Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 85 (28.10.1901)
- Date
- 1901-10-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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i 9ß .«4H 1860 seitens der zionistischen Führer ist nur der produktiven Neuerungssucht deutscher Richtung zu verdanken. Unseren heiligen Vorschriften getreu, wenden wir uns mit unseren Gebeten n-am2. Aber auch nicht minder respektvoll durfte ein westlicher Jude, der sich blos an der äußeren Peripherie der Thora, von bis n3"isn imn befindet, der Kultursprache der osteuropäischen Judenheit seinen Blick zuwenden. Unbegreiflich ist es mir aber, wie nr-i—n r.sr Anlaß zu einem überstürzten Ausfall gegen die Zionisten und gegen die hebräische Sprache geben kann. Alles, was sich Jude nennt irxit£” bz %:'$b macht die "3"c über nzzzrt rxr Der Jahresabschluß der Thora, r-sfc’ nnn, ist ein Freudentag für dxiL-' Denn es heißt ausdrücklich: nSnp n;?i:a. Di; westlichen Juden, welche sich eines Wohlstandes erfreuen, das deutsche Bürgerrecht erlangt haben, dürfen nicht aufhören, jüdisch zu fühlen und am allerwenigsten an der unlösbaren Masse der jüdischen Ration vergessen, twi ""6’ ms. An den Scheinwerfern der drei mächtigen Leuchtthürmen jüdischen Heroismus st Speier, Worms und Mainz, sonnt sich das ganze Judenthum in unverzagter Glaubensstärke. Hierzulande aber herrscht in Bezug aus Judenthum, wie überhaupt in der Nähe der Leuchtthürme, schreckliche Finsterniß. trcx’i. inx r: Sctr ~\cyz *c chxiv" -pra Wohl dir, Israel, ob des Solidaritätsgefühls deines Volkes. Freue dich, Israel, ob deiner trefflichen zionistischen Organisation, welche die losgelöste Masse zusammenkittet, die verlorenen Schafe der gemeinsamen Heerde zuführt. Die linke Hand ist es, welche abstößt, wohingegen die Rechte liebevoll annähernd winkt. Unter der Flagge der Zionisten sammeln sich alle Schattirungen im Judentum und Alles ruft begeistert aus: n~rr b'p "i ycw Rur die deutschen Bürger mosaischer Konfession werden, weil ri'32 ^2^ nssp, von der Begeisterung der Zionisten noch nicht fortgerissen. Die Orthodoxen aus Unkenntniß, die Neologen aus böswilliger Absicht. Bedeutete doch der Zionismus früher Rückkehr zum Judenthum und dann zum jüdischen Lande. Dieser Umstand an und für sich genügt schon, um die hierländischen freidenkenden Elemente dem Zionismus unnahbar zu machen. Das unjüdische Zweischneiden des lebendigen Kindes, diese unglückselige Epoche der Entzweiung der deutschen Judenheit, ist vorüber. Die Reformsucht ist scheinbar erlahmt, aber auch die Orthodoxen sind leider Gottes in kleiner Zahl. Durch diese bedauerliche Thatsache werden die Synagogen mit Orgelbgleitung und interkonfessionellem Damenchor auch nicht voller. jisTj jiyb permn v~nn cs ,amnsn bc rs cvs ~b das Judenthum muß organisirt werden. Das Bekämpfen oder Todtschweigen des Zionismus, des Lebensodems des Judenthums in dieser bitterbösen Zeit der Judenhetze und des wirthschaftlichen Boykotts im östlichen Europa, heißt, sich in sein eigenes Fleisch schneiden. Die unversiegbare Werbekrast deö Zionismus mit seinen alten und doch immer neuen, echt jüdischen ethischen Idealen, muß alle mitreißeu, die da guten Willens sind. Die Mehrzahl der „auf Erden lebenden" (?) Angebörigen des jüdischen Volkes sind durch ein gemeinsames seelisches Empfinden geeint. Diese Behauptung iss viel aufrichtiger, Herr Ephraimsohn! Knüpfen uns doch im Chaos des sozialen Kampfes tausend zarte, aber doch unzerreißbare Fäden mit der sittlichen Gemeinschaft unseres Volksthums zusammen. Sind wir denn eine Religionsgenossenschaft mit beschränkter oder unbeschränkter Haftung? nn n: c'zzy Sntr’ bz Dies sind ernste, tiefdurchdachte, religiöse Anschauungen. Wer sich aber seine anderen Meinungen aus nur. ri2"3r: erkünstelt, bekundet nur sein oberflächliches Kennen unserer heiligsten Satzungen, und wer die hochentwickelte hebräische Sprache „unbiblisch, Kauderwelsch" nennt, eine Sprache, die Millionen Juden von Rußland, Galizien, Amerika und des Orients zu einem kulturellen Herzensbedürfnisse geworden ist, bescheinigt selbst die Unkenntniß derselben. Diese vorläufige Entgegnung dem Herrn Ephraimsohn allein. Eine ausführliche Behandlung dieses Themas sott in einer unter dem Titel demnächst erscheinenden Broschüre anberaumt werden. c'bvrr, res.“* Wenn Sie, verehrter Herr Redakteur, den Frieden lieben, so lassen Sie friedenshalber rss die Wahrheit vorangehen. H ermann Hirsch K o h n. (Anmerkung der Redaktion. Wie wird Herr Hermann Hirsch Kohn, der in Herrn Ephraimsohn einen westeuropäischen Kommerzienrath vermuthet, erstaunt sein, zu erfahren, daß dieser Herr ein bekannter, russischer Gelehrter ist, der mitten in der russisch-zionistischen Bewegung steht und seine Landesgenossen und deren Gesinnungen sehr genau kennt. Wenn Herr Ephraimsohn, der selbst ein vorzüglicher Hebräer und naturgemäß ein begeisterter Verehrer dieser Sprache ist, vor dem Mißbrauch des Loschaun hakaudesch warnt, so wird er wohl seine triftigen Gründe dafür haben. Herr Ephraimsohn wohnt in Bauske in Kurland. Herr Kohn kann seine Broschüre nach Erscheinen derselben dem genannten Herrn einsenden. Das russische Judenihum, das sich von den goitesleugnerifchen Wiener Feuilletonisten, die in der „Reuen Fr. Presse" die Evolutionstheorie predigen, in der „Welt" dagegen Artikel zu allen jüdischen Fest- und Fasttagen bringen, die vor Frömmigkeit triefen, das Judenthum, sagen wir, das sich von solchen Leuten führen läßt, ist es werth, „in der schärfsten Tonart angegriffen zu werden." Herr Ephraimsohn hat übrigens nicht nur gegen die Zionisten, sondern auch gegen die Assimilan-