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Der Israelit · 1901-10-24 · Heft 84 (24.10.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 84 (24.10.1901)
Date
1901-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1825 nach dem dreizehnten Jahre mag eine Trennung in Fachschulen eintrctcn; denn zuerst kommt die Erziehung zu einem Menschen, der im Stande ist, seine Pflichten gegen Gott, gegen sich, gegen seine Mitmenschen mit Klarheit zu überschauen und dann erst in zweiter Linie der Beruf, der unter allen Umständen nur innerhalb der Grenzen des vorgeschriebenen Pflichtenlceises auszuüven ist. Wir sehen bei diesem Erziehungsplane als Unterlage das Gewöhnen im Ueben und hierauf folgend das Berständnißgewinnen für das Ueben im „Lernen." Nur dann, wenn zwischen Schule und Haus keine Kluft besteht, nur dann, wenn das, was in der Schule gelehrt wird, sich nicht im Widerspruch befindet mit dem daheim Geübten, kann die Erziehung zu einem pflichtgetreuen, waüeren Juden erreicht werden. Bei diesen Bestimmungen über den Unterricht spielt das weibliche Geschlecht augenscheinlich nur eine Nebenrolle. Doch liegt hierin keine Zurücksetzung. Gott hat den Menschen nach seiner Weisheit Schöpfungsplan in zwei verschiedene Geschlechter eingctheilt und es können deßhalb nicht diese beiden Geschlechter zu gleichen Lebensaufgaben berufen sein. Der körperlich stärkere Mann bildet den Schutz des Weibes und dementsprechend bat auch die Frau ihren Wirkungskreis innerhalb der vier Wände und der Mann außerhalb derselben zu finden. Israels Töchter sollen bekannt sein mit dem Inhalte der schriftlichen Lehre und dadurch mit dem hohen Berufe ihres Volkes und sollen ferner ihre Pflichten als jüdische Tochter und Jungfrau, als jüdische Mutter und Hausfrau kennen lernen; jedoch die mündliche Lehre bleibe ihnen verschlossen, denn die mündliche Lehre — die bis in's kleinste detaillirte Ausführung der Thauroh — führt hinaus in den Kampf des Lebens, indem sie aufrollt alle Gebiete menschlicher Interessensphären. Freilich dem Juden der Neuzeit sagt diese Stellung der Frau nach dem Thaurohgesetze nicht zu und verächtlich wirft er sie in die Rumpelkammer mittelalterlicher Anschauungsweise. Nun, wir sind es ja gewöhnt, daß unsere jüdischen Brüder all' das, was Jüdisch heißt, in das große Meer des Vergeffens versenken. Gibt es denn überhaupt noch Ideale, die der Jude als jüdische, nur von Juden bischer gepflegte Ideale hochhält? Sagt nicht vielmehr sein ganzes Verhalten gegenüber der nichtjüdischen Welt: „Entschuldigt, daß ich auch da bin. Kann ich armer Kerl doch nichts dafür, daß ein übelwollendes Geschick mich leider in den jüd. Haufen fallen ließ. Aus freiem Willen hätte ich wirklich keine Bekanntschaft mit ihm gemacht." Und um diese seine Entschuldigung möglichst zu bekräftigen, schlevpt dann der nach den Göttern der anderen Völker Buhlende dicke Bücher herbei, aus denen er zu beweisen sucht, daß so manches Körnlein im jüd. Morast auch bei dem Nachbarn als Goldkörnlein gilt. Wahrlich, da geht jene Stelle unserer Thauroh in Erfüllung, wo es heißt: „Wenn ihr nicht gehorchet den Geboten eueres Gottes, dann werdet ihr umhertappen am hellen Mittag, als wäre es Abend." Ja, wüßten nur diese Thoren, die sich in den Geisteswerken der Völker so gern an der rohen Bestie des ritterlichen Faustrechtes ergötzen, wüßten sie nur, einen freien, männlichen Blick in jene Zeiten zu werfen, gar hoch würde sich ihr demüthiger Nacken aufrichten, denn unsere so verachteten, gemißhandelten Väter waren in ihrem Vettlergewande Könige unerschrockener Tapferkeit und heldenmüthiger Ausdauer und Priester hehrster Sittenreinheit. Jüdische Kinder ließen sich zu Tausenden lebendig zerstückeln, jüdische Mütter gaben sich zu Tausenden dem Flammentode preis, um die Königs- und Priesterkrone der Thauroh vor Schmutz zu bewahren. Wir waren die Dulder und jene, zu deren Nachkommen wir heute sehnsüchtig schielen, unsere Peiniger, unsere Mörder. Wenn es Geburtsaristokraten gibt, so sind wir es, die die Jahrhunderte tiefster menschlicher Verirrung rein und schuldlos durchschritten haben. Aristokraten sind wir; abgesondert haben wir uns durch unsere glänzende geschichtliche Laufbahn von den andern Böllern, aber auch abgesondert sind wir von ihnen in unserem Menschenberufe durch die uns von Gott gegebene Thauroh. Wieder steht unser Volk vor dem „Rothen Meer," wieder ist die Stunde höchster Gefahr herangenaht. Ein Moses, Samson Raphael Hirsch, hat uns den Weg über das Meer gezeigt; doch das Volk stirbt lieber in Egypten, als sich seine ihm von Gott verheißene Zukunft zu erkämpfen. Ueberall morsches Zusammenstürzen; eisig fegt der Herbstwind durch die dürren Blätter des jüdischen Volksstammes und weht sie zu Boden. Krampfhaft zieht sich das Herz der Wenigen zusammen, die des Jammers Tiefe überschauen, denn selbst die noch bestehenden winzigen Kreise gesetzestreuer Juden sind durchseucht von dem ätzenden Gifte unjüdischer Welt- und Lebensanschauungen. Aus den Geistesschätzen heidnischer Kultur holen auch diejenigen, die noch treu zum Sinaigesetze schwören, ihre Bildung und es kommen so unter den Besten viele zu einem Mißverhältniß, bei dem in ihnen ihr Judenthum Schaden leiden muß. Wir stehen kurz vor der zwölften Stunde; noch ist Zeit zur Rückkehr! — Sehen wir in uns, erwecken wir wieder jüdisches Selbstgefühl; seien wir bemüht, wahrhaft jüdisches Leben in Israels Mauern wach werden zu lassen; lernen wir wieder der Thauroh Geist verstehen; lernen wir wieder, von der Thauroh Warte aus, Alles von Menschen innerhalb und außerhalb Israels Erdachte und Gebildete zu betrachten. Trage ein Jeder die Fahne des jüdischen Volkes in seiner

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