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Der Israelit · 1901-10-24 · Heft 84 (24.10.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 84 (24.10.1901)
Date
1901-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1834 scheu durch Offenbarung den Gottesgedanken und durch Offenbarung seine Stellung zu Natur und Thierwelt. Zwar bestreitet die Wissenschaft diese Mittheilung der Thauroh, läßt vielmehr Alles auf natürlichem Wege durch die Nothwendigkeit sich entwickeln; aber die Wissenschaft hat die verschiedensten Theorien über das Werden des Weltalls und seiner Geschöpfe aufgestellt, und die Theorien sind eben nur Theorien. Unsere Thauroh dagegen enthält keine Theorien, sondern ist selber geschichtlich beglaubigte Wahrheit. Zwei Millionen Zeugen standen am Horeb. Unsere ganze Ahnenreihe bis hinauf in unsere Zeit hat durch treues Anhängen am Buche Gottes diese Zeugenschaft der Väter beglaubigt und geheiligt. Und da sollten wir nicht als ein weiteres Glied an diese unendliche Kette uns anschließen; sollten frevelhaft brechen mit der Vergangenheit, statt auf ihr weiterzubauen! Ist es nicht auch unser sehnlichster Wunsch, ist es nicht auch unseres Erdenwirkens schönster Lohn, unser Thun und Schassen in unseren Kindern und Kindeskindern fortgesetzt zu sehen und so unfern Geist, unser Streben, unsere Ideale, bereits auf Erden verewigt zu wissen? O, möchte ein Jeder bedenken, was er thut, wenn er, indem er vernichtet, was die Väter heiligten, damit ihr ewiges Erdenleben vernichtet! Doch so wir uns treu den Vätern anschließen, so auch wir uns in den Dienst der Tbauroh stellen, wie haben wir sie da zu verwirklichen? Wir verstummen! — Bangen übermannt uns, denn wahrlich fehlen müssen wir ja auf Schritt und Tritt gegen ihren Geist und gegen ihre Anordnungen, wo ein ganzes Leben nur die Erkenntniß von Bruchstücken ihres Wesens geben kann. Wir gehen und holen Rath bei den Weisen unseres Volkes, und sie antworten: „Du bist nicht befugt, die Arbeit zu vollenden; du bist aber auch nicht befugt, dich ihr zu entziehen; nimm Gottes Lehre und lerne; lerne aber, um zu thun, denn Gottes Wort ist nicht für das Studirzimmer gegeben worden, sondern sür's Leben in all' seinen mannigfaltigen Gestaltungen. Und wenn du, der unfertige Sobn einer unfertigen Zeit, dich dann mit ehrlicher Kraft bemüht hast, Geist und Gesetz der Tbauroh nach bester Einsicht zu erfüllen, dann rechnet Gott es dir an, als hättest du sie erfüllt genau seiner Weisung gemäß." Aber du bist noch nicht befriedigt; möchtest wissen, wie du die Thauroh im Leben verwirklichen sollst und inwieweit ihr überhaupt ein Einfluß auf dein Denken und Thun zusteht. Was ist also die Thauroh? — Sage mir, was die Welt ist; erkläre mir nur ein kleines Theilchen im Weltall nach seinem Ursprünge, seinem Inhalte, seinem Zwecke, und darnach, in welchem Verhältnis; es siebt zu anderen Theilchen. So weit du es erforscht hast, wirst du mir Rede und Antwort geben können. Doch magst du noch so tief hineingedrungen sein in sein Wesen, stets werden dir noch Räthsel zu lösen übrig bleiben; wie wirst du dahin gelangen, mit Recht behaupten zu können, es erschöpfend in allen seinen Beziehungen erfaßt zu haben. Und trotz alledem bist du glücklich mit dem Erkannten, freust dich des Erworbenen und forschest rüstig weiter. Trete auch so der Thauroh entgegen; lege nicht in frevelhaftem Uebermuthe den Maßstab nie und nimmer objeetiv sein könnender Kritik an sie, sondern forsche bescheiden und verwende ehrlich das Erkannte nach deinem Erkenntniß. Und wie bereits im Weltenreiche so Vieles deinem Verständnis; so nahe gerückt ist, das es sich für dein Wissen und Leben zum vorbildlichen System herausgebildet hat und nun als erkannter Begriff in dein Thun eingräbt, so kannst auch du aus der Tbauroh heraus grundlegende Gedanken schöpfen; ja, mußt sie schöpfen, um dein Leben zur durchdachten, zielbewußten That zu gestalten. Wo dürfen aber besser solche „methodischen Grundgedanken für Thaurohauffassung" zu finden sein, als an jenen Stellen unseres überlieferten, heiligen Schriftenthums, in denen gelehrt wird, wie Thauroh zu lernen und zu lehren ist. In der systematischen Ordnung der mündlichen Lehre, im Nambam, schlage man die Kapitel über rr-inn auf. Da ist es gleich ein Gedanke, der stch wie ein staden von Satz zu Satz zieht, und dieser Gedanke lautet: Die Thauroh ist Gemeingut des jüdischen Volkes und nicht Sondergut eines Standes: sie ist aber nicht allein Gemeingut der Volksgesammtheit, sondern auch Lebenszweck, Lebensleiter und Lebensideal eines jeden Einzelnen im Volke. Sie ist deßhalb Grundlage und Ziel der Kindererziehung. Bereits von dem Momente an, wo das Kind zum Bewußtsein seines Jchs gekommen, beginnt ihr Einfluß, denn da schon muß das Kind daran gewöhnt werden, zu fragen, indem es auf die Veränderungen, die die jüdische Pflicht in's tägliche Einerlei hineinbringt, aufmerksam gemacht wird. Sch'mah beim Aufstehen und Hinlegen, Händewaschen, Trennung von Milch- und Jleischsveisen, Sabbat- und Jesttagc kn ihren mannigfaltigen Unterscheidungen gegenüber den Wochentagen, müssen bereits vom Kinde geübt und ihm zum Bewußtsein gebracht sein, bevor es mit dem sechsten Jahre dem Schulunterrichte zugeführt wird. ■ Die Schule selbst kann nach dem jüdischen Ideale nur eine allgemeine Volksschule sein, da der jüdische Knabe bis zum dreizehnten Jahre zu einem das jüdische Gesetz kennenden selbstständig denkenden und urtheilenden Mitgliede der jiidischen Gesammtheit heranzubilden ist. Zur Ausfüllung dieses Pensums ist die Erlernung sowohl des für die Beschäftigung mit den jüdischen Geistesschätzen nothwendigen Lesens, als auch aller Hilfswissenschaften, wie Schreiben und Rechnen, Geschichte und Geographie u. s. w>, unerläßlich. Erst

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