Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1901)
- Date
- 1901-10-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1828 bens veranlaßte er, Die Armen im heiligen Lande mit einer Unterstützung zu versorgen. Keinen Tag ließ er verstreichen, ohne zu „lernen," kein Gottesdienst wurde versäumt. Ein Vergnügen war es für mich zu sehen, wie der Vater, von gegenseitiger Liebe und Verehrung erfüllt, seinen Angehörigen mit seinem ganzen Sein zugethan, wie er im Verkehr mit uns so bescheiden war, sich nicht nur als Lehrer, sondern auch als vertraulicher Freund zeigte. Moses Neuhaus s. A. war ein Mann von echtem Schrot und Korn, fern aller Heuchelei und Schmeichelei, der so sprach, wie er es dachte, und den heutigen Lehrern nach jeder Seite hin als Vorbild dienen kann. Ein solch' großes Leichenbegängniß hat man am Platze noch nicht beobachtet. Ein unabsehbares Gefolge schritt hinter der Bahre, die Schule, die jüdische Gemeinde, auswärtige Schüler, Bekannte, eine große Anzahl jüdischer Lehrer aus vielen Gemeinden Hessens, die christlichen Kollegen und Bürger des Ortes, begleiteten die sterblichen Ueberreste zur letzten Ruhestätte. Herr Landrabbiner Dr. Prager schilderte in einer Alle zu Thränen rührenden Rede die Verdienste des Heimgegangenen um Schule und Gemeinde, hob hervor, welchen lieben, guten Gatten und Vater die Familie verloren und dankte in seinem und im Namen des Vorsteheramtes der Israeliten in Caffel für die treue Mitarbeit. Sodann feierte der Vorsitzende des jüdischen Lehrervereins in Hessen, Lehrer A m r a m in Borken, den Entschlafenen als treuen Kollegen. Zuletzt sprach Lehrer K a tz - Nentershausen, ein Schüler des Verstorbenen, im Namen der Schüler Worte des Abschiedes und des tiefsten Dankes. In dem Gedanken, daß wir der Vesten Einen dem kühlen Schoße der Erde anvertraut, und in dem Bewußtsein, daß zur Freude des Heimgegangenen sein ältester Sohn Aron 'Neuhaus die Gemeinde in seinem Geiste weitersührt, damit dieselbe ein treues Glied der rHnp bleibe, schieden wir vom Grabe, xa' •mr: eniratPB bv irr:* „Komme in Frieden und ruhe im Grabe, der du in Geradheit gewandert mit Gott und deinen Mitmenschen." Ein treues Andenken bewahren Dir Deine Freunde. S a l l y K a tz , Windecken. Pfastatt b. Mülhaus. (Elsaß.) Am 2. Oktober wurde die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Wie überall, fanden sich zu dieser Feier eine große Anzahl Israeliten, namentlich aus Mülhausen, ein. Nachdem Herr Rabbiner Schüler aus Bollweiler im alten Bethause eine ergreifende Abschiedsrede gehalten, setzte sich um 2 Uhr Nachmittags der festliche Zug zur neuen Synagoge unter Musikbegleitung in Bewegung. Dort angelangt, hielten Herr Oberrabb. Dr. Weil in Colmar und Rabbiner Blum in Mülhausen Weihepredigten, welche großen Beifall fanden. Schweiz. Zürich, 21. Olt. Auf Sonntag, den 27. Oktober, ist ein allgemeiner schweizerischer Zionistentag nach Zürich einberusen zwecks Besprechung von Organisationssragen und eugern Zusammenschlusses der schweizerischen Zionisten, unter besonderer Berücksichtigung des im Dezember in Basel tagenden allgemeinen Welt-Zionisten-Kongresses. An dem schweizerischen Zionistentag werden unter andern referiren. Dr. Levy (Biel) über „den Zionismus.in der Schweiz," Dr. Pasmanik (Genf) über „Zionistische Agitation," und Veit (Basel) über „Organisation." Literarische Notiz. Herr Rabbiner Simon Müller in Farkad, Com. Neutra (Ungarn) hat das 'rnpB das bekanntlich bestimmte Gebetstücke für die o’ö* und m »ev, rr^ r^ire enthält, auch dem Ungelehrten dadurch zugänglich gemacht, daß er diese nrra mit Punltation versehen, den Conunentar 'p:i sp beigedruckt und eine gute jüdisch-deutsche Uebersetzung beigefügt hat. Feuilleton. Kach vierhundert Hahren. uz Von Friedrich Rott. „Glauben Sie das? Ich habe mich in jüngster Zeit oft mit dem Plane getragen, mich dem Studium zu widmen, selbstverständlich dem der Medizin. Aber der Onkel will nichts davon wißen, weil er will, daß ich den Vetter heirathe. Aber ich weiß noch gar nicht, ob ich das thue. Und falls ich's nicht thue, dann werde ich vielleicht in einigen Monaten, wenn ich mündig bin, mit dem Studium der Medizin beginnen." Frau Müller schüttelte den Kopf. „Thun Sie das nicht, Fräulein, Sie tvürden Ihre Bestimmung vollständig verfehlen. Die Frau soll in erster Linie für die Familie leben." „Aber wenn ich keine habe?" — „Folgen Sie dem Rathe Ihres Onkels —" „Wie. Sie meinen, ich sollte meinen Vetter heirathen, auch wenn ich glauben würde, daß es zu häufigen Reibereien zwischen uns käme?" „Wenn Sie das in Wirklichkeit fürchten, so kann ich Ihnen allerdings nicht empfehlen, gerade dem Herrn von Rauhenstein die Hand zu reichen, aber doch einem andern, braven Mann. Sie sind jung, liebenswürdig —" „Und bekannt als reiche Erbin," fiel Jsabella mit einer gewiffen Bitterkeit ein, „da kann es mir allerdings