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Der Israelit · 1901-10-28 · Heft 85 (28.10.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 85 (28.10.1901)
Date
1901-10-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1861 ten geschrieben, ihm sind alle die, die ihre Emunah gegen andere Dinge zurücktreten lassen, gleichwerthig, beziehungsweise gleichnnwerthig.) Feuilleton. Had? vierhundert fahren. 12] Von Friedrich Rott. Frau Nlüller war einverstanden. Die einfache Toilette, sowohl der Damen als der Kinder, war rasch in Ordnung: V'tüe nahmen nur Regenmantel und Hut und begaben sich hinnter. Jsabella war im Vorübergehen auf einen Augenblick in ihre Wohnung eingetreten, um den Mantel umzunehmen; Juanita reichte ihr denselben mit tiefem Seufzen. „Das gnädige Fräulein werden allein ausgehen?" „O, nicht doch, ich gehe init der lieben, alten Dame und den schönen Kindern." Juanitas Busen hob sich abermals zu noch tieferem Seufzer, ihre Lippen bewegten sich, aber was sie murmelten, war unverständlich. Ihre Herrin legte lachend den Zeigefinger aus den Mund, dann aber nickte sie ibr freundlich zu und eilte hinaus. Juanita blickte ihr grollend nach. „O, ihr Heiligen, was man nicht Alles erlebt! -- Fräulein von Rauhensteilt geht mit den Juden vor aller Welt spazieren! Wenn das ihr Vetter wüßte — net, morgen wird er's wissen und ich hoffe zu allen Heiligen, er lvird vielleicht am Abend schon hier sein und wird dem Skandal ein Ende machen. — Bis dahin muß man's gehen lassen, wie's geht — ich kann nichts thun —" „Guten Abend, Frau Juanita!" ries die Helle Stimme der Frati Holm durch das offenstehende Fenster ihr entgegen, „haben Sie das gnädige Frältlein gesehen? Fräulein von Rauhenstein scheint sich mit ihren Nachbarn allsgezeichnet zu unterhalten. Den ganzen Nachmittag ist sie bei ihnen gewesen und jetzt sind sie dort Alle miteinander auf der Brücke." Die kleine Frau empfand nicht geringe Befriedigung über die Wendung, welche die ihr am Morgen so unerquicklich geschienene Affaire genommen hatte und konnte sich dieser harmlosen Rache der Kammerfrau gegenüber nicht enthalten. „Es ist nur gut," fuhr Frau Holm fort, „daß wir Ihrer Aufforderung, die Familie Müller aus dem Hause zu weisen, nicht entsprochen haben, das gnädige Fräulein wäre außer sich gewesen." „Na, na," brummte Juanita, „es ist noch nicht aller Tage Abend." j „Was wollen Sie damit sagen?" fragte Frau j Holm, „aller Tage Abend ist es freilich noch nicht, aber heute Abend habe ich meine Freude daran, wie unsere Einwohner alle mitsammen so friedlich und freundlich mit einander verkehren, Da sehen Sie, die Familie aus dem zweiten Stock ist auch zu ihnen gekommen und die Parteien aus dem Hinterhaus möchten sich, wie es scheint, ihnen auch gerne anschließen, sie halten sich in ihrer Nähe, wagen sich aber nicht heran. Aber jetzt hat Frau Müller sie gesehen und hat ihnen so lieb und freundlich zugenickt, jetzt sind sie Alle zusammen." In der That hatte das Erscheinen der vornehmen, jungen Dame, die durch die Gefahr, in der sie am vorhergehenden Tage geschwebt, das allgemeine Interesse erregt und unter den Besuchern des Bades eine gewisse Sensation hervorgebrachi, die sich noch steigerte, als man Jsabellas blendende Schönheit gewahrte, und von einigen der Familie Holm Näherstehenden erfuhr, daß das junge Mädchen Besitzerin eines fabelhaften Vermögens wäre. Letzteres hatte nämlich Juanita am Morgen ihren Wirthsleuten mitgetheilt in der Hoffnung, sie dadurch leichter zu bewegen, die ihr so verhaßte Judenfamilie aus dem Hause zu weisen. „Warten wir nur ab," grollte Juanita, „warten!oir nur ab. Ich wette mit Ihnen, um was Sie wollen, daß das gnädige Fräulein morgen Abend nicht mit den Juden spazieren gehen wird." Frau Holm zuckte die Achseln. „Das weiß ich nicht und darüber wette ich nicht. Aber, meine liebe Frau Juanita. ich möchte Sie sehr bitten, reden Sie in meinem Hause und namentlich in meiner Gegenwart nicht so laut und in solch' wegwerfender Weise von den Juden. Und besonders von Müller's. Sehen Sie. die Familie Müller haben Alle, Alle sehr gern, weil es so liebe, seine Menschen sind. Der Herr Doktor, wenn er Zuweilen auf einige Tage hier ist, wird dann von allen armen Kranken konsultirt, von denen er aber keine Bezahlung nimmt. Da ist es ja natürlich, daß man die Familie gern hat — und erst die lieben, braven Kinder. — Wir thun uns was daraus zu Gute, daß die Familie schon das vierte Jahr bei uns wohnt." „Was kümmert das mich," grollte Juanita, „ich möchte von keinem Juden etwas verdienen. — Ach, wenn ich das voraus gewußt.hätte — wenn ich das hätte ahnen können, längst wäre ich zurückgekehrt in meine Heimath, in mein liebes, schönes Spanien, wo es keine Juden gibt, wo ich Ihnen noch heute Plätze zeigen könnte, auf denen man die Juden verbrannt hat.- Ach Spanien! — Spanien!" „Hm," machte Frau Holms, „ich habe auch davon gehört, daß vor mehreren hundert Jahren die Juden aus Spanien vertrieben wurden, und daß derjenige, der nicht gleich gegangen ist, verbrannt wurde. Da kann ich mir wohl denken, daß man noch die Plätze sehen kann, wo dieses geschah. Aber ich habe mir auch

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