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Der Israelit · 1901-10-28 · Heft 85 (28.10.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 85 (28.10.1901)
Date
1901-10-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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w>, «■'- u jm'-> - v.J^wjMH^jw^oa^v.wj '-"i w 1857 Rabbiner wenden nnd sich auf ihn verlassen. Er ist also in der That der Lehrer und Erzieher seiner Gemeinde. Wie aber der beite Schmeichler der ärgste Erzieher ist, so dars auch aus der Kanzel, wo der Rabbiner sein Erziehungsgeschäft in erster Reihe ausübt, nur ernste Mahnung und ausrichtige Belehrung Platz finden. Da wird die Predigt weniger unterhaltend, aber uinsomehr a n ballend wirken. Natürlich ist die LcbenLtveise des Rabwiners die beste Ri oral predigt. — Hiermit wollten wir den lvundesten Punkt der praktischen Neologie nur beriihrt haben. Bei der steten belehrenden Thätigkeii des Rabbiners ist für ihn ein emsiger Forschen in den Quellenschriften des Judenthums unerläßlich; die wirksame Belehrung wird wohl aus seinem eigenen Gemüthe entspringen. aber als berufener Interpret des Religionsgesetzes, wenn er in religiösen Fragen zu entscheiden hat. da muß die eigene Persönlichkeit in den Hintergrund treten; er bat nur in den Codieis zu forschen und was diese diktiren, hat er als hochstehende Wahrheit zu verkünden. Nicht seine subjektive Meinung soll er vortragen, vielmehr „des Priesters Lippen sollen Wissen b e )v a h r e n «'nicht Umstürzen) und Thora soll man von seinem Munde suchen (nicht Philosophie oder Philologie), denn ein Bote Gottes ist ja er." iMaleachi ich 7.) Groß, heil'g, schwer und verantwortungsvoll ist des Rabbiners Aufgabe, und er bezieht kein Gehalt dafür. Nach jüdischer Auffassung ist die Gelehrsamkeit kein Krämerladen. (Bergl. Sprüche der Bäter I V, 7.) Wie Mosche Rabbenu die Thora von Gott umsonst bekomnren und sie umsonst Israel übergab, also soll auch der Rabbiner, wie jeder Thorakundige, die Thorakenntniß unentgeltlich verbreiten. (Bergl. (xy r: miaa). Man bezahlt auch durchaus nicht dem Rabbiner als solchem, sondern man versetzt ihn durch sein Gehalt in die Lage, daß er, ohne irgend einem Geschäfte nachgehen zu müssen, sorglos leben und ungestört seinen Studien obliegen könne. tb'.ru inti'K Das „Gehalt" könnte den Rabbiner vielleicht für seine Mühe, keineswegs aber für die schönere Verantwortung, die er trägt, für die unausgesetzte Sorge um das Wohl seiner Gemeinde, entschädigen. Diejenigen aber, die! den Rabbiner zu einem bezahlten Beamten degradirten, über dessen Religion und Gewissen der Gemeinde-Vorstand zu disponiren hat. haben nicht nur gegen den jüdischen Geist gesündigt, sondern haben auch den nüchternen Verstand, die praktische Vernunft außer Acht gelassen und machten aus dem Rabbiner-Beamten einen gewiffenlosen Pfaffen. Daher mag es auch kommen, daß der neologe Rabbiner gewöhnlich nach einigen Jahren abwirthschaftet,,, während sein echt jüdischer Kollege nicht nur an Wissen. > sondern auch bei jedem ehrlich denkenden Menschen an Achtung zunimmt. n-van n\rp7üt? for bs Dt:n (♦x*y 2*jp an ero rfiori’J (Fortsetzung folgt.) Aettungs«achrLchterr und Correspoudeuzeu Deutschland. Berlin. Dem VII. Jahrgang des vortrefflichen, von dem bekannten hebräischen Publizisten A. M. Luncz herausgegebenen „Palästina-Almanach" für das Jahr 5662 entnehmen wir nachstehende statistische Einzelheiten über die Zahl unserer Glaubensgenossen im heiligen Lande: Die Gesainmtzifser der in achtzehn Städten Palästinas wohnenden Juden beträgt 45,452, die in zwanzig Kolonien Ansässigen werden auf 4935 angegeben. Große Gemeinden mit über tausend Seelen sind nur in den fünf Städten Jerusalem, Safed, Liberias, Jaffa und Hebron vorhanden, welche zusammen 44,900 ld. h. 97 pCt. aller in den Städten wohnenden Juden) aufweisen. Bon den 23,943 Aschkenasim sind nicht iveniger als 15,575 (d. h. 70 pCt.) auf unmittelbare Unterstützungen angelviesen. Die aus sämmtlichen jüdischen Gemeinden des Abendlandes für die Aschlenafim einlaufenden (Ehalutah-) Spenden gelangen an 25 Landsmannschaften, Kollelim genannt, zur Vertheilung. Die Höhe des auf die einzelne Familie kommenden Antheils ist je nach der Wohlhabenheit und Freigebigkeit der Juden des betreffendenHeimathlandes^. sowie je nach der Anzahl der aus demselben stammenden Familien sehr verschieden. So werden die aus Ungarn einlaufenden 200,000 Frs. jährlich nur unter 1300 Familien vertheilt; jede Familie mit fünf Köpfen erhält also alljährlich die für palästinensische Verhältnisse immerhin beträchtliche Unterstützung von 770 Fres. Dagegen stellt sich für die 2OO Familien aus dem russischen Gouvernement Wolhynien die Jahresguote nur auf 45 FrrS. Für die 190 Angehörigen der Landsmannschaft „Hand" (Holland und Deutschland) laufen jährlich über 30,000 Fes., also pro Familie je 8OO Fres. ein. Dabei erhalten die Mitglieder dieser Landsmannschaften nur 55 pCt. aller aus Holland- Deutschland eingehenden Beträge, während der Rest als sog. „Kleine Ehaluktah" gleichfalls unter alle Juden Palästina's zur Vertheilung gelangt. Gleichfalls in die „Kleine Chalukkah" fließen die 54,000 Fres., welche Amerika beisteuert. Jnsgesammt gehen aus den Ländern des Abendlandes für die Aschkenasim an Chalukkah-Geldern etwa 800,000 Fres. jährlich ein, welche, wenn unter die 3O0O nothleidenden Familien gleichmäßig vertheilt, für jede Familie eine in's Gewicht fallende Unterstützung bedeuten würde. . lieber die jüdischen Kolonien, berichtet du >„Almanach": Während der letzten zwanzig.Jahre.sind.,von Juden in Palästina 51,540 Hektar Land erworben und auf 15,200 derselben 20 Dörfer und 13 Plantagen errichtet worden, lvährend 16,340 Ha. noch der Besiedelung harren. In den Kolonien leben in 708 nach euro-

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