Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1901)
- Date
- 1901-10-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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18 n Schaffung eines neuen Unterschiedes unter den Juden — hier des deutsch-gebildeten Elementes — werden unter ihnen Gegensätze geschaffen und früher bestandene Interessengemeinschaften gestört — zum Schaden der jüdischen Bevölkerung selbst. Aber fast schein: es, als sollte durch die Bildung eines eigenen deutschen Hilfsvereins, welcher deutsche Sprache und deutsche Kultur verbreiten soll, und die dadurch bedingte theilweise Loslösung von der „Alliance israelite" den Antisemiten, welche in ihrer böswilligen Art die „Alliance" als einen internationalen politischen Verein befehden und aus ihrer Existenz die Jnternationalität des gesummten Judenthums herleiten, eine Konzession gemacht werden. Aber da kennt man jene Sorte von Leuten, die in der Verleumdung des Judenthums ihr Lebenselement erblicken, sehr schlecht; sie werden die patriotischen Gesinnungen der deutschen Juden weiter angeifern. Der neue Verein imponirt ihnen trotz der Betonung deutsch-patriotischer Tendenzen so wenig, daß sie ihn schon jetzt mit ihren giftigen Pfeilen bewerfen. Selbst da versagt der Hilfsverein. Womit will er seine Existenzberechtigung begründen, wenn gerade in wirthschaftlicher und politischer Beziehung sein Hauptprogramm so wenig zu leisten vermag? Der Umstand, daß auch in anderen Staaten, in England und Oesterreich, neben der „Alliance israelite universelle" gesonderte Hilfsvereine bestehen, spricht der neuen Gründung noch keineswegs das Wort. Die Ziele der in England und Oesterreich eristirenden Vereine weichen wesentlich von den Aufgaben des deutschen Hilfsvereins ab; ihre Thätigkeit erstreckt sich zunächst und in erster Linie aus das eigene Land und wird bestimmt durch die hier gegebenen Verhältnisse, ohne mit dem Werk der „Alliance israelite" zu kollidiren. Die „Anglo Jewish Association" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kolonisationsbestrebungen der Juden zu fördern und das Loos jener zahlreichen Auswanderer, die gerade in oder über England eine Zufluchtsstätte suchen, zu mildern. Die österreichische „Allianz" erblickt ihre vorzüglichste Aufgabe darin, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Juden in den österreichischen Landestheilen, in Galizien, wo ihre Lage tieftraurig ist, zu bessern. In Deutschland aber haben wir dank der sozialwirthschastlichen Stellung der Juden, keine derartigen Interessen zu vertreten, daß es dazu eines besonderen Hilfsvereins bedürfte; denn jene Thätigkeit, die zum Schutze und zum Wohle der deutschen Juden nothwendig ist, liegt bereits in den Händen von besonderen Vereinen, die sich über ganz Deutschland erstrecken. Um aber gegen plötzlich von außen hereinbrechende Katastrophen, wie eine unlängst durch die rumänischen Judenverfolgungen herbeigeführt 'wurde, gerüstet zu sein, dazu bedarf eS keines besonderen Hilfsvereins. Gerade bei dieser Katastrophe haben wir gesehen, daß es nicht Vereine sind, die Großes leisten. In Deutschland, wo kein besonderer Hilfsverein bestand, hat sich anläßlich dieser unversehens über uns hereingebrochenen Katastrophe die Opferwilligkeit der deutschen Juden ausgezeichnet bewährt, indem in rascher und kräftiger Weise die nothwendige Hilfe geleistet wurde. Und diese Opferwilligkeit der deutschen Juden wird sich auch weiter bewähren in allen Fällen, in denen Hilfe zu Nutz und Frommen der Glaubensgenossen angezeigt erscheint. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Okt. In der Repräsentantenversammlung wird die Wahl eines neunten Mitgliedes in den Ausschuß J11 abgelehnt. 1290 Mk. werden für den Neudruck der Agende für den Jugendgottesdienft an den hohen Festtagen bewilligt. Das Krankenhausstatut wird in zweiter Lesung beendigt. Der Rechnungsabschluß des Krankenhauses, ebenso der des zweiten Waisenhauses wird dechargirt. Seitdem man seit vier Jahren Beschlüsse über die Plätze der Berichterstatter gefaßt hat, wird diese Angelegenheit an eine Subkommission verwiesen. Wer lacht da? E. R. Berlin, 27. Okt. Die Berliner Juden stehen vor den Wahlen zur Synagogenvertretung. Wie in früheren Zeiten, so geht es auch in diesem Jahre dabei sehr stürmisch her. Orthodoxe und Reform-Juden stehen sich gegenüber, und als dritte sind jetzt auch die Zionisten mit einem gewaltigen Wunschzettel gekommen. In einer sehr gut besuchten Versammlung entwickelte Dr. Katz die Ansichten der Zionisten. Königsberg, Pr., 13. Okt. (Ungern verspätet.) Unter den zahlreichen Vereinen der hiesigen Gemeinde nimmt die man d"» einen bescheidenen Platz ein. Der Verein wurde zu Ehren des verstorbenen Oberrabbiners Salanter vor 16 Jahren gegründet. Nach den Statuten desselben werden die einzelnen Traktate an die Mitglieder vertheilt, damit im Laufe eines Jahres ganz Schaß am Jahrestage Salanters durchgelernt werde. Auch wird allabendlich von je einem Mitglied aus einer Maßechto vorgetragen. Außerdem haben einzelne Mitglieder die löbliche Gewohnheit, außer der bestimmten Gemoroh, noch *hdo v"v zu lernen. So konnte vor einiger Zeit Herr Kaufmann Lewin Bloch ein Sijum auf ganz Schaß begehen und vor Roschhaschono feierte Herr Schächter B. Scheftelowitz ein solches Fest. Die Talmudgelehrten von Königsberg versammelten sich zu diesem Zweck, und nachdem Herr Scheftelowitz den Schluß der ms 'oo vorgetragen hatte, begann er sogleich mit 'oo, M2N2 um mit neuer Kraft von neuem ganz Schaß