstrahlte, noch die des letzteren nicht erloschen, als schon die Sonne Athaniels emportanchte, noch die des Eli nicht entschwunden, als die Samuels bereits erschienen war. Diese Männer waren es eben, die Israel für alle Zeiten den Stempel ihres Geistes und ihres Charakters ausgeprägt haben. Sie haben uns gelehrt, die Wurzeln und die Stärke des Daseins nicht in der Erde, sondern bei Gott und in dem Bereiche des Geistes zu suchen. Auf diese Weise ward Israel eine unverwüstliche Widerstandskraft verliehen. Mochte auch sein irdisches Dasein noch so oft bedroht worden sein, unter dem Schutze des Genius, der es nie verlassen, lebte es sicherer und länger, als die gewaltigsten Mächte und Völker dieser! Erde. Von solcher Erkenntniß war bereits, wie wir! gesehen, das Leben Abrahams getragen. So lange Js- ■ raels Dasein sich auf dieser Grundlage hält, wird es unerschüttert sich behaupten. Hettungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Nov. (Jüdische Geschworene und Schöffe n.) Eine Untersuchung über die Zahl der jüdischen Schöffen und Geschworenen im Deutschen Reiche wird, wie die „Deutsche Tageszeitung" meldet, angeblich von jüdischer Seite angeregt. Es soll durch Umfrage festgestellt werden: .1. Ob Juden in der betreffenden Gegend zu den genannten Ehrenämtern herangezogen werden? 2. Ob sich die Praxis in dieser Hinsicht in letzter Zeit, zu Gunsten oder zu Ungunsten der Juden geändert hat? Das gesammte Material soll dann gesichtet und eventuell schon bei den nächsten Justizberathungen in den Einzellandtagen zur Sprache gebracht werden. Berlin, 1. Nov. lieber die gegenwärtige Lage der Juden in Deutschland sprach dieser Tage Prof. Dr. P h i l i p P s o n im „Verein jüdischer Kaufleute." In keinem deutschen Bundesstaate sei die Situation der Juden so ungünstig, wie in Preußen, wo jede Organisation derselben fehle u. der Staat sich um das religiöse und gemeindliche Leben der Juden wenig kümmere. Während die süddeutsche Konsistorialverfafsung für eine gedeihliche Entwickelung des Gemeindelebens sorge, existirten in Preußen M0 kleine jüdische Gemeinden ohne.Kultusbeamten und ohne jeden Religionsunterricht. Falsch sei die Meinung, daß der Antisemitismus im Rückgänge begriffen sei. nur spürten die Juden in den großen Städten die antisemitische gesellschaftliche Strömung weniger, als ihre Glaubensgenossen in der Provinz. Die Triebfedern des Antisemitismus seien größtentheils Brodneio und Streberthum, religiöse Motive lägen ihm um svweniger zu Grunde, als der moderne Protestantismus dem Judenthum viel näher stände als dem Katholizismus. Das Festhalten, am Judenthum hindere dessen Anhänger nicht,- gute Deutsche zu sein. ' — Ein Schöffe jüdischen Glaubens wurüe von einem Privatkläger als befangen abgelehnt. Privatkläger war Dr. Giese, Angeklagter der Redakteur der „Jsr. Wochenschrift" M. A. Klausner. Die „Staatsbürger Zeitung" hatte eine Enquete über den „Ritual mord" veranstaltet, und für das Bestehen eines solchem hatte sich auch der Privatkläger ausgesprochen. Der B' klagte hatte dagegen den Standpunkt vertreten', d st Diejenigen, die an solchen Mord glauben, „Verbrecher

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