Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1901)
- Date
- 1901-10-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1832 fähig, hier jedoch mußte sie versagen. Es gibt Naturen, die so edel und zart veranlagt sind, daß sie für den brutalen Kampf um's Dasein nun einmal unbrauchbar erscheinen. Ein Glück, daß er auf denselben im gewöhnlichen Sinne des Wortes nicht angewiesen war. Er wäre anders für ihn verloren, noch bevor er ausgenommen worden. Das Glüa, dessen sich das Judenthum freiwillig beraubt, es sollte zu unserem Vortheile ausschlagen. Wir haben ihn in Folge dessen desto ungetheilter besessen. Obwohl die unter seiner Leitung zurückgelegten Studienjahre nichts von der alten, feuchtfröhlichen Burschenherrlichkeit an sich hatten, vielmehr ein Maß von Arbeiten forderten, zu denen die jugendlichen Kräfte kaum auslangten, sie waren doch die schönsten des Lebens. Als wir ihn verließen, war uns zu Muthe, als würden wir in eine andere, rauhere Welt hinausgestoßen. Er war sich wohl auch dessen bewußt, daß er von seinen Jüngern viel verlangte. Er wollte sich in ihnen eine Heldenschaar wackerer Kämpen heranziehen. Die vielseitigen und reichen Mittel der Erkenntniß, die er uns an die Hand gab, sie sollten nicht eine Waffe bilden, um damit den Leib des Judenthums zu zerstückeln, wie dies leider so vielfach geschieht. Er wollte sie als eine Ausrüstung betrachtet sehen, um auf diese Weise der Lehre des Judenthums desto besser und nachdrücklicher zur Anerkennung verholfen zu sehen. Ob seine Erwartungen nach der Richtung nicht enttäuscht wurden, — wer vermag es zu sagen? Böser Wille und Lässigkeit trugen gewiß nicht ausschließlich die Schuld daran. Als ich jedoch vor einigen Jahren meine Schrift „Glaube und Kritik" herausgab, da hatte ich das Gefühl: das sei eine Thai, so ganz in seinem Sinne. Meine Annahme sollte ich auch bald bestätigt sehen. Kurze Zeit, nachdem ich ihm das Werk vorgelegt, erhielt ich folgendes Schreiben: „Mein lieber Herr Doktor! Ich habe soeben die Lektüre Ihrer Schrift „Glaube und -Kritik" vollendet und kann nicht umhin, Ihnen sofort herzlichsten Dank für Ihre Arbeit zu sagen. Sie haben in treffenden Morten die Anmaßung, die Mißdeutungen und Bor- , urtheile, die wie unsterbliche Kost fort und fort gegen unseren heiligen Glauben und dessen Grundschriften von gegnerischer Seite einem unkundigen und vorurtheilsvollen Publikum als Ausfluß aller Wissenschaftlichkeit dargeboten werden, für Jeden, der sehen und denken will, dargelegt. Ich rufe Ihnen nochmals irrs -p" zu und grüße Sie freundschaftlickst. Ihr Freund und Lehrer Sg. Auerbach. Das Lob, welches er meiner Arbeit spendete, ich setze es mehr auf Rechnung seiner nachsichtsvollen Beurtheilung, als auf das Verdienst meiner Leistungen. Es zeigt jedoch am besten, wie er denjenigen, die er einniaf in sein Herz geschlossen, allezeit gewogen blieb. Die Ehre des Schülers war ihm überhaupt so theuer wie die eigene. Ich wüßte nicht, daß ich mich je mit einem Briefe oder sonstigem Anliegen an ihn gewendet hätte, ohne nicht sofort die Antwort zu erhalten. Das will bei der umfangreichen Correspondenz, die er zu erledigen hatte, nicht wenig sagen. Wo immer ein Nothstand ausbrach, die Armen aller Länder, namentlich die des heil. Landes, sie nahmen immer zu seiner unerschöpflichen Güte ihre Zuflucht. Leider hat diese aufopferungsvolle Thätigkeit frühzeitig seine Kraft aufgerieben. In den letzten zwei Jahren seines Lebens glich sein Leben einem Adler, dem die Schwingen gebrochen. Der kühne Geist raffte hie und da noch einmal alle Kräfte zum Fluge himmelan zusammen. Bald jedoch ließ er erschöpft nach. Den Schwingen war die Spannkraft versagt. Wie schon darauf hingewiesen, war es am Ausgange des letzten Sabbat schuwo, da der Tod als Erlöser ihm nahte. Es war dies gerade die Zeit, wo er sonst vor versammelter Gemeinde schwierige talmudische Problem erörternd, im Hochgenuß geistiger Wonnen schwelgte. Wie öde mag ihm bei der Erinnerung daran sein gegenwärtiger Zustand erschienen i'ein? Wie mag das in dem armen Herzen gewogt haben? Welche heiligen Schauer mögen es erst in Anbetracht des eben bevorstehenden Versöhnungstages durchbebt haben? Sein Adlergeist wird da wohl wieder zu einem kühnen Fluge ausgeholt haben. Es war wohl eine furchtbare Kraft, mit der er diesmal eingesetzt. Der Aufstieg gelang. Doch vermochte ihm der leider schon gebrechliche irdische Gefährte nicht mehr zu folgen. Leblos sank er zu Boden. Unsere Herzen traf es mit einem namenlosen Weh. Das Vorbild, zu dem wir mit stiller Bewunderung em porgesckaut, ward unseren Augen entrückt. Israels schönste Zierde lag von der unerbittlichen Gewalt des Todes gefällt da. Sein Genius verhüllte trauernd das Haupt. Wer weiß, wie lange er unsere besten Kräfte! wird sammeln müssen, um zu einer so vollendeten i Edelschöpfung ausholen zu können^ Thränen bilden I den geringsten Tribut, den wir einem solch' unersetzlichen Verluste zu zollen hätten. Er fordert — und dies wäre auch ganz nach des theuren Heimgegangenen Sinn - einen weit größeren — — Thaten! — Thaten! Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. In Babylon ist es der von der Deutschen Orient-Gesellschaft entsendeten Expedition unter Leitung des Dr. Koldewey gelungen, den Thronsaal' Rebukadnezars zu entdecken, einen mächtigen Ban von 18 Metern Breite und 62 Metern Länge. Der Ein