Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1901)
- Date
- 1901-10-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1841 Ich könnte, meine Herren, noch unzählige Belege erbringen. Doch die angeführien mögen genügen. Die Solidarität, das ausgeprägte Gefühl der Zusammengehörigkeit, das feste, brüderliche Zusammenhalten, die gegenseitige Hilfeleistung war es also hauptsächlich, was die Erscheinung deS ewigen Ahasver ermöglichte, was die Erhaltung der Judenheit und das Fortbestehen des Iudenthums bewirkte, was das treibende Fahrzeug in den ewigen, sich nimmer erschöpfenden Sturmeswogen aus dem Ozean der Weltgeschichte ausrecht erhielt. Nur in der Konstellation der Rettungshäfen, in der Anordnung derselben durch die Jahrhunderte, darin möge man die Vorsehung und die Wunder Gottes erblicken. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzett. Deutschland. München, 16. Okt. Im Anschluß an den sabbatlichen Ehewra-Vortrag widmete Herr Dr. Ehrentreu dem großen Lehrer und Führer in Israel, Rabbi Sigmund Auerbach s. A. Worte der Liebe, der Verehrung und der Bewunderung. -j?: llb-xb rrin rpin inw -i'nn „Die voll der Erkenniniß sind, sie leuchten wie die Sonne, wie das Glanzgestirn am Firmament, und diejenigen, die Viele zur Frömmigkeit leiten, wie die Sterne immer und ewig." Diese Worte waren das Fundament, von welchem aus Redner seine Ausführungen weiterbaute. Der große Meister, dessen Verlust unsere ganze große Volksfamilie allzufrüh zu beklagen hat, gehört im wahrsten Sinne des Wortes zu den ‘p^xe. In seinem Leben war er eine Sonne am Himmel des Judenthums, aber auch jetzt noch strahlt sein Licht weiter und wird fernerhin Glanz verbreiten durch Diejenigen, welche er von seinem Lichte erleuchtet und mit seinem Geiste genährt hat. Deßhalb hat nicht nur die altberühmte Gemeinde, welche die Stätte seines Wirkens bildete, um den großen, tiefschmerzlichen Verlust zu klagen, sondern das deutsche Judenthum, das Judenthum im Allgemeinen fühlt sich bis in's innerste Mark mitgetroffen. Angesichts des heil. Sabbat müssen freilich Klage und Trauer, sowie jede Aeußerung des Schmerzes verstummen. Es ist aber leine Beeinträchtigung der Heiligkeit des göttlichen Ruhetages, wenn die Bedeutung des Mannes, das, was er uns war und was uns mit ihm verloren ging, in kurzen Strichen gezeichnet wird. Er hat ja auch in unserem engeren Vaterlande, in Bayern, ein Jahrzehnt lang au leitender Stelle gewirkt und zahlreiche Schüler zu den Quellen der Gotteserkenntniß geführt. Und gerade an dieser Stätte, wo so oft auf die Wichtigkeit des Thorastudiums hingewiesen wird, erscheint es als Ehrenpflicht, des Mannes zu gedenken, der eine der festesten Stützen, einer der vornehmsten Träger des Thorastudiums in Deutschland gewesen. Durch seinen Heimgang hat die bx'-e" 712:2 die ganze Gemeinde Israel eine schwere Einbuße an ihrem Glanze und an ihrer Herrlichkeit erlitten, denn sie hat eine ihrer Zierden verloren, ein herrlicher Edelstein ist aus ihrer Krone entfallen. Dr. Sigmund Auerbach s. A. gehörte zu den größten Gelehrten unseres Zeitalters, er zählte zu den hervorragendsten 2*03n in Deutschland. Die heilige Lehre war die Geliebte seiner Jugend, die Freude seiner Mannesjahre, um ihre Liebe hat er geworben und gerungen mit aller Kraft seines großen Geistes, mit der ganzen Inbrunst seiner reinen Seele, ihr hat er gehuldigt bei Tag und Nacht, und weil er so treu und ausdauernd um ihre Liebe geworben, ward er auch erhört und zu ihren Lieblingen erkoren; sie hat ihm geöffnet ihre innersten Gemächer, ihm offenbart ihre geheimsten und kostbarsten Schätze. Aber diese kostbaren Schätze, die sein Geistesauge erfreuten, hat er nicht neidisch verborgen vor den Augen der Welt und hat sie nicht mit sich in's Grab genommen. — er hat sie seinen zahlreichen Schülern mitgetheikt zum Segen der Mit- und Nachwelt. Er war ein eifriger, veinlich gewissenhafter und ungewöhnlich erfolgreicher Arbeiter im Weingarten Gottes, den er mit vielen edlen Reben bepflanzte, Dornen, Unkraut und Gestrüppe sorgfältig von denselben fernhaltend. Was er gepflanzt, das wird noch in den spätesten Jahren durch seine Früchte Heil und Segen in weiten Kreisen verbreiten. So lange er lebte, erfreute er uns durch das Licht seines Geistes gleich einer Sonne am Himmel des Iudenthums und jetzt, da er uns leider entrissen, ruft Gesammt-Jsrael ihm nach: „Die Fürsten der Thorakenntniß, sie leuchten wie das Glanzgestirn am Firmament und Diejenigen, die Viele zu den Quellen der Erkenntniß geleitet und zur Frömmigkeit geführt, ste leuchten noch nach ihrem .Hinscheiden wie die Sterne für und für! pnx nDh Das Andenken des wahrhaft Frommen wirkt fort und fort segensreich!" Q e st e r r e i ch. Wien. Der in Lemberg erscheinende „Slawe Polski" bespricht den immer noch schwunghaft betriebenen Mädchenhandel aus Oesterreich und Rußland, vornehmlich nach Südamerika, und erzählt zur Jllustrirung den nachfolgenden Fall: „Vor kurzer Zeit erschien in Lemberg ein gewisser -Harry H., angeblich zum Besuche seiner bei Lemberg wobnenden Eltern und legitimirte sich als Agent einer Goldminengesellschaft. Der elegante junge Mann lernte die Tochter Clara eines Beamten der israelitischen Kultusgemiende kennen und bewarb sich nach kurzer Bekanntschaft um deren Hand. Die Eltern gaben ihre Einwilligung und nach der Trauung trat das junge