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Der Israelit · 1901-10-31 · Heft 86 (31.10.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 86 (31.10.1901)
Date
1901-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1874 durchzuarbeiten. Auch wurden bei Tisch mehrere fii&n-r gehalten. Obwohl es keine große Festlichkeit gewesen, so war sie doch immerhin eine erhebende, wahrhaft jüdische nizw bv .*7höb>, die auf alle Theilnehmer einen nachhaltigen, tiefen Eindruck machte. Eydtkuhnen, 28. Okt. An den Rabbiner Dr. Königsberger in Pleschen hat der Kgl. Forstmeister von Saint-Paul in Raffawen auf eine Anfrage wegen der Zustände in der Bevölkerung Wystitens ein (vom 12. Okt. datirtes) Schreiben gerichtet, welchem wir folgende Ausführungen im Hinblick auf eine Rotiz unter Eydtkuhnen, 29. September lNr. 230 des „Geselligen") entnehmen: Von den in Wystiten abgebrannten 136 Familien sind zwei Drittel Juden und ein Drittel Ehristen, Katholiken und Protestanten. Ich habe die von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige für die vorn Unglück heimgesuchten Bewohner Wystitens bestimmten Liebesgaben angekauft und vertheilt. Ich habe nicht gefunden, daß die Beschuldigung, die hochherzige kaiserliche Mildthätigkeit sei insofern auf unfruchtbaren Boden gefallen, als die großartig beschenkte, größtentheils jüdische Bevölkerung sich nunmehr vollends auf die faule Bank gelegt hätte und gar nicht mehr arbeiten wollte — sich aufrecht erhalten läßt. Mein Weg hat mich in der letzten Zeit oft nach Wystiten gebracht. Das Leben geht nach wie vor sowohl unter der christlichen, als wie auch der jüdischen Bevölkerung, seinen gewohnten Gang. Dagegen muß ich rühmend Hervorbeben, daß die Wohlhabenderen unter den jüdischen Abgebrannten freiwillig zu Gunsten ihrer armen Leidensgenosien, auch der Christen, verzichtet haben. Alt-Bernn O.-S., 27. Okt. Montag, 20. Oktober, fand Hierselbst die Einweihung des neuermeiter ten Friedhofes unter zahlreicher Betheiligung statt. Herr Lehrer Angreß reritierte ausgewählte Psalmen während eines dreimaligen Umzuges um die neue Grabstätte. Darauf legte Herr Rabbiner Dr. Norden kMvslowitz) die Bedeutung eines Friedhofes als Bes Chajim und Bes Aulom in ergreifender Rede dgr. Indem uns der Friedhof die ungewisse Zeitdauer des menschlichen Lebens alle Zeit in Erinnerung bringe, ermahne er uns zu friedlichem Zusammenleben, damit uns nicht einst Reue am Grabe derer, die wir gekränkt haben, ein „zu spät" zurufe. Wenn uns der Friedhof durch seine Mahnung zu einträchtiger, gottgefälliger, nutzbringender Arbeit führe, so werde er für uns ein Haus des Lebens Bes Chajim, aber auch ein Bes Aulom. ein Haus der Ewigkeit könne die Stätte, an der unsere irdischen Ueberreste der Vernichtung anheimfallen, für uns werden. Wenn unsere Gesinnungen und Thaten in unseren Kindern fortleben, wenn sich das Gemeindeleben durch seine Bemühungen ebenso gottgefällig und würdig gestaltet, wie zu unseren und unserer Väter Zeiten, dann werden wir in ehrenvollem Andenken in der Gemeinde und außerhalb derselben fortleben. Dann ist der Friedhof für uns ein Bes Aulom, ein Haus der Ewigkeit geworden. Rach der stimmungsvollen Predigt des gewandten Kanzelredners, welche die Anwesenden sichtlich geriihrt hatte, gab Herr Angreß durch den Lobgesang Hoaderes der erhebenden Feier einen ivürdigen Abschluß. Zu Wagen begaben sich die Festtheilnehmer nach Neu- Berun. wo bei geschmackvoll arrangirter Tafel die Einführung des neuen Jugendbildners, Herrn L. Angreß, stattfand. Nachdem Herr Vorsteher Salo T i ch a n e r die erschienenen Gäste im Namen der Gemeinde auf's herzlichste begrüßt und das Kaiserhoch ausgebracht hatte, ergriff Herr Rabb. Dr. Norden das Wort zu einer längeren Ansprache. Von Herzen kommend, zu Herzen gehend, gab die Rede des Herrn Dr. Norden eine lebhafte Schilderung der verantwortungsvollen und vielseitigen Aufgabe eines .Kultusbeamten. In Erwiederung darauf zeigte Herr Angreß, wie sehr er den Beruf eines Lehrers erfaßt habe. Damit war der offizielle Akt geschlossen. — Gute Speisen und Getränke, sowie Tafelmusik, Solovorträge und heiteres Plaudern hielten die Festtheilnehmer bis zum frühen Morgen beisammen. Das wohlgelungenc Fest wird bei Allen in bleibender Erinnerung leben. Oldenburg i. Gr., 28. Okt. Verhältnisse, die seit zehn Jahren in unserer Gemeinde herrschen und schon häufig in unliebsamen Affairen ihren Ausdruck fanden, sind jetzt durch eine beklagenswerthc Angelegenheit in die weiteste Oeffentlichkeit gelangt und beschäf tigen die christlichen Kreise mindestens ebenso, wie die jüdischen. Unser langjähriger Lehrer, Herr H e r z b e r g , der bereits siebzehn Jahre iin Dienste der Gemeinde steht, durch treue Pflichterfüllung sich stets auszeich n-cke und wegen seines lauteren Charakters und be scheidenen Wesens in allen Kreisen der Stadt sich einer ganz ungeioöhnlichen Beliebtheit erfreut, muß am 1. Mai nächsten Jahres seine Stellung verlassen. Der Borstand hat Herzbergs Kontrakt, der am genannten Tage abläuft, nicht erneuert, sondern Herrn H. eine Stellung, als Wanderlehrer angeboten, die der Ge nannte als ehrenhaft denkender Mann „als eine amtliche, moralische und gesellschaftliche Degradirung" zurückweisen mußte. Trotzdem H. in den vielen Jahren niemals einen Tadel oder eine Rüge erhielt, trotzdein daß eine Petition an den Vorstand zu Gunsten H.'s abgeschickt wurde, die fast alle Gemeindemitglieder Unterzeichneten — es fehlten nur die Namen einiger Freunde des Vorstehers und Landrabbiners — trotzdem der Vorsteher vor einigen Jahren selbst eine Gehaltserhöhung von 300 Mk. für H. beantragte, trotzdem der jüdische Landesgemeinderath, die oberste iü dische Behörde, die Wiederanstellung H.'s empfiehlt, wurde solche vom Vorstande abgelehnt. Sachliche

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