Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1901)
- Date
- 1901-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^U.II.JIUA'■' I'»l» i. 1875 (Mriinbe, die eine Entfernung H.'s aus seinem Amte rechtfertigen, liegen unseres Erachtens nicht vor. Nachdem nun über die Angelegenheit unwahre Gerüchte verbreitet worden, hat ein energischer Schützer des Herrn H., Herr Herrn. Wallheimer, ein hochangesehenes Mitglied unserer Gemeinde, die gesammte Korrespondenz H.'s mit dem Borstande veröffentlicht, und steht die ganze Stadt rückhaltlos auf Seite des Lehrers. Seitens der Angehörigen H.'s wird eine Broschüre vorbereitet, die eine völlige Klarstellung der Sache bezwectt und nicht verfehlen wird, denkbar größtes Auf sehen zu erregen. Die Freunde Herzberg's haben alle Mittel erschöpft, um eine günstige Beilegung des Zwistes herbeizilfiihren und stehen nun, da alles vergebens war, völlig atnoariend da. Es ist nun eine heilige Pflicht der jüdischeu Presse, Stellung zu der Sache zu nehmen und durch ernste Mahnung zum Frieden das ihrige dazu beizutragen, daß der Gerechtigkeit Genüge geschieht und eine Situation vermieden wird, die nur dem Antisemitismtlü zu Gute kommt. tEs bleibt abzuwarten, U’ic die Gegenseite sich zu dieser Sache äußert. Red.) O e st e r r e i ch. TLien. (ti rzherz o g u n d H a u f i i c r.) Gelegentlich der jüngst stattgehabten Manöver ereignete sich folgende hübsche Srene.' Ein alter Hausirjude betrat unerlaubterlveise das Lager und bot Ansichtskarten seil. Da ihm Niemand hindernd in den Weg trat, gelangte er auch in die Nähe des Erzherzog Franz Ferdinano, der mit einigen Herren konversirte. Jetzt erst wurde der alte Mann von Gendarmen festgenommen und auf das Ungehörige seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht. Seine Entschuldigung, daß er den Erzherzog nicht gekannt habe, wurde nicht angenommen 'und er sollte in den Arrest lvandern. Der Erzherzog, der den ganzen Vorgang beobachtet hatte, ries den Gendarmen zu: „Lassen Sie den armen Mann in Ruhe!" Dann stieg er vom Pferde und taufte dem Hausirer seinen halben Borrath ab. Den Nest kauften dann die Herren vom Gefolge. England. London. Born „Hilfsverein jüdischer Vinnen" j (Board of Guardians for the Relief of the Jswish poor) erhalten wir nachfolgendes Schreiben: „Mit großer Betrübniß ist zu lonstatiren, daß unser Vorstand seit geraumer Zeit mehrfach um Unterstützung von Seiten verarmter und unbemittelter Frauen, oftmals mit Kindern, angegangen worden, um durch Ge Währung von Fahrscheinen auf Dampferlinien sie in die Lage zu setzen, ihren Ehemännern nach Amerika oder andern Hafenplätzen nachzureisen. Diese Frauen, oftmals im größten Elende und in der höchsten Lage der! Noth, geben sich der falschen Hoffnung hin, daß ihnen die jüdischen Gemeinden Englands zur Erreichung ihres Zweckes behilflich sein würden, nämlich ihre Männer zu erreichen, die aber in vielen Fällen sogar schließlich ihre Familien im Stich ließen. Sie werden zugestehen, daß es im höchsten Grade unüalthaft ist, wenn Frauen unter solchen Verhält nissen hier zugereist kommen, und darf es Sie daher nichl überraschen, zu erfahren, daß sich unser Borstand gezwungen sieht, den Beschluß zu fasten, irgend welche derartige Unterstüßungsgesuche fernerhin abzuweisen; es fei denn, daß außergewöhnliche Begründungen vorlögen, welche die ohnedies stark in Anspruch genommenen Hilfsmittel zur Berücksichtigung empfehlen. Diese ernstlichen, aber leider zur Selbsterhaltung nothwendig gewordenen Maßnahmen des Vorstandes verursachen selbstredend viel Elend und Enttäuschungen seitens jener Bittsteller, welche aus oben angeführten Gründen London überlaufen. In Fällen, in denen der Vorstand sogar willens war, solchen Frauen und deren Kindern zur Weiterreise nach Amerika beizustehen, mußte davon Abstand ge nnmmcu werden, weil diesen Frauen der Aufenthalts ort ihrer Männer unbekannt war und ihnen jegliche direlie Beziehung mit solchen fehlte, zumal die amerikanischen Behörden solchen Frauen die Landung verbieten, es fei denn, daß deren Ehemänner sich bereit erklären, dieselben am Landungsplätze in Empfang zu nehmen und für sie zu sorgen. Dieser ununterbrochenen Einwanderung des ärmsten Elementes jüdischer Armuth muß unbedingt Einhalt geboten werden, da sich sonst die folgenschwersten Evn.seguenzen ergeben, durch welche das Schicksal der iu England eingewanderten ausländischen Juden ernstlich beeinträchtigt wird. Leonard L. Eohen. Präsident. M i ch a e 1 A. Green, Ehren - Sekretär. Warnung! Der Vorstand des ..Hilfsvereins jüdischer Armen zu London" bringt zur Kenntniß, daß allen solchen unbemittelten Frauen und Kindern, welche unter falschen Erwartungen nutzloser Weise nach London kommen in der Hoffnung, seitens unseres Vorstandes mit Schiffahrtskarten versehen zu werden, um ihren Ehemännern nach Amerika oder anderwärts nachzureisen, in keiner Weise Hilfe geleistet werden kann. Ebenso Männer, welche hierher für die Durchreise nach Amerika kommen, können keine Hilfe erwarten. Es werden daher alle Derartiges beabsichtigenden Durchreisende ernstlichst und feierlichst gewarnt, sich nicht in unnützes Elend unb Leiden zu stürzen, da der Vorstand Ansuchen auf Unterstützung irgend welcher Art unter keiner Bedingung berücksichtigen kann.