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Der Israelit · 1901-10-24 · Heft 84 (24.10.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 84 (24.10.1901)
Date
1901-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1826 Hand, die Fahne, auf der die Parole der Thauroh geschrieben steht, die Parole, welche lautet: Gerechtigkeit! Sittenreinheit! und Menschenliebe! Zeitungsnachrichten uttfc Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Okt. Am Sonntag, den 13. d. Mts., fand eine Vorstandssitzung des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" statt, die von einschneidender Bedeutung für die sozialen Bestrebungen dieses Vereins sein wird. Es wurde beschlossen, von der bisher hauptsächlich betriebenen theoretischen und propagandistischen Thätigleit zur Praxis überzugehen. Der Verein, der heute weit über tausend Mitglieder zahlt und über ganz Deutschland in mehr als dreißig Ortsgruppen vertreten ist, bat sich die Sympathie weiter jüdischer Kreise erworben. Mit Ungeduld erwartete man die Inangriffnahme seines Projektes. Schon in seinem im Mai d. I. herausgegebenen Bericht hieß es, daß das Hauptaugenmerk daraus gerichtet werden muffe, ein für die Zwecke des Vereins paffendes Gut zu erwerben, und es wurde schon dort die Hoffnung ausgesprochen, daß man im Laufe des Sommers zum Ankauf würde schreiten können. Dank der rastlosen und unermüdlichen Arbeit der für die nothwendigen Vorarbeiten eingesetzten Kommission ist es gelungen, ein angemeffenes Objekt zu finden. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Thätigkeit der beiden Posener Mitglieder der Kommission, der Herren Rosenthal und Werner. Nach eingehender und umfaffender Besichtigung und Prüfung durch verschiedene .Fachleute, unter andern durch den Herrn Oberamtmann Cohn, den Vorsitzenden des Vereins, und Herrn Rittergutsbesitzer Rohr auf Langguhle, wurde das Gut „Neuhof bei Posen" als in jeder Hinsicht zur Ausbildung der späteren Ansiedler vorzüglich geeignet und als preiswertst erkannt. Auf die Darlegungen der Kommission hin, wurde vom Vorstände beschloffen, Neuhof zu erwerben. Dieser Beschluß war möglich, da ein hochherziger Freund der Bestrebungen des Vereins diesem 50,000 Mk. für diesen Zweck vorgestreckt hat. Eine intereffante Debatte entspann sich über die Form, in welcher am zweckmäßigsten der Gutsankauf zu bewerkstelligen sei. Nach gründlicher Durchberathung. an welcher außer zwei Juristen. Herr Rechtsanwalt B a h aus Posen und Herr Justizrath Schneider - Berlin, vor allem Gustav T u ch - Hamburg und Dr. Franz Ovvenheimer tbeilnahmen, kam man zu dem Entschluß, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu begründen, die das Gut zu erwerben und im Sinne des Bodenkulturvereins zu verwalten und zu bewirthschasten habe. Man wird sich demnächst an die größere Öffentlichkeit wenden, um sie aufzufordern, sich an diesem Unternehmen durch Zeichnung von Anteilscheinen zu betheiligen. Nachdem in der Vorstandssitzung selbst bereits eine gewisse Anzahl übernommen worden ist, zweifelt man nicht, daß der Rest leicht wird untergebracht werden können. Sv lvird denn binnen Kurzem der Bodenkultur verein an die Verwirklichung seiner Ideen herantreten. Es ist dies eine Thatsache von gar nicht hoch genug ein zuschätzender Bedeutung. Sollte der Versuch gelingen — und es liegt nicht die geringste Veranlassung vor, das Gegenteil anzunehmen — so ist damit der Grund gelegt zu einem Kulturwerk ersten Ranges. In allmählicher, aber steter Entwickelung wird dann ein starker, gefestigter, jüdischer Bauernstand in Deutschland cmporblühen. Das Ziel ist groß und erstrebenswertst Möge es dem Verein gelingen, in diesem Mustergut ein leuchtendes Vorbild zu schaffen: er wird, dcß können wir heute schon sicher sein, bei diesem Merle die gesammle deutsche Judenheit hinter sich haben. Diejenigen, welche sich für diese eminent bedeutungsvolle Angelegenheit näher intereffiren, verweisen >vir an den Vorsitzenden des Vereins: Obcramtmann L. E o h n . Berlin. Nürnbergerstr. 46 (Tel. X! 3586), sowie an den General-Sekretär Dr. Ernst Tuch, Eharlottenburg, Knesebeckstr. 16 lDel.-Aml Chor lottenburg Nr. 720), Ivclche jederzeit bereit sind, genaue Auskunft zu ertheilen. Hamburg, im Okt. Die neuen Auswandcrerhükten der Hamburg Amerika-Linie an der Harburger Veddel nähern sich ihrer Vollendung und werden Anfangs des nächsten Monats in Benutzung kommen. Westlich von diesen Anlagen befinden sich zwei Speise- Hallen. getrennt für Inden und Christen; in der jüdischen Küche wird unter Aufsicht eines beauftragten Be schauers des Oberrabbinats nach streng-jüdischem Ritus gekocht. Am südöstlichen Theil der Anlage nürd eine Synagoge errichtet, woselbst täglich Gottesdienst abgehalten wird. Nürnberg, im Okt. In der September-Nummer der Zeitschrift „Im Deutschen Reich" findet sich auf Seite 105 eine mit G. gezeichnete Notiz, welche offenbar ihre Spitze gegen die zu begründende israelitische .Kinderheilstätte in Kiffingen richtet. Der aus Nürnberg stammende Autor jener Notiz führt daselbst freilich Momente in's Gefecht, welche in dieser Fassung geeignet sind, irrigen Ansichten Vorschub zu leisten. Es wird da von einer in Kissingen bereits bestehenden interkonfessionellen Kinderheilstätte gesprochen, in welcher jüdische Kinder Aufnahme finden. Der Uneingeweihte könnte nun glauben, daß die Anstalt auch allen jüdischen Anforderungen Rechnung trägt. In Wahrheit aber hat die in Kiffingen bestehende Anstalt einen ausgesprochen evangelischen Charakter, steht unter Leitung des dortigen Pfarrers Herrn Bühlmeyer und mehrerer

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