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Der Israelit · 1901-10-24 · Heft 84 (24.10.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 84 (24.10.1901)
Date
1901-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1827 Diakonissinnen. Die Verpflegung ist selbstverständlich nicht rituell. (Alle Versuche, rituelle Verpflegung für die jüdischen Insassen zu erlangen, scheiterten an den Tendenzen der Anstalt. Das ist ja der Leitung absolut nicht zu verargen: zu verargen ist es nur dein Autor jener Notiz, der „über die Verhältnisse zweifellos gut orientirt" ist, das; er diese für eine richtige Beurtheilung der ganzen Frage so wichtigen und auch ihm bekannten Thatsachen verschwiegen hat.1 Daß die Anstalt auch jüdischen Pfleglingen hier und da Aufnahme gewährt, ist nicht neu und auch selbstverständlich: auch alle anderen in Deutschland bestebenden etwa fünfzig Kinderheilstätten verschließen jüdischen Patienten nicht prinzipiell ihre Pforten: dasselbe gilt ja auch von fast allen Krankenhäusern, die einen allge meinen Charakter tragen. Und trotzdem trat das Be dürfniß nach eigenen jüdischen Anstalten hervor. Wie ausgezeichnet gewähren sich diese jüdischen Institutionen! Neben vielen anderen (Gründen ließen es nicht zum allerwenigsten Humanität und Toleranz als geboten erscheinen, daß man auch jenen zahlreichen jüdischen Kreisen, denen die Befolgung der religiösen Vorschriften, zumal der rituellen Speisegesetze, Gewissenssache ist, (Gelegenheit gab. die Wohlthaten derartiger Anstalten zu genießen. Cigenthümlich, ztvei Seiten hinter jener Notiz macht dasselbe Blatt einen Pastor zum Lehrmeister des (6. Cs wird dort die Frage aufgetvorsen: „Was brgucht's eine besondere jüdische Arbeiterkolonie, neben den dreißig in Deutschland vorhandenen. auch den Juden offenstehenden Anstalten?" Alls diese Frage läßt das Blatt Herrn Pastor Märchen antworten: „Das Gewissen aufrichtig strenggläubiger Juden in Bezug aus Sabbat, Speiseordnung und Frömmigkeitsübungen verdient Achtung und Schonung. Das ist aber natürlich in besonderen jüdischen Zufluchtsstätten leichter zn erreichen, als in allgemeinen." Dasselbe gilt in einem um so erhöhten Maße von den jüdischen Kinderheilstätten! In der Thal sehen lvir, daß seit dein Bestehen eigener jüdischer Kinderheilstätten diese stch eines immer größeren Zuspruchs erfreuen und den an sie von Jahr zu Jahr immer stärker berantreieuden Bedürfnissen kaum genügen können. Während kn der „interkonfessionellen" Anstalt zu Kistingen sich unter den fast 160 Pfleglingen ein einziges jüdisches Kind befand — und nicht zwei, wie es fälschlich in der G.-Notiz heißt — vervflegen die vier in Deutschland bestehenden jüdischen .Kinderheilstätten insgesammt etwa 600 jüdische Kinder! Cs hat sich nämlich gezeigt, daß auch jene jüdische Kreise, bei denen die Befolgung der rituellen Speisegesetze nicht so schwer in's Gewicht fällt, mit Vorliebe ihre Kinder in jüdische Anstalten schicken. Was speziell die zu begründende israelitische Kinderheilstätte in Kifsingen betrisst, so sei auch hier ein Pastor als Lehrmeister des G. angeführt. Herr Pastor Bühlmeyer, der verdienstvolle Leiter der Kinderheilstätte in Kissingen, äußert sich nämlich über die zu begründende israelitische Anstalt in einem Schreiben: „Ihren Plan, eine eigene Anstalt zu gründen, kann ich nur mit Freuden begrüßen. Die Nothwendigkeit einer weiteren Anstalt steht außer Frage, da die Anmeldungen Iveit über die Zahl derer hinausgehen, die Aufnahine finden können. Möge darum der Plan bald Verwirklichung sindeu!" In demselben wohlwollenden Sinne äußern sich, abgesehen von den zahlreichen jüdischen Kreisen, eine Neihe hervorragender christlicher Aerzle, unter ihnen Herr Professor Stimvell-Erlangen, Herr Hofrath Dr. Dietz Kissingen. Mehr als achtzig bewährte jüdische Männer aus den verschiedensten Gemeinden Deutschlands haben sich vereint, um das ausgezeichnete Liebcswerk der Israelitischen Kinderheilstätte in Kissingen, die für arme und sieche Kinder aus Familien aller religiösen Parteischattirungen und aller Landestheile eine Duelle des Heiles und Segens werden soll, zu fördern und zn begründen. Da ist es wohl Pflicht und Gewissenssache aller edel denkender Juden, sie mögen welcher religiösen Parteirichtnng immer angehören, mit desto größerer Wärme und Begeisterung für die Israelitische Kinderheilstätte in Kissingen einzutreten, um sie zu einem bleibenden Wahrzeichen echten jüdischen Wohlthätigkeitssinnes zu machen. Am Schluffe sei, um Mißverständniffen vorzubeugen. der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß die genannte Zeitschrift bei den vornehmen Tendenzen, die sie vertritt, jener Notiz die Aufnahme versagt hätte, tvenn ihr der wahre Sachverhalt bekannt gewesen wäre. Dr. med. Münz, Nürnberg. 4li»s Hessen, l.s’. Okt. (Sine traurige Veranlassung war es, die mich am Sonntag, den 13. Olt., wieder einmal in meine Heimath Gurhagen a. Fulda führte. Cs galt, meinen geliebten Lehrer Moses Neu - h a u s zu seiner letzten Ruhestätte zu begleiten. Am Donnerstag, den 10. Oktober, umgeben von seiner Familie und mehreren seiner Schüler, denn letztere bildeten mit wenigen Ausnahmen die gesammte Gemeinde, erlag derselbe einem gnalvollen Leiden. Vierzig Jahre hindurch hatte der Verblichene seine Dienste in Treue und Liebe einer und derselben Gemeinde gewidmet. Wobl wenige Gemeinden können sagen, daß sie durchweg dem orlhodoren Judenthum treugeblieben sind, Guxhagen's Juden, auch alle auswärtigen Schüler des bcimgegangenen Lehrers Neuhaus halten G. s. D. noch fest an dem wahren und unverfälschten Judenthum, sie sind bis beute allen Neuerungen der Reform ferngeblieben. Nicht wenig trug zu dieser strenggläubigen Anschauungsweise der große Lehrer der Gemeinde bei, der nach jeder Seite ein Vorbild eines braven und guten Juden war. Cs aab kein Gebiet im jüdischen Pflichtenleben. dem der Heimgegangene geringere Sorgfalt widmete: die Armen beweinen in ihm einen Vater, der denselben stets hilfsbereit und mit freundlicher Miene zur Seite stand, und noch in den letzten Tagen seines Le-

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